Zum Inhalt springen

Schweiz Hilfsbereitschaft für Flüchtlinge auf gesundes Mass geschrumpft

Noch immer ertrinken Flüchtlinge im Mittelmeer, doch die Solidaritätswelle in der Schweiz ist abgeebbt. Die Hilfswerke sind allerdings nicht unglücklich darüber, denn was jetzt noch an Hilfe angeboten werde, sei wohlüberlegt und brauchbar.

Mit einem grossen Transparent werden Fluechtlinge als Zuschauer begruesst.
Legende: Im November luden die Berner Young Boys Flüchtlinge zum Super-League-Spiel gegen den FC Zürich im Stade de Suisse ein. Keystone

Bilder und Berichte von der grossen Not der Flüchtlinge auf dem Weg nach Europa hatten in der Schweiz im letzten Herbst eine grosse Solidaritätswelle ausgelöst. Die Hilfswerke wurden regelrecht überrannt von Freiwilligen.

Von Angeboten überfordert

Im Moment klingelt das Telefon bei der Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SFH) etwa zwei Dutzend Mal pro Tag. Noch im Herbst meldeten sich jeden Tag mehrere hundert Freiwillige, die Flüchtlingen in der Schweiz helfen wollten, wie SFH-Sprecher Stefan Frey sagt. «Wir waren völlig überlastet und konnten das Telefon gar nicht mehr richtig bedienen.»

Laut Frey spenden die Menschen jetzt auch weniger und es gibt kaum noch Kurzentschlossene, die nach Griechenland reisen, um Gestrandete zu unterstützen. Auch beim Schweizerischen Roten Kreuz und bei der Asylorganisation Zürich (AOZ) heisst es, die Anzahl der Hilfsangebote sei deutlich gesunken.

Trotz Verschlimmerung des Flüchtlingsdramas

Dabei gehen im Mittelmeer immer noch Boote unter. Geopolitisch betrachtet gibt es keinen Grund dafür, dass heute weniger Menschen helfen wollen als im Herbst. «Die Situation hat sich überhaupt nicht verbessert. Im Gegenteil: Es wird immer schlimmer», betont SFH-Sprecher Frey.

Trotzdem könne er nachvollziehen, dass sich die Hilfsbereitschaft der Bürger inzwischen gelegt hat. Wenn man in den Medien zu viele schlimme Bilder gesehen habe, ziehe man sich irgendwann geistig zurück. «Man hält das nicht aus auf Dauer.»

Erleichterung bei den Hilfswerken

Schlimm finden es die Hilfswerke allerdings nicht, dass die Hilfsbereitschaft inzwischen wieder ein normales Mass erreicht hat. Jetzt kämen die wirklich interessanten und wohlüberlegten Angebote, sagt AOZ-Kommunikationschef Thomas Schmutz.

Wer jetzt noch helfen will, verpflichtet sich ernsthaft und langfristig
Autor: Thomas SchmutzAOZ-Kommunikationschef

Es seien Institutionen wie etwa die Tonhalle, die sich überlegt, an welche Konzerte sie Flüchtlinge einladen könnte. Oder Sportclubs öffneten ihre Türen für die Heimatlosen aus dem Ausland. Wer jetzt noch helfen wolle, sagt Schmutz, verpflichte sich ernsthaft und langfristig.

5 Kommentare

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Franz NANNI (Aetti)
    Was zu erwarten war... aber, das passt der Sozialmafia sicherlich gar nicht!!!!!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Martin Meier (M.Meier)
    "Bei einigen ist die Lernkurve exponentiell" (Angela Merkel; auch wenn sie dies auf die "Bösen" in der EU bezogen hatte und nicht auf sich selber, denn bei ihr scheint sie scheinbar noch langsamer zu sein). Bei der Bevölkerung und auch den Medien hat sich die Realität, wenn auch verspätet, auch gemeldet!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von paul waber (sandokan)
    Es ist leider bei vielen Dingen so. Der ersten Begeisterung folgt Ernüchterung und dann der alltägliche Umgang mit der Realität. Noch immer sind wir in der Ernüchterungsphase und noch lange nicht alle Nebenwirkungen der Immigration sind erkennbar. Wenn dann konkret Arbeit, Einsatz, Ausdauer, Anpassung und Geld gefordert ist, überlässt man das Problem dann ja gerne anderen.....
    Ablehnen den Kommentar ablehnen