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Schweiz Im Minimum zwei alkoholfreie Tage pro Woche

Der Bund hat seine neue Alkoholpräventionskampagne lanciert. Sie zeichnet den Zusammenhang von Alkoholkonsum und verschiedenartigen Todesfällen nach und empfiehlt insbesondere im Alter einen massvollen Genuss. Insgesamt ermuntert sie die Schweizer Konsumenten, sich selbst zu beobachten.

Eine Frau trinkt Wein.
Legende: Dass übermässiger Alkohohlkonsum Krebs hervorrufen kann, ist nicht allen bekannt. Keystone

Der Bund hat seine neue Alkoholpräventionskampagne lanciert. Im Zentrum steht weniger der Warnfinger als viel mehr die Frage «Wie viel ist zu viel?».
«Die meisten Menschen möchten wissen, was sie tun können, um gesund zu bleiben», heisst es vom Bundesamt für Gesundheit (BAG). Die Kampagne reagiere auf dieses Bedürfnis. «Sie will jede Person dazu anregen, ihren Alkoholkonsum zu hinterfragen.»

Jeder Fünfte schaut zu tief ins Glas

Gemäss BAG konsumierte im Jahr 2013 in der Schweiz jeder Fünfte über 15 Jahren risikoreich Alkohol. In absoluten Zahlen waren dies mehr als 1,5 Millionen Menschen. Sie tranken entweder zu viel und/oder zu oft. Für Männer gelten vier Gläser Wein oder Bier täglich als risikoreich, bei Frauen zwei und mehr Gläser pro Tag.

Legende: Video Jeder Fünfte schaut zu tief ins Glas abspielen. Laufzeit 1:28 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 23.04.2015.

In den BAG-Unterlagen zur neuen Kampagne wird neben der Unfallgefahr auch an das Potenzial für gewaltbedingte Verletzungen erinnert, da Trunkenheit zu risikofreudigem Verhalten führen kann – manchmal mit Todesfolge. Bei den 15- bis 47-jährigen Männern geht man gemäss Schätzungen davon aus, dass jeder zehnte Todesfall auf Alkohol zurückzuführen ist.

Krebserregende Wirkung

Bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen seien alkoholbedingte Todesfälle vor allem auf Verletzungen zurückzuführen, im mittleren Erwachsenenalter auf Krankheiten des Verdauungstraktes und bei älteren Menschen auf Krebs. Bei Frauen gehen schätzungsweise rund vier Prozent der Fälle von Brustkrebs auf Alkohol zurück.

Das BAG rückt diese Zahlen in den Vordergrund, weil gemäss einer Umfrage aus dem vergangenen Jahr die krebserregende Wirkung von Alkohol nur wenig bekannt ist. Es schert aber nicht alle Menschen über einen Kamm, sondern erinnert daran, dass sich die Risiken je nach Person, Trinkumständen, Alter und Gesundheitszustand unterscheidet.

Im Alter Alkoholkonsum einschränken

Es empfiehlt daher gesunden Männern, sich mit maximal drei Gläsern pro Tag zufrieden zu geben. Frauen sollten sich auf ein bis zwei Gläser beschränken. Pro Woche sollten mindestens zwei alkoholfreie Tage eingehalten werden. Kinder unter 16 Jahren sollten keinen Alkohol trinken, junge Erwachsene selten und wenig.

Ältere Menschen sollten mit zunehmendem Alter den Alkoholkonsum dem Gesundheitszustand anzupassen und vorsichtiger sein. «Da mit dem Älterwerden der Wasseranteil des Körpers abnimmt, wird der Alkohol in weniger Flüssigkeit verteilt, der Blutalkoholgehalt steigt, weshalb ältere Menschen sensibler auf Alkohol reagieren.»

Der Vergleich mit den Nachbarländern zeigt, dass in der Schweiz deutlich mehr Alkohol konsumiert wird als in Italien und etwas mehr als in Österreich. In Frankreich und Deutschland wird hingegen etwas mehr getrunken als in der Schweiz.

BAG-Direktor Pascal Strupler zur neuen Kampagne:

«Jeder muss für sich selber überlegen: Was ist für mich die kritische Menge Alkohol? Für diese zentrale Frage möchten wir sensibilisieren. Denn jeder reagiert anders auf Alkohol – je nach Alter, Geschlecht oder Gewicht. Auch ich selber habe mich gefragt, wie es bei mir steht und konnte feststellen, dass ich unter der maximal empfohlenen Limite bin. Es ist notwendig, die Kampagnen zur Alkoholprävention mit den Verhaltenshilfen stetig fortzuführen und zu wiederholen. Jedes Jahr kommen neue Generationen Jugendliche dazu, neue Verlockungen verleiten zum Alkoholkonsum. Die aktuelle Kampagne kostet 650'000 Franken pro Jahr. Ein vernünftiger Aufwand, wenn man ihm die Kosten infolge des Alkoholkonsums von geschätzten vier Milliarden Franken pro Jahr gegenüberstellt.»

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16 Kommentare

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  • Kommentar von M. Roe, Gwatt
    Ich finde 2 Tage zu wenig. Mit dieser Regel kann man trotzdem Alkoholiker werden. Eventuell zukünftige Alkoholiker müssen wissen, auch wenn die Mitmenschen nichts sagen, man sieht, hört + spürt sehr schnell, wenn jemand A-süchtig ist. Weiter müssen alle diese Menschen wissen, dass es eine Hölle ist, mit einem Alkoholiker zusammen zu leben. In Familien sollte der Alkoholiker zwangsentfernt werden um Kinder zu schützen. Ich empfinde es sehr schlimm, wenn Alkoholiker so tun, als ob nichts sei.
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  • Kommentar von Bernhard Lüthi, Affeltrangen
    Wer saufen will, soll auch für mögliche Folgebehandlungskosten selbst aufkommen. All dieses Stammtischgelaber, "no eis Gläsli macht doch nüt", das finde ich zum kotzen und total primitiv. Ja, eigentlich brauchen wir gar keine solche Kampagnen, denn der Mensch ist in diesem Thema von Natur aus blöd und verblödet zunehmends durch sein Saufen.
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  • Kommentar von V. Humbert, Carouge
    Der "Gesundheits"Wahn geht weiter. Damit einher auch die Bevormundung. Wie alt müssen wir denn auf BAG Geheiß werden? 120? Und wer bezahlt das dann? "Wir" können uns die Pflegekosten alter Menschen jetzt schon nicht mehr leisten. Beim BAG scheinen viel zu viele Beamte zu "arbeiten". Oder aber diese idiotischen Kampagnen sollen von den ECHTEN Problemen im Gesundheitswesen ablenken. Dieses "Amt" nervt.
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    1. Antwort von M. Roe, Gwatt
      Alkoholiker kosten schon jetzt viel zu viel. Sie gefährden das ganze System mit ihrem durch den Alkohol (auch Drogen) verzerrten Blick auf Wahrheit und Wirklichkeit, denn sie arbeiten oft auch noch in Führungspositionen oder Politik und haben trotz allem noch Einfluss. Es ist aber auch ganz offensichtlich, dass je schlimmer Alkohol abhängig, desto ausgefallener + unsachlich wird geflucht + gewettert gegen Kampagnen. Die Alkis sollen vor allem ihren Bekannten +Verwandten zuliebe damit aufhören.
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