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Schweiz Immer mehr Bagatell-Fälle auf Notfallstationen

In den Notfallstationen der Schweizer Spitäler lassen sich immer mehr Menschen mit Bagatell-Problemen behandeln. Das steigert natürlich auch die Kosten. Die Politik versucht, das Problem in den Griff zu kriegen.

Schild Notfall
Legende: Mehr Patienten im Notfall – mehr Kosten. Keystone

Die Notfälle haben von 2007 bis 2011 mit 26 Prozent um gut einen Viertel zugenommen. Das zeigt das Schweizerische Gesundheitsobservatorium. Auf den ersten Blick scheint dies recht viel zu sein. Beim genaueren Hinsehen fällt aber auf, dass es sich nicht bei allen Fällen um echte Notfälle handelt. Warum? Carlo Conti, Präsident der Gesundheitsdirektorenkonferenz der Kantone antwortet: «Es gibt offenbar Patienten, die versuchen, sich über die Notfallstation schnell noch einen Termin zu verschaffen.» Das sei vielleicht einfacher und schneller, als sich ordentlich anzumelden.

Ein Problem – denn die ganze Spitalstruktur wird in Anspruch genommen und das kostet. Notfallstationen sollten eigentlich für echte Notfälle reserviert sein, und sollten nicht belastet werden durch Bagatell-Fälle. «Für das ist die teure Einrichtung einer Notfallstation eigentlich nicht vorgesehen», sagt Conti.

Es ist eine Entwicklung, die schon länger anhält. Die Politik versucht, Gegensteuer zu geben. Im Wesentlichen mit zwei Elementen:

  • Zum einen hat man an verschiedenen Spitälern zusammen mit den Ärzteorganisationen sogenannte Permanences errichtet. Das sind vorgelagerte Stationen. Das Ärzteteam entscheidet, ob ein Fall tatsächlich auch ein Notfall ist. Wenn dem so ist, wird diese Person in die Notfallstation eingewiesen. Wenn es kein Notfall ist, wird die Person vom diensthabenden Arzt behandelt.
  • Zum anderen sollen Hausarztmedizin und integrierte Versorgungsnetze gefördert und bekannt gemacht werden – insbesondere bei Migranten. Das sei vor allem ein Problem in den städtischen Zentren.

Diese beiden Massnahmen reichen allerdings nicht aus, wie die aktuellen Zahlen belegen. «Es gibt noch Handlungsbedarf», bestätigt der Präsident der Gesundheitsdirektorenkonferenz. Man arbeite auf verschiedenen Ebenen, um die medizinischen Angebote ausserhalb der Notfallstationen bekannt zu machen.

11 Kommentare

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  • Kommentar von C. Suter, Greifensee
    Regionale Arztzentren bilden, mit einem 24-Stunden- und 7-Tage-Service, einer Apotheke und Ärzten, die in schlimmen Fällen auch nach Hause kommen! Denn was bringt es, wenn eine mehrköpfige Familie, von denen die meisten an Grippe erkrankt sind, in einem Wartezimmer eines Arztes ihre Bakterien verteilen? Trotzdem kann man in einem solchen Zentrum seinen eigenen Hausarzt haben. Aber wenn der einmal nicht da ist und seine verdiente Freizeit geniesst, sind andere Ärzte für den Notfall da.
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  • Kommentar von M. Keller, Thurgau
    Man sollte eventuell noch erwähnen, das ein "Bagatell-Fall" in der Medizin etwas ist, was keine langfristige od. stationäre Behandlung erfordert... Bsp. Schnittwunde zu nähen, verstauchte/gebrochene Finger usw... Also etwas anderes als die umgangssprachliche Bagetelle (bsp. wenn sich jemand beim Kopfkratzen "en Spissä" eingezogen hat)...
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  • Kommentar von M. Keller, Thurgau
    Im TG _MUSS_ man für einen Notfall ausserhalb "Bürozeiten" der Hausärzte (wo früher HA' in die Praxis kamen) in die Notaufnahme des Kantonsspital Frauenfeld gehen, wo dann ein Hausarzt NEBEN der normalen Notaufnahme Dienst tut. Die Behandlungen im Spital werden trotzdem als Leistungen der Notaufnahme verrechnet. Dieses System wurde von anderen Kantonen kopiert... Mich verwundert nicht, das man nun den Gang zur Notaufnahme bemängelt. Es ist ein weiterer Fehler im System...
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