«Ich habe ein Donnern gehört – dann war Ruhe»

Am Wochenende hat ein Erdrutsch ein Haus in Davesco-Soragno (TI) unter sich begraben. Roberto Cattaneo wohnt mit seiner Familie in der Nachbarschaft. Der Redaktionsleiter des Telegiornale von RSI schildert bei «Schweiz aktuell» wie er die Nacht erlebt hat.

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Roberto Cattaneo schildert seine Eindrücke aus der Unglücksnacht

3:15 min, vom 17.11.2014

Schweiz aktuell: Sie waren nahe an dem Ereignis. Wie ist das passiert?

Roberto Cattaneo: Es war ca. 2.15 Uhr in der Nacht. Ich habe ein Donnern gehört. Es hat wenige Sekunden gedauert und nachher war Ruhe. Nach zehn Minuten habe ich Sirenen gehört. Ich wusste aber nicht, was passiert ist und wo. Nach vierzig Minuten war die Polizei vor unserem Haus. Sie sagten, wir müssten sofort das Haus verlassen. Dann haben wir die Kinder geweckt, die Hunde genommen und sind in die Zentrale des Zivilschutzes gegangen.

Was haben Sie am nächsten Tag für ein Bild angetroffen?

Um zehn Uhr konnte ich mit der Polizei den Unglücksort von oben überschauen. Zu sehen war ein schreckliches Spektakel. Dort habe ich den Geologen getroffen. Er hat unser Grundstück inspiziert und gesagt, dass wir nach Hause gehen können.

Ihre Hunde haben offenbar etwas gespürt.

Was mich im Nachhinein beeindruckt hat, war das Verhalten der Hunde. Normalerweise sind sie sehr ruhig. Aber zwei Nächte lang waren sie sehr unruhig. Man sagt, dass Tiere spüren, wenn eine Naturkatastrophe kommt. Jetzt habe ich den Beweis, dass es so ist.

Alles in allem war es für Sie eine schreckliche Nacht.

Das war eine bewegte Nacht für uns. Aber das wirkliche Drama passierte unter uns. Ich kannte eines der Opfer. Meine Gedanken sind bei den zwei Frauen, die ihr Leben verloren haben und bei den Kindern, die ihre Mütter verloren haben.

Ist am Hang an dem sie leben schon einmal etwas passiert?

Ich wohne seit fünf Jahren in Davesco, aber bisher ist nichts passiert.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

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