«Ich muss das akzeptieren»

Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann kann nicht verstehen, dass die Steuerpraxis seiner ehemaligen Firma erneut untersucht wird. «Die Art, wie jetzt rückwirkend vorgegangen wird, scheint mir sehr fragwürdig», sagt er.

Eine Aufnahme des Wirtschaftsministers Schneider-Ammann in nachdenklicher Pose.

Bildlegende: Hat keine Freude an einer neuen Untersuchung der Steuerpraxis seiner ehemaligen Firma: Bundesrat Schneider-Ammann. Keystone/Archiv

Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann kritisiert den Entscheid einer neuen Untersuchung. Er verlangt eine Gleichbehandlung der Langenthaler Ammann-Gruppe und betont die Notwendigkeit von Steueroptimierung.

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Steuerclinch bei Ammann-Gruppe

0:59 min, aus Tagesschau am Mittag vom 11.9.2014

Die Finanzdirektion des Kantons Bern und die Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV) als Aufsichtsbehörde hatten entschieden, die Veranlagungspraxis im Falle der Ammann-Gruppe unter die Lupe zu nehmen, nachdem im Februar eine Untersuchung dazu abgeschlossen worden war.

Steueroptimierung «sehr schweizerisch»

«Ich muss das akzeptieren», sagte FDP-Bundesrat Schneider-Ammann in einem Interview mit dem «Blick». Doch: «Die Art, wie jetzt rückwirkend vorgegangen wird, scheint mir sehr fragwürdig», so der einstige Patron der Anlagen- und Maschinenbaufirma. Sein ehemaliges Unternehmen dürfe beanspruchen, «gleich anständig behandelt zu werden wie alle anderen». Er erwarte nun, dass die Verwendung vertraulicher Dokumente untersucht und geahndet werde.

Schneider-Ammann verteidigte die Steuerpraxis seines ehemaligen Unternehmens erneut. «Firmen müssen Steuern optimieren», sagte er. Sie müssten Reserven schaffen, um im weltweiten Wettbewerb zu bestehen. «Wenn die Optimierung in Absprache mit den Steuerbehörden geschieht, dann ist das sehr schweizerisch.» Die Ammann-Gruppe habe immer korrekt gehandelt.

Gemeinsame Untersuchung angekündigt

Anfang Jahr war bekannt geworden, dass die Ammann-Gruppe während Jahren mehrere Hundert Millionen Franken zur Steueroptimierung in Jersey und Luxemburg geparkt hatte. Daraufhin hatten die bernischen Steuerbehörden eine Untersuchung ihrer internen Abläufe eingeleitet. Diese kam zum Schluss, dass alle Veranlagungen des Unternehmens gesetzeskonform und damit in Ordnung seien.

Nach erneuter Kritik an den Behörden am Mittwoch kündigte die Finanzdirektion eine neuerliche Untersuchung zusammen mit der ESTV an. Bund und Kanton sollen in der Frage um Steuerdossiers zu einer einheitlichen und klaren Meinung kommen, lautete die Begründung.

Berner Behörden unter Druck

Die neue Untersuchung könnte auch entscheidend für die Berner Steuerverwaltung sein, deren Aufsichtsbehörde die ESTV ist. Nach Angaben der Sendung «Rundschau» vom Mittwoch äusserte die ESTV nämlich schon vor Jahren Bedenken gegen die Offshore-Konstrukte der Ammann-Gruppe.

Das könne er nicht bestätigen, sagt Bruno Knüsel, Leiter der bernischen Steuerverwaltung. Aber er wisse nicht genau, «was die Eidgenössische Steuerverwaltung in ihren internen Besprechungsnotizen tatsächlich festgestellt hat». Und da wollen der Kanton und Steuerverwalter Knüsel nun rasch Klarheit schaffen.

Denn auch für Knüsel geht es um einiges: Wirtschaftsminister Schneider-Ammann hatte nämlich stets betont, dass die Finanzkonstrukte seiner Firma von der bernischen Steuerverwaltung abgesegnet worden seien.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Bevölkerung steht hinter Amman Gruppe

    Aus Schweiz aktuell vom 12.9.2014

    Die Ammann Gruppe steht wegen ihrer Steueroptimierungen und einem Abkommen mit der Berner Steuerverwaltung in der Kritik. In Langenthal fordern sowohl der Stadtpräsident, als auch Ammann-Geschäftsführer Hans-ChristianSchneider verbindliche Rechtssicherheit in dieser Sache.

  • Neue Fakten zum Ammann-Steuerdeal

    Aus Rundschau vom 10.9.2014

    Um Steuern zu sparen, lagerte die Ammann-Gruppe über Jahrzehnte Firmenvermögen in Offshore-Paradiesen. Darüber berichtete die Rundschau Anfang Jahr. Alles sei korrekt verlaufen, hielt die Berner Steuerverwaltung in ihrer Prüfung des Falles fest. Doch neue Dokumente zeigen ein anderes Bild. An der Rundschau-Theke bei Sandro Brotz: Jürg Iseli, Präsident der Berner Finanzkommission.

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  • Schneider-Ammann unter Druck

    Aus Rundschau vom 5.2.2014

    Das Saubermann-Image von Bundesrat Schneider-Ammann hat an Glanz verloren. Die Ammann-Gruppe optimierte während Jahren Steuern über das Offshore-Paradies Jersey. Damit war sie nicht allein. Das Bundesgericht hat in einem ähnlichen Fall die Briefkasten-Konstruktion einer bekannten Schweizer Firma auf den Cayman-Inseln nicht akzeptiert - und das Unternehmen zum Steuern zahlen in der Schweiz verpflichtet.

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  • Millionen in Steuerparadiesen I

    Aus Rundschau vom 29.1.2014

    Bis 2009 lagen 263,5 Mio. Fr. des Firmenvermögens der Ammann-Gruppe steuerbegünstigt im Offshore-Paradies Jersey. Ein Jahr vor der Wahl des Ex-Konzernchefs Johann Scheider Ammann in den Bundesrat floss das Geld in die Schweiz zurück. Die Steuerbehörden haben eine interne Untersuchung eingeleitet. Das ergeben Recherchen der Rundschau.

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