Rätsel um Gletscherleichen «Ich spüre einen inneren Frieden»

Die 79-jährige Marceline Udry ist sich sicher: Sie ist die Tochter der mumifizierten Gletscher-Leichen.

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«Das sind meine Eltern»

2:39 min, aus Schweiz aktuell vom 18.7.2017

  • Eine 79-Jährige sagt, dass sie die Tochter der mumifizierten Gletscher-Leichen sei, die auf dem Transfleuron-Gletscher gefunden wurden. Sie habe ihr Leben lang nach den Eltern gesucht, sagt die Frau.
  • Nach ihren Worten hatten sich ihre Eltern am 15. August 1942 von Chandolin (VS) aus zu Fuss auf den Weg auf eine Alp gemacht und waren dabei spurlos verschwunden.
  • Auf dem Tsanfleuron-Gletscher im Gebiet des Glacier 3000 waren vergangene Woche oberhalb von Les Diablerets (VD) zwei mumifizierte Leichen entdeckt worden. Die DNA-Analysen laufen noch.

Die 79-Jährige Marceline Udry will in den Gletscher-Leichen ihre Eltern wiederentdeckt haben. Nach einem Aufstieg vor rund 75 Jahren sind ihre Eltern nie zurückgekehrt. Nun hat die mutmassliche Tochter endlich Gewissheit. «Ich konnte nie richtig abschliessen, war immer wieder auf dem Gletscher, nun habe ich einen richtigen inneren Frieden.»

«  «Ich spüre einen inneren Frieden» »

Marceline Udry-Dumoulin
Mutmassliche Tochter

Zusammen mit ihren sechs Geschwistern habe sie ein Leben lang nach dem zum Zeitpunkt des Verschwindens 40-jährigen Schuhmacher und der 37-jährigen Lehrerin gesucht. Ihren Aussagen nach machten ihre Eltern 1942 alleine einen Ausflug in die Alpen, von dem sie nie mehr zurückkamen. «Sie wollten das Vieh füttern und am selben Abend zurück sein», sagte die Tochter.

Sobald die Eltern formal identifiziert seien, soll die Beerdigung schon nächste Woche stattfinden. «Meine Eltern sind schon im Himmel, es ist mir aber wichtig, sie richtig katholisch zu verabschieden», sagt die 79-Jährige.

Offiziell ist noch nicht bestätigt, ob es sich bei den gefundenen Leichen tatsächlich um die Eltern der Frau handelt. Die Polizei hat die menschlichen Überreste aus dem Grenzgebiet zwischen den Kantonen Waadt, Bern und Wallis ins Tal geflogen. Sie werden nun im Institut für Rechtsmedizin in Lausanne untersucht.

Wie die Kantonspolizei Wallis schreibt, wird die formelle Identifikation der aufgefunden Personen mehrere Tage in Anspruch nehmen, da DNA-Analysen vorgenommen werden müssen.

Eine beliebte Fussverbindung

Die Vermissten wurden bereits vergangene Woche auf mehr als 2600 Metern Höhe im Tsanfleuron-Gletscher oberhalb von Les Diablerets zufällig von einem Angestellten einer Skistation gefunden. Der Fundort liegt auf einer Strecke, der vor allem nach dem Ersten Weltkrieg als Verbindung zwischen dem Wallis und Bern benutzt wurde.