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Schweiz «Ich bitte Sie von ganzem Herzen um Entschuldigung»

Die Geschichte der Verdingkinder ist ein dunkles Kapitel der Schweizer Geschichte. Lange hat es gedauert, nun hat sich der Bundesrat durchgerungen: Die Landesregierung bittet die Betroffenen für erlittenes Leid und Unrecht um Entschuldigung.

Legende: Video Die Entschuldigung für erlittenes Unrecht abspielen. Laufzeit 0:41 Minuten.
Vom 11.04.2013.

An einem Gedenkanlass für ehemalige Verdingkinder hat sich Simonetta Sommaruga bei den Betroffenen entschuldigt – im Namen des Bundesrats.

«Es ist an der Zeit, dass wir etwas tun, was man Ihnen allen, den ehemaligen Verdingkindern und den weiteren Opfern von fürsorgerischen Zwangsmassnahmen bisher verweigert hat», sagte Sommaruga. «Für das Leid, das Ihnen angetan wurde, bitte ich Sie im Namen der Landesregierung aufrichtig und von ganzem Herzen um Entschuldigung.»

Gefährliche blinde Flecken

Was den Verdingkindern geschehen sei, könne kein Wort ungeschehen machen, und möge es noch so gut gewählt sein, sagte Sommaruga. Sie sprach von einer

Verletzung der menschlichen Würde. «Wir können nicht länger wegschauen. Denn genau das haben wir bereits viel zu lange getan.» Wer wegschaue, stelle sich blind. Und nichts sei gefährlicher für eine Gesellschaft als blinde Flecken.

Die Geschichte der Verdingkinder und anderer Opfer fürsorgerischer Zwangsmassnahmen soll denn auch historisch und rechtlich aufgearbeitet werden.

Offen bleibt die Frage der finanziellen Entschädigung. Dazu gab Sommaruga am Donnerstag nichts bekannt. Sie sagte lediglich, es stellten sich auch finanzielle Fragen.

34 Kommentare

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  • Kommentar von Elisabeth Hasler, Zürich
    Dieses dunkle Kapitel muss an die Hand genommen werden. Die Bundesräte gehen mit gutem Beispiel voran, BR Sommaruga fand die richtigen Worte für das immense Leid, das unschuldigen Kindern mit Fremdplatzierungen & Abstempelungen angetan wurde. Wir müssen eingestehen, dass die damaligen Überzeugungen die falschen waren, wenn sie vielleicht auch in den wenigsten Fällen bewusst Leiden schaffen oder Leiden vergrössern wollten. Es war falsch. Kinder von ihren Eltern zu trennen, ist das Schlimmste.
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  • Kommentar von H.Ott, Zürich
    Zu jener Zeit haben viele Vertreter des Staates und der Macht viel Unrecht, ja sogar Verbrechen den Schwächsten angetan - mit Billigung der Gesellschaft! Es brauchte erst die '2. Aufklärung' als Folge der 68er-Bewegung, bis ein Umdenken statt fand. Und es brauchte wiederum viele Jahre, bis endlich eine Frau, eine Sozialdemokratin (wer denn sonst) die Grösse hatte, vor der Öffentlichkeit und besonders vor den Betroffenen zu bekennen, dass es ein grosses Unrecht war!
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    1. Antwort von Franz NANNI, Nelspruit SA
      Nana, Die Groesse...hat nicht sie, sie hat einen Beschluss ausgefuehrt, einen Beschluss des Gesamtbundesrates und vermutlich auch der gesamten Regierung...
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  • Kommentar von Alex Bauert, Köniz
    Wartet die offizielle Schweiz einfach bis alle tot sind? Schrecklich! Zahlen und zwar nach den Ansätzen, die heute gelten, also 150 CHF pro Tag Gefängnis ohne Grund. Pro Jahr also 54'750.- plus Lohn für geleistete Arbeit. Dazu kommt noch die Genugtuung wie sie üblich ist für Opfer von Straftaten, hier Freiheitsberaubung, Nötigung, Verletzung der psychischen und physischen Integrität, etc., etc. Der Staat hat sich strafrechtlich relevant verhalten, also soll er dafür grad stehen.
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    1. Antwort von Franz NANNI, Nelspruit SA
      Richtig! und noch was: DER STAAT, das sind WIR!
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    2. Antwort von Hans Haller, Kölliken
      Nein so lange wartet die Regierung nicht, sie wird sich vorher überflüssig machen.
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