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Hochspezialisierte Medizin Kleine und mittlere Spitäler sehen ihre Existenz bedroht

Welches Spital darf welche Operationen durchführen? Ein gewichtiger Entscheid zur Bauchchirurgie steht an – Proteste sind vorprogrammiert.

Legende: Audio Wer darf künftig Bauchoperationen durchführen? abspielen. Laufzeit 02:37 Minuten.
02:37 min, aus HeuteMorgen vom 13.10.2017.

Im November veröffentlicht die Gruppe für hochspezialisierte Medizin eine Liste. Auf dieser steht, welche Schweizer Spitäler in Zukunft welche Bauchoperationen durchführen dürfen, zum Beispiel wer eine Speiseröhre oder einen Enddarm entfernen darf.

2013 gab es bereits eine solche Zuteilung. Da die Leistungsaufträge nun auslaufen, braucht es eine erste Überprüfung. Er wolle die Katze noch nicht aus dem Sack lassen, so Rolf Widmer, der Präsident des Beschlussorgans.

Proteste schon beim letzten Entscheid

Aber Widmer sagt, dass mit Veränderungen zu rechnen sei: «Wir haben auch Mindestfallzahlen definiert: Man muss eine gewisse Anzahl an Operationen erreichen. Das war in der Vergangenheit nicht der Fall.» Deswegen geht Widmer davon aus, dass es Änderungen geben werde.

Das dürfte heissen: Kleinere und mittlere Spitäler müssen Behandlungen abgegeben. Schon 2013, bei der ersten Zuteilung, gab es heftige Kritik an dieser Zuteilung. Die betroffenen Spitäler zogen gar vor Gericht.

Wird eine «rote Linie» überschritten?

Der aktuelle Entscheid wird nun mit grosser Spannung erwartet. Denn es geht um die Grundsatzfrage: Wie viele Spitäler müssen etwas abgeben – oder ab wann werden auch Fachgebiete reguliert, die gar nicht zur hochspezialisierten Medizin gehören?

Legende: Video Spitalwesen steuert auf finanziellen Infarkt zu abspielen. Laufzeit 29:56 Minuten.
Aus ECO vom 21.08.2017.

Für Fortunat von Planta, Spitaldirektor des Kantonsspitals Uri und Präsident der Zentralschweizer Spitäler, ist die Antwort klar. Die Bauchchirurgie, das gehe zu weit: «Ursprünglich war sie nicht vorgesehen für die hochspezialisierte Medizin. Wir glauben, dass hier eine rote Linie überschritten wurde.»

Wenn immer mehr Behandlungen nur noch an bestimmten Spitälern gemacht würden, sei das für die kleineren und mittleren Spitäler fatal: «Sie werden in ihrer Existenz bedroht. Unter anderem deshalb, weil man als Arbeitgeber nicht attraktiv ist, wenn man nur diese Grundeingriffe machen kann.»

Ein zähes Ringen steht bevor

Dass bestimmte Bereiche der Bauchchirurgie als hochspezialisierte Medizin gelten, wurde jedoch bereits von einem Gericht bestätigt. Nun geht es also noch um die Frage, welche Spitäler diese Bauchoperationen noch anbieten dürfen.

Man sei sich der Verantwortung bewusst, sagt Rolf Widmer von der Gruppe für hochspezialisierte Medizin: «Wir versuchen die Qualität der Leistungserbringung für Operationen zu steigern, die schwierig und heikel sind. Im Bewusstsein darum, dass wir nicht alle zufriedenstellen können.»

Schon jetzt ist also klar: Bei der Frage, welches Spital was anbieten darf, gibt es auch dieses Mal keinen einfachen Entscheid, sondern ein zähes Ringen – vielleicht wieder bis vor Gericht.

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14 Kommentare

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  • Kommentar von Hanspeter Müller (HPMüller)
    Es gibt gute Untersuchungen dazu,dass bei schwierigen Eingriffen die Routine ein wesentlicher Faktor für den Erfolg darstellt.Dummerweise wird dieses Argument aber politisch ausgenutzt in der Schweiz.Es gibt zahlreiche Kliniken in Uni-Spitälern,die weniger Eingriffe machen als das Spital daneben.Ein bekanntes Beispiel sind die Knieprothesen in Basel.Solche Beispiele gibt es zahlreiche,aber wenn es dann darum geht,wer was noch machen darf kann das Uni-Spital natürlich nicht leer ausgehen
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  • Kommentar von Barbara Lampérth (Luk 12/3)
    Das Schliessen zahlreicher kleiner Spitäler hat die Medizin keineswegs billiger gemacht, im Gegenteil. Trotz Qualitätskontrollen ad absurdum werden gewisse Produzenten von medizinischen Katastrophen nicht aus dem Verkehr gezogen und verursachen nicht nur unnötige Kosten, sondern unnötiges Leid. Listen und Zahlen sagen über Qualität nichts aus, wenn wir das endlich akzeptieren und den gesunden Menschenverstand wieder einführen würden wäre die Medizin besser und billiger, vernünftig eben!
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  • Kommentar von marlene Zelger (Marlene Zelger)
    Ich finde es völlig daneben, ja sogar problematisch, dass man kleineren Spitälern diese Operationen wegnimmt. Es leben immer mehr Leute in unserem Land. Sollten tatsächlich nur noch grosse Zentren diese Operationen anbieten können, verursacht dies grössere Warteschlaufen und irgendwann fällt so ein wartender Patient oder Patientin tot um.
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    1. Antwort von Albert Planta (Plal)
      Eine hohe Spitaldichte hat ihren Preis.
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    2. Antwort von Joel Busch (Joel)
      Man kann das eben auch andersrum betrachten. Ist es nicht verantwortungslos dass Abteilungen die solche spezialisierten komplizierten Eingriffe praktisch nie machen einmal alle paar Monate das doch versuchen? Sagen wir zum Beispiel mal es gibt 50 Enddarmentfernungen in der Schweiz im Jahr, da ist es doch vernünftig die auf sagen wir 3 Teams aufzuteilen, damit die richtig Übung haben und 95% Erfolgsquote erreichen, statt dass es 25 Teams gibt die das nur zweimal im Jahr machen mit nur 60% Quote.
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