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Schweiz Immer mehr Operationen in Schweizer Spitälern

Die Anzahl Operationen in der Schweiz nimmt zu – in gewissen Bereichen schon fast explosionsartig: So gab es 2012 fast doppelt so viele OPs für Knieprothesen wie noch neun Jahre zuvor. Experten kritisieren diese Entwicklung.

Die Schweizer Ärzte greifen bei ihren Patienten gerne zum Skalpell. Oder aber die Patienten in der Schweiz lassen sich gerne operieren. Wer hier Verursacher ist, lässt sich so klar nicht beantworten. Sicher ist aber, dass die Anzahl Operationen in den letzten Jahren zugenommen hat – und zwar massiv. Das zeigt eine Studie des Online-Vergleichsdiensts Comparis.

Zugenommen haben demnach vor allem die Eingriffe, mit denen sich viel Geld verdienen lässt. So hat sich die Anzahl eingesetzter Knieprothesen zwischen 2003 und 2012 fast verdoppelt: Waren es 2003 noch rund 8700 Operationen, so waren es neun Jahre später bereits rund 17‘000.

Das liege aber nur bedingt an den Spezialisten und Chirurgen, meint Urs Stoffel, Mitglied des Zentralvorstand der Verbindung der Schweizer Ärztinnen und Ärzte (FMH). «Über 90 Prozent der Patienten werden vom Hausarzt oder Rheumatologen zugewiesen.» Der Spezialist habe es deshalb gar nicht primär in der Hand, über die Zahlen zu bestimmen.

Gesundheitsökonom Heinz Locher hält diese Argumentation für vorgeschoben. Denn «ein Grund ist sicherlich das wirtschaftliche Interesse der operierenden Ärzteschaft und der Spitäler». Dazu komme noch der Druck von Seiten der Patienten, die rasch wieder gesunden werden wollen.

Legende: Video Urs Stoffel (FMH) nimmt Spezialisten in Schutz abspielen. Laufzeit 00:42 Minuten.
Aus News-Clip vom 06.08.2014.

Mehr ältere Menschen

Gestiegen sind aber nicht nur die Knie-OPs. Auch die Anzahl Hüftoperationen zeigt steil nach oben. Die Zunahme beträgt rund 31 Prozent. Zählte man vor elf Jahren 16‘700 solche Eingriffe, waren es 2012 rund 21‘900. Auf tieferem Niveau zugenommen haben auch die Operationen für Wirbelkörperverblockungen im Rücken. Dort betrug die Zunahme im gleichen Zeitraum 80 Prozent, von 2429 auf 4380 Operationen.

Was genau hinter dem Anstieg dieser Operationen steht, ist nicht klar. Spitäler und Ärzte sehen darin eine Folge des wissenschaftlichen Fortschritts. Dem stimmt auch Urs Stoffel zu. «Eingriffe sind heute nicht mehr so risikoreich – sowohl auf technischer Ebene als auch auf Behandlungsebene.»

Ein anderer Grund könnte die alternde Bevölkerung sein: Je älter, desto grösser die Wahrscheinlichkeit, ein Gelenk dereinst ersetzen zu müssen.

Höhere Prämien wegen unnötiger Operationen

Nicht zuletzt dürfte die Anzahl Operationen auch steigen, weil viele Eingriffe unnötig sind. So kritisiert Krankenkassen-Experte Felix Schneuwly, dass mit den «menschlichen und finanziellen Ressourcen im Gesundheitswesen» offensichtlich nicht haushälterisch umgegangen werde.

Legende: Video Heinz Locher: «Nur ein Register schafft da Abhilfe» abspielen. Laufzeit 01:52 Minuten.
Aus News-Clip vom 06.08.2014.

«Das ist besonders brisant aufgrund der Tatsache, dass die Spitalkosten massgeblich verantwortlich sind für die steigenden Ausgaben im Gesundheitssystem.» Am Ende gingen die unnötigen Eingriffe zulasten der Prämienzahler, welche die Operationen indirekt bezahlten.

Für Heinz Locher könne dem Ganzen nur ein systematisches Register einen Riegel vorschieben. Denn dann «kann man mittel- und langfristig beurteilen, ob ein Eingriff sinnvoll gewesen wäre.» Doch diese Kultur der Datenerhebung sei in der Schweiz sehr, sehr unterentwickelt, so der Gesundheitsökonom.

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13 Kommentare

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  • Kommentar von D. Schelbert, Kt ZG
    Ich glaube ich bin im Zoo oder soo... Woher wohl sollen die zusätzlichen und nötigen Operationen anders herstammen als von der stark gewachsenen Einwohnerzahl. Glauben die Kritiker etwas dass sich jemand gerne und ohne Muss ein künstliches Gelenk reinmachen lassen ? Die 2 Millionen zusätzlichen Bewohner im letzten Jahrzehnt und die PFZ usw. bescherren uns jedes Jahr mehr Einwohner. Also nichts als normal dass auch mehr Operationen durchgeführt werden müssen.
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    1. Antwort von H. Bernoulli, Zürich
      Sie haben recht, die absoluten Zahlen und deren Entwicklung sagen wenig aus. Die Angaben müssten in Operationen pro 1000 oder 100'000 Einwohner gemacht werden.
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  • Kommentar von D. Daniele, Obergösgen
    Wir können noch so viele Gesetze machen wie wir wollen. Solange wir in unserer Gesellschaft die Absahner Mentalität haben, wird sich wenig ändern. Den Die macht auch nicht vor den Ärzten halt! Siehe Solothurner Spitäler AG, für was steht wohl AG hier? Ganz einfach für Ab-garnieren! Kommentare wegen den mehr Ausländer ist einfach nur dummes Geschwätz, den die zahlen auch, so bleibt das Verhältnis etwa gleich! Solange mehr als die hälfte der Ständeräte mit kassiert wird sich da nicht viel ändern!
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  • Kommentar von E. Waeden, Kt. Zürich
    Und wieder sind die "Alten" dran schuld! Kenne Menschen, die hatten nach einer Knie-OP nachher grössere Beschwerden als vorher. Immerhin ist es immer ein Fremdkörper, welcher Menschen eingepflanzt wird. So werden aus Menschen künstliche Ersatzteillager gemacht.
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