Immer mehr Flüchtlingskinder – Schulen ringen um Lösungen

Die Zahl der Flüchtlingskinder, die in der Schweiz zur Schule gehen, steigt stetig an. Die meisten von ihnen sprechen kaum Deutsch – nicht nur für die Kinder selbst eine schwierige Situation, sondern auch für die Schulen. Es bräuchte mehr Geld. Doch gerade jetzt müssen viele Schulen sparen.

Anzahl Asylgesuche von begleiteten Kindern und Jugendlichen 2015 Staatssekretariat für Migration

Die Zahl der Kinder, die zusammen mit ihren Eltern in der Schweiz einen Asylantrag stellen, ist stetig gestiegen. Letztes Jahr waren es bis Ende November insgesamt 7296 Kinder. Wie viele dieser Kinder – die jetzt noch in Bundeszentren oder Durchgangsheimen wohnen – auf die Gemeinden verteilt werden, ist derzeit noch offen.

Werden die Kinder den Gemeinden zugeteilt, kommen sie in reguläre Schulklassen. Die meisten von ihnen sprechen jedoch kaum Deutsch. Eine Herausforderung – sowohl für die Flüchtlingskinder, als auch für die Schulen.

«  Wir merken, dass im Unterricht ein Flüchtlingskind oftmals überfordert ist. In einer Aufnahmeklasse (...) müsste ein Flüchtlingskind nicht ständig Momente der Überforderung erleben. »

Nicolas Dudler
Schulleiter in Wädenswil

Einzelne Gemeinden planen deshalb, Klassen nur für Flüchtlinge zu eröffnen. Auch in Wädenswil (ZH) findet diese Lösung Anklang. Nicolas Dudler, Schulleiter der Schule Untermosen, erklärt: «Wir merken, dass im Unterricht ein Flüchtlingskind oftmals überfordert ist. In einer Aufnahmeklasse könnte ein Flüchtlingskind in seinem Tempo auf seinem Niveau akkurat geschult werden und müsste nicht ständig Momente der Überforderung erleben.»

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Spezialklassen für Flüchtlingskinder

2:00 min, aus Tagesschau vom 24.1.2016

Für eine solche Spezialklasse braucht es allerdings eine Mindestzahl von 8 Kindern. Zahlreiche Schulen integrieren Flüchtlingskinder deshalb weiterhin in den normalen Klassen.

Der Lehrerverband (LCH) fordert nun zusätzliche Unterstützung, damit der Unterricht nicht leidet.

Jürg Brühlmann, Mitglied der Geschäftsleitung, erläutert die wichtigsten Forderungen: «Es braucht kleine Klassen, das heisst nicht mehr als 20 Kinder. Es braucht Unterstützung für die Lehrpersonen. Und es braucht Deutsch für Zweitsprachige, mehr als an anderen Schulen.»

Sparvorgabe: Weniger Deutsch für Fremdsprachige

Christian Amsler, Präsident der Deutschschweizer Erziehungsdirektoren (D-EDK), zeigt Verständnis für die schwierige Sitaution der Lehrkräfte. Ihm sei klar, dass sie unterstützt werden müssten. Aber: «Wir leben nun ein einer Zeit, in der man nach immer noch mehr Ressourcen schreit und noch mehr in die Schulen hineinpacken will. Da haben wir Grenzen und Hürden.»

In vielen Kantonen laufen nämlich Sparprogramme, auch im Bildungswesen. In Wädenswil müssten beispielweise Deutschstunden für fremdsprachige Kinder eingespart werden – ein Sparauftrag, den die Schule aufgrund der Flüchtlingszahlen nicht einhalten kann.