Zum Inhalt springen

Schweiz Ikea verteidigt Selbstbau-Hütten für Flüchtlinge

Die Ikea-Stiftung kontert die Kritik an den «Shelters» für Asylbewerber. Die Hütten seien sicherer als andere Notunterkünfte. Tests hätten gezeigt, dass sie das in Europa nötige Sicherheitsniveau für provisorische Unterkünfte gar überschreiten würden.

Aneinanderreihung von Ikea-Shelters in einer Messehalle
Legende: Müssen wieder abgebaut werden: Ikea-«Shelters» in der Messehalle 9 in Zürich. Keystone

Den Brandtest der Gebäudeversicherung des Kantons Zürich hatten die Selbstbau-Häuschen für Flüchtlinge nicht bestanden. Nun verteidigt die Ikea-Stiftung ihr Projekt «Better Shelter»: Sprecherin Märta Terne erklärte, das Brandverhalten sei nach europäischen Normen geprüft worden.

Legende: Video Ikea-Häuschen fallen durch Brandschutz-Test abspielen. Laufzeit 3:04 Minuten.
Aus Schweiz aktuell vom 18.12.2015.

Die Prüfung hätte ergeben, dass die Hütten gar sicherer seien als andere Notunterkünfte: «Die an den Wänden und an den Dachplatten durchgeführten Tests haben gezeigt, dass das Material das erforderliche Sicherheitsniveau für provisorische Unterkünfte überschreitet.» Den Test der Zürcher Gebäudeversicherung wollte Terne nicht kommentieren, weil noch keine Übersetzung des Berichts vorliege, der Angaben zu verwendeten Methode mache.

Die Leiterin des UNHCR-Büros für die Schweiz und Liechtenstein, Anja Klug, sagte, man warte jetzt die schriftlichen Testresultate aus der Schweiz ab, um sie mit jenen aus Schweden vergleichen zu können. «Die Sicherheit der Menschen geht vor.»

Zürich baut Hütten wieder ab, Aargau verzichtet ebenfalls

Die Stadt Zürich wollte in der Messehalle 9 in Zürich-Oerlikon solche Selbstbau-Häuschen aufbauen. Der Kanton Aargau beabsichtigte, in Frick 300 Asylsuchende in diesen Hütten unterbringen. Als am Freitag jedoch das ernüchternde Resultat des Brandtests der Gebäudeversicherung des Kantons Zürich bekannt wurde, kamen Zweifel an der Einsatzfähigkeit der Hütten auf. «Nach momentanem Erkenntnisstand wäre die Sicherheit der Bewohnerinnen und Bewohner nicht gewährleistet», teilte die Stadt Zürich mit.

Die Zürcher Asylorganisation (AOZ) prüft nun alternative Wohneinheiten, um möglichst rasch Unterkünfte für 250 Flüchtlinge in der Messehalle einrichten zu können. Die bereits aufgebauten Unterkünfte werden wieder abgebaut. Auch der Kanton Aargau verzichtet auf den Indoor-Einsatz der «Shelters».

Die sogenannten «Shelters» sind Selbstbau-Hütten, die von der Ikea-Stiftung in Zusammenarbeit mit dem UNO-Hochkommissariat für Flüchtlinge UNHCR entwickelt wurden. Sie werden weltweit eingesetzt, zurzeit etwa in Griechenland zur Bewältigung der Flüchtlingsströme.

17 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Kerzenmacher Boris (zombie1969)
    Warum machen die Nationalräte der Grünen/SP nicht eine Sammelaktion für neue Häuschen? Es könnte zum Beispiel für jeden Zeitungsartikel über die SVP/Lega 10 Sfr. in eine Pro-Asylbewerberkasse eingeworfen werden. Mit diesem Geld kann man dann den Bau von Flüchtlingsunterkünften in der Nähe von den Häuser der Grünen/SP unterstützen. So könnte auch dem Vorurteil "Flüchtlinge ja, aber nicht vor meiner Haustüre" klar entgegnet weden. Wäre das nicht ein guter Beitrag zur Willkommenskultur?
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Nicolas Dudle (Nicolas Dudle)
    An anderen Orten werden Gesetze gebogen, ja sogar umgangen, wenn es einigen Wenigen in den Kram passt. Und hier soll der Feuerschutz als Totengräber für eine halbwegs bezahlbare Notlösung hinhalten? Kafkaesk.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Gisela Niedermann (Gisela Niedermann)
    Vielleicht klären die Behörden ganz zuerst, ob es auf einem Messegelände überhaupt ein Wohnrecht gibt. Das Quartier rund um die Messehallen ist kein Wohnquartier.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von W. Pip (W. Pip)
      Guter Punkt. Argumentieren wir alle doch mal mit einem Notschlafplatz für unsere eigene Familie, wenn wir ein ohne Bewilligung Gartenhäuschen bauen wollen........
      Ablehnen den Kommentar ablehnen