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Schweiz Immer mehr gut Ausgebildete ohne Job

Ein Diplom von der Uni oder der Fachhochschule ist keine Garantie gegen Arbeitslosigkeit. Im Gegenteil: In der Ostschweiz, in Aargau, in Zug und in Zürich steigt die Anzahl Arbeitsloser bei den gut Ausgebildeten überdurchschnittlich stark an. Das zeigt eine Studie.

Eine Frau steh an einem roten Schalter in einem RAV. Im Vordergrund ein Zeitungsgestell mit Stellenanzeigern.
Legende: Ein Unidiplom reicht nicht immer, um einen Job zu finden. Keystone

Ingenieure, Informatikerinnen und Techniker sind gefragte Leute. Aber auch sie finden nicht alle eine Stelle. Zu diesem Schluss kommt ein Bericht, den die Arbeitsämter der Ostschweizer Kantone sowie Aargau, Zug und Zürich in Auftrag gegeben haben.

Das überraschende Ergebnis: Über 17 Prozent der Arbeitslosen haben eine Hochschule oder eine Fachhochschule abgeschlossen. Das ist jede sechste Person.

Topausbildung alleine genügt nicht mehr

In einzelnen Kantonen ist der Anteil an hochqualifizierten Arbeitslosen sogar noch höher: «In den Kantonen Zug und Zürich ist ein Viertel der Stellensuchenden tertiär ausgebildet», sagt Studienautorin Julia Casutt. Dabei heisst es stets, eine gute Ausbildung sei das beste Rezept gegen Arbeitslosigkeit. Stimmt das nicht mehr? «Doch», sagt Edgar Spieler, Leiter des Bereiches Arbeitsmarkt beim Amt für Wirtschaft und Arbeit des Kantons Zürich.

Aber eine Topausbildung alleine genüge heute nicht mehr: «Die aktive Gestaltung der eigenen Laufbahn, das lebenslange Lernen ist genauso wichtig, um permanent am Ball zu sein und arbeitsmarktfähig zu bleiben.»

Diesen Punkt betont auch der Basler Regierungsrat Christoph Eymann. Der Staat müsse noch mehr Um- und Weiterbildungsmöglichkeiten anbieten: «Damit man auch im Erwachsenenleben als Berufsfrau oder -mann noch eine Zusatzausbildung anhängen kann, die einem dann bessere Chancen gibt auf dem Arbeitsmarkt.»

Konkurrenz erst in zweiter Linie aus dem Ausland

Denn die Konkurrenz auch unter den Hochqualifizierten werde ständig härter. Zum einen, weil das Bildungsniveau generell steige, zum andern, weil mit der Personenfreizügigkeit auch der Rekrutierungspool massiv grösser geworden ist.

Arbeitskräfte seien heute in Konkurrenz mit ganz Europa, sagt Spieler – mindestens theoretisch: «Unsere Analysen zeigen aber ganz klar, dass Unternehmen zuerst vor Ort versuchen, entsprechende Arbeitskräfte zu rekrutieren. Erst wenn sie vor Ort keine passgenauen Profile finden, suchen sie im Ausland, primär im EU/Efta-Raum.»

«Passgenau» ist das Stichwort: Die Studienverfasser wünschen sich von den Arbeitgebern mehr Flexibilität bei der Stellenbesetzung. Sie sollten wieder vermehrt Leute einstellen, die nicht zu 100 Prozent dem gesuchten Stellenprofil entsprechen.

Wer weniger teamfähig ist, hat es schwerer

Andererseits müssten auch die Arbeitnehmer noch mobiler und flexibler werden, fordert Bundesrat Johann Schneider-Ammann. Und teamfähig müssten sie auch sein: «Die Ausbildung alleine bestimmt noch nicht, wie sich jemand im Arbeitsmarkt bewegen kann. Gut ausgebildet, aber man eckt an – das könnte ein Hindernis sein.»

Mangelnde Sozialkompetenz sei allerdings bloss in Einzelfällen der Grund für Arbeitslosigkeit, heisst es bei den Studienverfassern. Und eine gute Ausbildung sei immer mehr eine zwar notwenige, aber nicht hinreichende Voraussetzung für eine Stelle: Schon jetzt schliessen 95 von 100 jungen Schweizerinnen und Schweizern eine Ausbildung ab, die über die obligatorische Schulzeit hinausgeht.

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28 Kommentare

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  • Kommentar von Paul Gerber, Bern
    Alle wollen an die Uni, keiner will mehr etwas produzieren, sich die Hände schmutzig machen… Die Ausländer mit Uni-Abschluss sind billiger! Jetzt lernen die Akademiker das, was unsere Arbeiter nach dem 2. Weltkrieg mit den Italienern durchgemacht haben: Sie werden von den Ausländern verdrängt, weil letztere für weniger Lohn zu haben waren. Das habe ich selber in der Firma von Roll miterlebt. Die akademische Elite hatte damals nur ein müdes Lächeln für die Büezer übrig: Nicht unser Problem...
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  • Kommentar von D. Schelbert, Kt ZG
    Nun kommt eine Negativ-Seite zu Tage, für die in der Vergangenheit steuerlich attraktiven Kantone, welche Unmengen von Firmen angelockt haben mit ihrer Strategie. In denen aus steuerlichen Gründen Unmengen von "hoch qualifizierten Fachkräften" Wohnsitz nahmen. Sobald die Wirtschaft hustet und Schluckauf bekommt, werden teure "Fachkräfte" auf die Strasse gestellt und der Mittelständler mit Lohnausweis darf im Wohnsitzkanton für den Schaden aufkommen.
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  • Kommentar von Beppie Hermann, Bern
    M.Roe,1.4./9:10, möchte Sie darauf aufmerksam machen, dass 1. unter Handwerkern und jedem anderem Beruf ebenso viele Nieten zu finden sind wie unter Akademikern. 2. Seien Sie sich klar, fast alles, was Sie im Leben gebrauchen, von Physikern, Ingenieuren, Mathematikern, Chemikern usf entwickelt wurde. Die Lasur auf Ihren Möbeln, fast sämtliche Alltagsgegenstände, Maschinen und Geräte für Handwerker, Bürogummis und Haushalte usw usf. Und bestimmt nutzen auch Sie medizinische Hilfe, oder?
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    1. Antwort von Hans Knecht, Torny
      B.Hermann,es braucht m.E. beide auf gleicher Augenhöhen "Hand in Hand".Nur was ich da bei einzelnen internationalen Akademikern erlebte mit Stundenlangen,ja Tagelangen Diskussionen,ein Engländer bezeichnete es Kaffeekränzchen,oder rechthaberischem Getue und Machtspielen,Wahnsinn.Ein Handwerker auf einer Baustelle würde man da schon früh hochkant raus werfen.Weil es aber private Firmen sind die ein quasi-Monopol besitzen passiert nichts, das Geld kommt eh rein.Welche Werte vermitteln wir Kindern?
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