«Homosexuelle gehören zur Kirche»

Markus Büchel von der Schweizer Bischofskonferenz sagt, warum jeder Mensch gesegnet werden kann – aber nicht jedes Paar. Das zu ändern, sei nicht an ihm, sagt er im Gespräch in der Sendung «10vor10».

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Der höchste Schweizer Katholik im Gespräch

4:48 min, aus 10vor10 vom 5.3.2015

Die Schweizer Bischofskonferenz lehnt die Segnung eines lesbischen Paares ab. Markus Büchel, warum verschliessen Sie sich der Diskussion über Segnungen von homosexuellen Paaren?

Markus Büchel, Präsident der Schweizer Bischofskonferenz: Bereits 2002 haben wir in einem Dokument festgehalten, dass sich die Kirche Homosexuellen annehmen sollte. Eine Segnung an sich ist immer möglich. Segnen kann jeder Mensch, das ist der Zuspruch Gottes an jede Person. Es geht darum, dass die Segnung einer Partnerschaft nicht möglich ist.

Nun redet ja niemand von heiraten, sondern nur von Segnungen. Warum sind Sie so dezidiert dagegen?

Eine Partnerschaft ist – wenn sie in der Kirche stattfindet – immer vergleichbar mit einer Ehe. Die Definition der Ehe ist in der kirchlichen Lehre ganz klar festgelegt, das ist eine Partnerschaft zwischen Mann und Frau. Dadurch, dass im öffentlichen Bereich das Wort Ehe auch für schwule Ehen gebraucht wird, kann es auf die gleiche Ebene kommen. Weder wir als Bischöfe noch die Bischofskonferenz haben die Möglichkeit, die Definition der Ehe zu ändern.

Wer könnte das tun?

Der Papst, zusammen mit der Synode. Tatsächlich ist die Synode da dran. Sie nimmt die Situation von homosexuellen Menschen sehr ernst und zeigt, dass man pastoral sorgfältig und gut mit ihnen umgehen soll – sie gehören zur Kirche.

Trotz ihrer Weisung gibt es katholische Pfarrer, die sagen, dass sie auch künftig homosexuelle Paare segnen wollen. Was machen sie mit solchen Abweichlern?

Ich denke, jeder Seelsorger nimmt seine Verantwortung wahr. Er wird eine Form der Segnung und pastoralen Begleitung finden. Und wenn es zu einer Segnung kommt, muss man schauen, ob es eine Partnerschaftssegnung ist, die man mit einer Ehe vergleichen kann, oder nicht.

Ihr oberster Chef, Papst Franziskus, sagt folgendes: «Wenn eine Person homosexuell ist und Gott sucht und guten Willens ist, wer bin ich denn, um über diese Person zu richten.» Das ist doch ein Signal für eine Öffnung?

Das ist ein Signal für eine Öffnung, für einen guten Umgang mit der Realität der homosexuellen Menschen. Die Seelsorger an der Basis haben ganz fest den Impetus, dass sie diesen Menschen das Gefühl geben und ihnen zeigen, ihr gehört zur Kirche. Dass wir sie in ihrem Glauben begleiten möchten. Das heisst aber nicht, dass das auf die gleiche Ebene wie eine sakramentale Ehe gestellt werden darf.