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Schweiz Höchster Lehrer verteidigt Teilzeit-Pensen

Eine Weisung aus dem Kanton Freiburg erlaubt es den dortigen Lehrern ab 2014 nicht mehr, in Kleinpensen zu arbeiten. Das sei frauenfeindlich, kontraproduktiv und stur, findet Lehrerverbandspräsident Beat Zemp. Er fordert die Verantwortlichen auf, nochmals über die Bücher zu gehen.

Legende: Video Unmut bei den Freiburger Lehrern abspielen. Laufzeit 3:41 Minuten.
Aus Schweiz aktuell vom 01.05.2013.

Am Tag der Arbeit gingen im Kanton Freiburg die Lehrer auf die Strasse. Ihr Anliegen: eine Weisung des Kantons, die ab nächstem Jahr gelten soll. Demnach sollen Lehrer auf Kindergarten- und Primarstufenniveau nicht mehr in Kleinpensen von 20 oder 30 Prozent arbeiten dürfen.

Eine Weisung, die für grossen Unmut sorgt. Selbst die Präsidentin der Schulleiter im Kanton Freiburg, Karin Walthert, erachtet sie als unsinnig, wie sie gegenüber SRF4 News sagt.

Kritik auch von ganz oben

Lehrerverbandspräsident Beat Zemp sieht es ähnlich wie die kantonale Schulleiterpräsidentin. Zwar habe er Verständnis für das Anliegen des Kantons, aber eine sinnvolle Lösung sei es trotzdem nicht. «In der Praxis braucht es genügend Spielraum beim Einsatz des Personals», sagt er im Gespräch mit SRF4 News.

Zemp weist darauf hin, dass diese Weisung in der Schweiz einmalig ist. «Sie frustriert das heutige Personal, ist frauenfeindlich und kontraproduktiv.» Sie mache den Lehrerberuf unattraktiv.

Und er ergänzt: «Würde man diese sture Regelung schweizweit einführen, dann können wir das Bildungssystem in der heutigen Form nicht aufrecht erhalten.» Denn etwa zwei Drittel der Lehrer in der Schweiz arbeiteten teilzeit.

Inspektoren in die Pflicht nehmen

Der Verbandspräsident empfiehlt den Verantwortlichen, nochmals über die Bücher zu gehen und andere Lösungen in Betracht zu ziehen. Der Kanton Zürich beispielsweise habe ein Pilotprojekt. Dieses erlaubt auf Primarstufe maximal zwei Lehrpersonen für eine Klasse. In gegenseitiger Absprache können sie sich die Pensen aufteilen und als «starkes Führungsduo» auftreten.

Die Freiburger Schulpräsidentin wünscht sich, dass die Schulleitungen und -inspektoren in die Pflicht genommen werden. Sie sollen die Stundenpläne kontrollieren, um zu viele Kleinpensen zu verhindern.

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9 Kommentare

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  • Kommentar von Jörg Brönnimann, Kehrsatz
    Will man eine Schule der Qualität oder eine Schule der Quantität?
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  • Kommentar von Daniel Griesser, Winti
    Das grosse Übel am Lehrerjob ist, dass "Bildungspolitiker" die Rahmenbedingungen von ihrem Schreibtisch aus festlegen, obwohl sie nie einen Lehreralltag kennen gelernt haben, die Schule aus ihrer Kindheit kennen und die Anliegen von der Basis (=den Lehrpersonen) ignorieren. Beispiel Kt ZH: Dort wurde vor wenigen Monaten die letzte Entlastungsmassnahme der Lehrpersonen abgeschmettert. Alle wollen gute Schule zum Nulltarif. Das gibt es nicht - in der Wirtschaft ist auch nichts gratis. :-)
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    1. Antwort von Beppie Hermann, Bern
      "Das grosse Übel am Lehrerjob,dass "Bildungspolitiker"die Rahmenbedingungen von ihrem Schreibtisch aus festlegen"Ein weiteres Übel,an den meisten Schulen hat das Verhältnis Schüler>Lehrer>Rektor eine Umkehr erfahren.Ein wenig wie CH>EU.Lehrer stehen am untersten Ende der Hierarchie:Schüler/Eltern bestimmen,Rektor bestimmt in ihrem Sinne über den Lehrer.Nach Zwangsinkonsequenz am Ende der Schulzeit:gut ausgewiesenes Schülerprodukt,das weder verhaltensmässig noch theoret.od.sportl.taugt.
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  • Kommentar von K.D.Waldeck, Bellinzona
    gegen Teilzeitarbeit ist sicherlich nichts einzuwenden, sofern von den Kosten vertretbar. 20% Teilzeit sollte = 20% Lohn und 20% der Kosten beim Arbeitgeber sein. Wenn die Gesamtkosten dadurch nicht steigen, ist nicht einzusehen warum die Teilzeitarbeit ein Hindernis sein sollte. Besonders in Berufen wo bereits Personalknappheit herrscht.
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