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Schweiz «Ich habe noch nie so massive Zerstörungen gesehen»

Die Zerstörung und das Leid im Gazastreifen sei enorm, sagt IKRK-Chef Peter Maurer. Er macht sich ein Bild der Lage vor Ort.

IKRK-Chef Peter Maurer in Gaza.
Legende: «Man muss auch zulassen können, dass man wütend wird», sagt IKRK-Chef Peter Maurer anlässlich seines Besuches in Gaza. Twitter

SRF: Wie erleben Sie die Situation im Gazastreifen?

Peter Maurer: Die Zerstörung ist gewaltig. So etwas habe ich noch nie gesehen. Ich habe unzählige Opfer mit schweren Verletzungen in verschiedenen Spitälern besucht. Das Leid ist immens. Auf der anderen Seite habe ich aber auch erlebt, dass die Leute ihr Leben wieder beginnen, obwohl die Waffenruhe erst seit ein paar Stunden in Kraft ist. Die Strassen füllen sich wieder mit Leben und einzelne Läden sind geöffnet.

Was brauchen die Leute am dringendsten, wo kann das IKRK am besten helfen?

Die medizinische Versorgung ist die dringendste Angelegenheit. Es gibt immer noch Tausende Schwerverletzte. Viele Leichen sind noch nicht geborgen und liegen noch unter den Trümmern. Es drohen Seuchengefahren. Die Leute brauchen aber auch Elektrizität und Wasser. Wir sind daran, die ersten Wasserleitungen zu flicken und die Elektrizitätsversorgung wieder herzustellen. In den Verhandlungen mit Israel müssen wir zudem sicherstellen, dass der Gazastreifen wieder mit Gütern beliefert wird.

Angesichts dieser Zerstörung und des Leids, wie neutral kann man als humanitärer Helfer bleiben?

Wir konzentrieren uns auf unser Mandat: Den Opfern zu helfen und sie, wo möglich, zu schützen. Auf der anderen Seite muss man auch zulassen können, dass man wütend wird, wenn man das sieht, was ich gestern gesehen habe. Natürlich stellen sich auch grundsätzliche Fragen wie diejenige, warum die Internationale Gemeinschaft nach Jahrzehnten immer noch nicht fähig ist, eine politische Lösung im Konflikt zwischen Israel und Palästina zu finden.

Dennoch hat das IKRK zum aktuellen Konflikt deutliche Worte gefunden. Auch an die Adresse Israels ging der deutliche Aufruf, das Töten und die Zerstörung müsse aufhören. Inwiefern ist das noch neutral und objektiv?

Neutral zu sein bedeutet nicht, dass man keine klaren Worte findet. Im Gegenteil: Es bedeutet, dass wir klare, unmissverständliche Worte an alle Beteiligten, die das internationale humanitäre Völkerrecht missachten, richten. Tatsächlich ist es so, dass wir wegen den massiven Bombardierungen des Gazastreifens sehr intensive Gespräche mit Israel führen.

Was ist Ihre Einschätzung, wird die Waffenruhe halten?

Wir sind froh, dass sie nun offenbar bereits 24 Stunden gehalten hat und wir hoffen, dass sie auch weiterhin hält.

Peter Maurer

Peter Maurer

Der Schweizer Diplomat war von 2004 bis 2010 Chef der Ständigen Mission der Schweiz bei der UNO. Danach war er Staatssekretär im Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten. Seit dem 1. Juli 2012 ist Maurer Präsident des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz.

