Hilfswerke hätten sich von der Schweiz mehr Mut gewünscht

Nun ist es definitiv: Die Schweizer Armee schickt keine Soldaten und Helikopter ins Ebola-Gebiet in Liberia. Das hat der Bundesrat entschieden. Nun kommen von Seiten der Hilfswerke kritische Töne.

Eine Pflegeperson im Schutzanzug von hinten mit auf dem Rücken verschränkten Händen.

Bildlegende: Das Schweizer Hilfsangebot an das Ebola-Gebiet war laut den Hilfswerken zu halbherzig. Reuters

Eigentlich wollte die Schweiz im westafrikanischen Liberia helfen, die Ebola-Seuche zu bewältigen. Doch sie kann es nicht. Es fehlt ihr an Partnern, die vor Ort die nötige Infrastruktur zur Verfügung stellen, wie etwa sichere Unterkünfte für die Soldaten aus der Schweiz.

«Organisationen und Länder vor Ort mussten selber schon viele Arbeiten bewerkstelligen und Aufbauarbeit leisten. Es war ihnen daher nicht mehr möglich, das Detachement, das wir schicken wollten, in diesen Camps unterzubringen», erklärt Renato Kalbermatten, Sprecher des Militärdepartements. Für die Schweizer gab es also keinen Platz. Ein eigenes Camp aufzubauen, war für die Armee keine Option, da es zu aufwändig wäre.

«Unklar, ungenügend, ängstlich»

Das Aus für den Unterstützungseinsatz der Schweiz in Liberia komme nicht überraschend, sagt Peter Niggli von der Dachorganisation der grossen Schweizer Hilfswerke Alliance Sud. Er stellt das Hilfsangebot der Schweizer Armee grundsätzlich in Frage. Das Scheitern zeige, dass das Angebot der Schweiz unklar, ungenügend und ängstlich gewesen sei. «Statt nur Helikoptereinsätze für das humanitäre Personal anzubieten, hätte die Schweizer Armee auch ebenso gut Ebola-Kranke aus abgelegenen Gebieten transportieren können», sagt Niggli.

Wie die Armee das Geld, das sie für den Liberia-Einsatz reserviert hat, nun weiter verwenden will, darüber gibt sie keine Auskunft. Sie sagt auch nicht, um welchen Betrag es sich dabei handelt.

Die humanitäre Hilfe der Schweiz im Ebola-Gebiet läuft derweil wie angekündigt weiter: Schwerpunkt-Land bleibt Liberia.

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Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • In Pflegefachkreisen wird bereits ziemlich laut  über die mögliche Forderung nach einer Gefahrenzulage für die riskante Pflege von Ebola-Kranken nachgedacht.

    Spitalpersonal in der Schweiz beschäftigt sich mit Ebola

    Aus Rendez-vous vom 21.10.2014

    Auch in der Schweiz rüstet man sich für den Kampf gegen Ebola. In den grossen Spitälern werden Schutzmassnahmen vorbereitet, spezielle Ebola-Konzepte verfasst - und das Personal wird für einen Ernstfall geschult.

    So auch im Berner Inselspital, wo in diesen Tagen gleich mehrere Informations-Veranstaltungen zu der gefährlichen Seuche stattfinden.

    Peter Maurer