Immer mehr Bagatell-Fälle auf Notfallstationen

In den Notfallstationen der Schweizer Spitäler lassen sich immer mehr Menschen mit Bagatell-Problemen behandeln. Das steigert natürlich auch die Kosten. Die Politik versucht, das Problem in den Griff zu kriegen.

Schild Notfall

Bildlegende: Mehr Patienten im Notfall – mehr Kosten. Keystone

Die Notfälle haben von 2007 bis 2011 mit 26 Prozent um gut einen Viertel zugenommen. Das zeigt das Schweizerische Gesundheitsobservatorium. Auf den ersten Blick scheint dies recht viel zu sein. Beim genaueren Hinsehen fällt aber auf, dass es sich nicht bei allen Fällen um echte Notfälle handelt. Warum? Carlo Conti, Präsident der Gesundheitsdirektorenkonferenz der Kantone antwortet: «Es gibt offenbar Patienten, die versuchen, sich über die Notfallstation schnell noch einen Termin zu verschaffen.» Das sei vielleicht einfacher und schneller, als sich ordentlich anzumelden.


Bagatellfälle im Notfall

3:51 min, aus SRF 4 News aktuell vom 06.11.2013

Ein Problem – denn die ganze Spitalstruktur wird in Anspruch genommen und das kostet. Notfallstationen sollten eigentlich für echte Notfälle reserviert sein, und sollten nicht belastet werden durch Bagatell-Fälle. «Für das ist die teure Einrichtung einer Notfallstation eigentlich nicht vorgesehen», sagt Conti.

Es ist eine Entwicklung, die schon länger anhält. Die Politik versucht, Gegensteuer zu geben. Im Wesentlichen mit zwei Elementen:

  • Zum einen hat man an verschiedenen Spitälern zusammen mit den Ärzteorganisationen sogenannte Permanences errichtet. Das sind vorgelagerte Stationen. Das Ärzteteam entscheidet, ob ein Fall tatsächlich auch ein Notfall ist. Wenn dem so ist, wird diese Person in die Notfallstation eingewiesen. Wenn es kein Notfall ist, wird die Person vom diensthabenden Arzt behandelt.
  • Zum anderen sollen Hausarztmedizin und integrierte Versorgungsnetze gefördert und bekannt gemacht werden – insbesondere bei Migranten. Das sei vor allem ein Problem in den städtischen Zentren.

Diese beiden Massnahmen reichen allerdings nicht aus, wie die aktuellen Zahlen belegen. «Es gibt noch Handlungsbedarf», bestätigt der Präsident der Gesundheitsdirektorenkonferenz. Man arbeite auf verschiedenen Ebenen, um die medizinischen Angebote ausserhalb der Notfallstationen bekannt zu machen.