28 Kommentare

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  • Kommentar von Rainer Fauser, Augsburg
    Die Errichtung des Staates Israel im arabischen Plästinenserraum war von Anfang an ein Kunstgebilde,das auf Landraub basiert.Juden und Araber werden niemals kompatibel,denn deren kulturelle und soziolog. Eigenarten sind sich grundsätzl.konträr.Israel wird also dort drunter immer der Fremdkörper sein,der Störfaktor.Juden werden niemals ihre tiefe Verwurzelung in einer sicheren Heimat finden,denn dies haben sie sich durch eigenes cleveres Geschäftsverhalten in der Vergangenheit verbaut.Exgüsi.
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    1. Antwort von Emmanuel Zbinden, Nürensdorf
      Herr Fauser, Sie sind sehr schlecht informiert.Erstens hat die Mehrheit der UNO-Staaten 1947 sich für einen jüdischen und arabischen Staat ausgesprochen (exkl. die Araber).Zweitens sind die Juden in Israel sehr wohl tief verwurzelt, und zwar seit über 2000 Jahren!Israel wurde kurz nach der Staatsgründung von einer Übermacht von arabischen Staaten angegriffen. Wir kennen die Geschichte. Sie haben Land erobert, ebenfalls am 6-Tage-Krieg.Und das ist legal.Palästina hätte heute seinen Staat.
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    2. Antwort von W.Ineichen, Luzern
      Nach Ihrem klaren Statement ist ein "Exgüsi" eigentlich überflüssig.
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    3. Antwort von Albert Planta, Chur
      Der Staat Israel ist das Ergebnis des europäischen Antisemitismus. Konfliktpotenzial gibt es noch genug anderes auf der Erde, z. B. die Ukraine , Syrien, Libyen, Ex-Jugoslawien usw. und es wäre eigentlich die Aufgabe Neutraler, diese zu entschärfen und nicht zusätzlich mit pseudowissenschaftlichen Sprüchen anzuheizen.
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    4. Antwort von Rainer Fauser, Augsburg
      @Zbinden: Sie haben meinen Kommentar lediglich missverstanden. Ich habe Von einer SICHEREN Heimat geschrieben. Nochmal: Araber und Juden sind nicht kompatibel, Sie können es drehen und wenden wie Sie wollen. Historisch haben Sie völlig Recht, aber nicht beim Thema Palästina. Israel und Palästina sind NICHT kompatibel, eben wegen des israelischen Land- u. Wasserraubes.
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    5. Antwort von Rainer Fauser, Augsburg
      @Geschätzter Albert Planta, oberflächlich mögen Sie durchaus Recht haben, ich bin da ganz Ihrer Meinung. Aber stellen Sie sich mal die Frage, WARUM der Antisemitismus aufkam. Eben weil viele Juden clevere Geschäftsleute sind, die Andere über den Tisch zogen und sogar ruinierten. Eigentlich wollte ich diesen Klartext vermeiden, aber Sie zwingen mich ja geradewegs dazu. Liebe Grüsse nach Chur. Lese übrigens alle Ihre Kommentare. Weiter so.
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    6. Antwort von P. Meier, Wettingen
      -> Hr. Zbinden: Ende des 19.Jahrh.'s, als die Einwanderung der Juden aus Europa einsetzte, war ca. 5 % der Bevölkerung in "Palästina" jüdisch. Diese lebten übrigens recht friedlich mit den Arabern zusammen, das war schon damals in Europa gar nicht so (dort hatte es immer wieder Judenpogrome gegeben). Ihre Aussage "... sind die Juden in Israel sehr wohl tief verwurzelt, und zwar seit über 2000 Jahren!" ist mehr als zu relativieren: Die Völkervertreibung des arabischen Teils fand statt!
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  • Kommentar von Erwin Jenni, Ottikon
    Herrn Maurer ist wohl dem arabischen roten Halbmond mehr verpflichtet, als dem roten Davidstern der Israeli. Nur so lässt sich eine so undifferenzierte Haltung erklären. Warum prangert Herr Maurer nicht diejenigen an, die für diesen Krieg verantwortlich sind? Warum verurteilt Herr Maurer nicht die Geiselung der Zivilbevölkerung durch die Hamas? Wird am Ende vielleicht Herr Maurer auch von der Hamas eingeschüchtert und bedroht wie die Journalisten, welche solche Verbrechen aufdecken wollten?
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  • Kommentar von Ernst Hasle, Ennetbürgen
    Ich wundere mich etwas dass wir keine palästinensische Flüchtlinge in der Schweiz haben. Sonst sind die ja sofort da aus den Krisengebieten wie Eritrea, Syrien, etc.
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    1. Antwort von Albert Planta, Chur
      Warum? Weil der Gaza-Streifen faktisch ein Getto ist
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    2. Antwort von Agnes Device, Niederdörfli, Zürich
      Die können da ja nicht weg, Gaza ist ja quasi ein Gefängnis.
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