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Schweiz Hüftprothesen von Depuy: Jetzt kommen die Klagen

2010 hat die Firma Depuy Synthes eine ihrer Hüftprothesen vom Markt genommen. Patienten, die mit der Prothese Probleme hatten, können sich vielleicht bald über Schadenersatz freuen: Ein Berner Anwalt will Depuy vor Gericht ziehen.

Legende: Video Skandal um künstliche Hüftgelenke abspielen. Laufzeit 6:52 Minuten.
Aus 10vor10 vom 28.03.2013.

Düstere Zeiten für Depuy Synthes: Die Tochterfirma des amerikanischen Konzerns Johnson & Johnson musste 2010 eine ihrer Hüftprothesen vom Typ ASR vom Markt nehmen.

Die Prothese hatte bei zahlreichen Patienten zu einer sogenannten Metallose geführt. Dabei lösten sich Metallteilchen von der Prothese und verursachten im Körper teils schwere Entzündungen. Die Prothesen mussten in schmerzhaften Operationen ersetzt werden. Viele der Opfer leiden noch heute unter den Folgen.

Erfolgreiche Klage in den USA

Laut neuesten Berechnungen war fast jede dritte Prothese der Reihe ASR fehlerhaft. Allein in der Schweiz gibt es laut Schätzungen etwa 300 bis 400 Opfer. Weltweit sind es etwa 30‘000.

Anfang März war in den USA ein erster Kläger gegen Johnson & Johnson und Depuy vor Gericht erfolgreich: Der Patient erhielt 8,3 Millionen Dollar Schadensersatz zugesprochen.

Der Berner Anwalt Stephan Kinzl sah bisher kaum eine Möglichkeit, gegen den Grosskonzern gerichtlich vorzugehen. Nun wittert er eine Chance.

«Im Prozess in Amerika wurden interne Dokumente von Depuy publiziert. Anhand dieser Dokumente können wir beweisen, dass Depuy schon Jahre vor dem Recall wusste, dass die Prothese Probleme bereitet», erklärt der Anwalt.

Laut Kinzl wusste der Konzern bereits drei Jahre zuvor, wie gefährlich die Prothese ist. Anstatt den Verkauf zu stoppen, habe man Geheimhaltung beschlossen und stattdessen den Verkauft sogar noch angekurbelt, sagt der Anwalt.

Aufruf an Patienten von ASR-Prothesen

Stephan Kinzl, der in der Schweiz mehrere ASR-Opfer vertritt, will jetzt mit diesen Belegen gegen Depuy vor Gericht ziehen.

Margrit Kessler vom Schweizer Patientenschutz ruft derweil alle Schweizer Patienten mit ASR-Prothesen von Depuy auf, sich zu melden. Das Schweizer Gesetz sehe eine Verjährungsfrist von drei Jahren vor. Da die besagte ASR-Prothese 2010 vom Markt genommen wurde, kann die Verjährung der Ansprüche bereits ab August 2013 eintreten.

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2 Kommentare

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  • Kommentar von Anna Kammermann, Suino, 6997 Sessa / TI
    Ich habe im September 2008 eine hüftprothese ASR corail von de puy erhalten. Dies in der Klinik Ars medica in Gravesano. Schon nach 9 Monaten begannen die Komplikationen: knarren, pfeifen aus der hüftprothese, Schmerzen beim gehen, Entzündungen der gesässmuskeln. Im Oktober 2011 erst, leider sehr spät fand die revisionsoperation statt. Seitdem schmerzhafte fisiotherapie, hinkender Gang, schmerzende Muskeln,
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  • Kommentar von Ernst Frischknecht, 9400 R0rschach
    Guten Tag habe im August 2011 eine Hüfte operiert, ich kann nun kaum 10 Minuten ohne Schmerzen gehen, Frage: kann es sein, dass ich noch ein altes Gelenk erhalten habe? Im Ausweis steht zum Beispiel: Depuy France Corail L20312 KNO12 Lot 5047291 Articul/EZE Metall on Metall Femoral Head Ref. 1365-52-000 Lot 33321107 darf ich Sie um eine Antwort bitten, evtl kann ich Ihnen den ganzen Ausweis danach Einfügen. Vielen vielen Dank und freundliche Grüsse Ernst Frischknecht
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