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Illegaler Kunsthandel Justiz geht gegen millionenschwere Kunsthändler vor

Die Schweiz geht härter gegen Kunsthändler vor, die Antiquitäten aus dem Nahen Osten verkaufen wollen.

Legende: Video Dreckiges Geschäft mit alten Schätzen abspielen. Laufzeit 5:43 Minuten.
Aus 10vor10 vom 12.10.2017.

Antiquitäten und Kunstschätze dürfen nicht aus Herkunftsländern in die Schweiz importiert werden. So schreibt es das Kulturgütergesetz des Bundes seit 2005 vor.

Dennoch floriert der millionenschwere Handel – besonders in der internationalen Stadt Genf. Verkauft werden zahlreiche Reliquien und jahrtausendealter Schmuck, auch aus dem kriegsversehrten Syrien.

Genf arbeitet mit dem Zoll und der Bundespolizei zusammen gegen den illegalen Kunsthandel.
Autor: Claudio MascottoGenfer Staatsanwalt

Staatsanwalt: «Beschlagnahmungen als Zeichen für Zukunft»

Nun reagierte der Kanton Genf: Er hat extra zwei Staatsanwälte damit beauftragt, gegen den florierenden Handel mit illegal importierten Kunstschätzen zu kämpfen. Staatsanwalt Claudio Mascotto bestätigt die verstärkten Anstrengungen der Justiz: «Genf ist nicht allein und arbeitet mit dem Zoll und der Bundespolizei Fedpol zusammen gegen den illegalen Kunsthandel.» So habe der Bund extra eine Lagerhalle in Bern für beschlagnahmte Antiquitäten.

Legende: Video Dreckiges Geschäft mit alten Schätzen abspielen. Laufzeit 4:36 Minuten.
Aus 10vor10 vom 12.10.2017.

Die Schweiz führt die jahrtausendealten Kunstschätze zurück in ihre Herkunftsländer – sobald sich die politische Lage im Nahen Osten normalisiert hat und sichergestellt ist, dass die Antiquitäten etwa in Museen und nicht bei Schmugglern landen.

Genfs Staatsanwalt Mascotto im Interview: «Unsere Beschlagnahmungen zeigen, dass wir das bestehende Kulturgütergesetz anwenden. Ich hoffe, dies ist ein gutes Zeichen für die Zukunft.»

Tonnenschwerer Sarkophag beschlagnahmt

Ali Aboutaam betreibt in Genf an bester Lage die florierende Kunstgalerie «Phoenix Ancient Art», die im Besitz von Antiquitäten aus dem Nahen Osten für mehrere hundert Millionen Franken ist. Der gebürtige Libanese lieferte sich mit der Genfer Justiz einen jahrelangen Rechtsstreit – bis vor Bundesgericht.

Vor einem Monat schliesslich musste Kunsthändler Aboutaam einen tonnenschweren Sarkophag aus seinem geheimen Depot zurück ans Herkunftsland Türkei geben: Genfs Staatsanwaltschaft beschlagnahmte den Sarkophag im Wert von drei Millionen Franken als illegal in die Schweiz importiert.

Wir schützen diese Antiquitäten vor dem Zerfall, wir lieben diese Objekte.
Autor: Ali AboutaamKunsthändler in Genf

«Ideologische Kampagne der Staatsanwaltschaft»

Im Exklusivinterview sagt Ali Aboutaam: «Ich halte mich an die geltenden Schweizer Gesetze. Wir schützen diese Antiquitäten vor dem Zerfall, wir lieben diese Objekte.»

Aboutaam sieht sich zu Unrecht beschuldigt. Unlängst hat die Staatsanwaltschaft Genf rund 40 seiner Antiquitäten für den Verkauf blockiert – der Verdacht: es handle sich um illegal importierte Kulturgüter.

Der angeschuldigte Kunsthändler sagt dazu: «Die Staatsanwaltschaft führt eine ideologische Kampagne gegen mich. Ich habe diese Antiquitäten legal erworben.»

5 Kommentare

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  • Kommentar von A. Keller (eyko)
    Man kann nur hoffen, dass die Staatsanwalt Genf alle Kunsthändler unter die Lupe nimmt. In Genf wird noch vieles Diebesgut unter dem Namen Antiquitäten gehortet. Auch das Zollfreilager müsste gründlich überprüft werden.
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  • Kommentar von Pascal Jean-Claude Bertallo (audet)
    Wunderschönes Kleid an Andrea Vetsch! Schaut aus wie die Sonne - dabei geht es ja um News ;-) Kompliment.
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  • Kommentar von Ilse König (königin)
    Würde mich nicht wundern, sind das Kunstschätze, die im Syrien Krieg oder sonstigen Konflikten vom IS gestohlen und weiter verkauft worden sind. Zum Glück gibt es im Rechtsstaat Schweiz unbestechliche Organe. Abklärung tut Not!
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    1. Antwort von Charles Dupond (Egalite)
      Der IS ist an vielem, aber nicht an allem Schuld. Er zerstoert mehr. Das Pluendern besorgen vor allem geimeine Bandenkriminelle. Frueher an Schaetzen der Roemer in Italien, heute an Antiquitaeten der Syrer. Und die reichen Hehler spielen sich nun gar als Retter der Schaetze auf, obwohl sie sich mit Haenden, Fuessen und hoechstkaraetigen Anwelten dagegen wehren, dass diese an ihre Ursprungsstaaten zurueckgegeben werden, statt Reichlingen als Steuerschlupfloecher weiterverkauft werden koennten....
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    2. Antwort von E. Waeden (E. W.)
      Nur deshalb wurden sie ja zerstört! Hat wenigstens eine Doku darüber so belegt. Die Begründung, damit heidnische Skulpturen, Denkmäler usw. vernichten zu wollen, war nur vorgeschoben. Damit finanziert sich u. a. eben auch der IS. Und die Spuren dieser Kunstschätze ist eben sehr schwierig zu verfolgen, denn an diesem Geschäft wollen eben zuviele gutes Geld verdienen. Der IS, Kunsthändler, Kunstsammler usw. usw.
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