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Mangel an Spenderorganen Immer noch sterben jede Woche zwei Menschen

Mehr Organspender zu gewinnen: Das setzte sich der Bund vor vier Jahren zum Ziel. Doch das Gegenteil ist geschehen.

Legende: Audio Immer mehr lehnen eine Organspende ab abspielen.
2:04 min, aus HeuteMorgen vom 23.08.2017.

Das Wichtigste in Kürze

  • Noch immer herrscht in der Schweiz akuter Mangel an Spenderorganen.
  • Vor vier Jahren hat der Bund einen Aktionsplan lanciert, um mehr Menschen für eine Organspende zu gewinnen.
  • Doch jetzt zeigt sich: Die Spenderrate ist kaum gestiegen.
  • Die Ablehnung gegenüber von Organspenden hat seither sogar zugenommen, wie Swisstransplant sagt.
  • Der Bund will nun noch bis Ende 2018 abwarten und dann entscheiden.
  • Eine Widerspruchslösung, bei der Organspenden zu Lebzeiten explizit abgelehnt werden müssten, haben Parlament und Bundesrat mehrfach abgelehnt.

Jede Woche sterben in der Schweiz zwei Menschen, weil sie vergeblich auf ein Spenderorgan warten. Der Mangel an Organen ist akut und nicht neu.

Vor vier Jahren hat der Bund einen Aktionsplan lanciert, um die Situation zu entschärfen. Damit sich mehr Menschen für eine Organspende entscheiden, wollte er die Bevölkerung besser aufklären.

Ziel wird wohl verpasst

Damals gab es in der Schweiz 13 Organspender auf eine Million Einwohner. Der Bund setzte sich eine Spenderrate von 20 bis 2018 zum Ziel.

Aber schon jetzt gesteht Susanne Nyfeler vom Bundesamt für Gesundheit: «Es wird sehr schwierig, dieses Ziel zu erreichen – darin sind sich alle Involvierten einig.»

Immer mehr lehnen eine Organspende ab

In vier Jahren hat sich die Spenderrate in der Schweiz nur von 13 auf 13,3 gesteigert, und nicht nur das: Gleichzeitig habe die Ablehnung gegenüber der Organspende sogar zugenommen, sagt Franz Immer von Swisstransplant.

Beim Start des Aktionsplans 2012 habe die Ablehnungsrate in Spitälern bei 40 Prozent gelegen. «Mittlerweile ist sie auf über 60 Prozent gestiegen.»

Kommt die Widerspruchslösung doch?

Der Blick über die Grenze zeigt, dass eine Spenderrate von 20 nicht illusorisch wäre: Frankreich etwa hat 27 Organspender pro Million Einwohner und Österreich 25. In beiden Ländern gilt die Widerspruchslösung, das heisst: Alle sind potenzielle Organspender, sofern sie dies zu Lebzeiten nicht explizit verneinen.

Eine Widerspruchslösung haben das Schweizer Parlament und der Bundesrat aber mehrfach abgelehnt – zuletzt 2015. Man verwies auf den Aktionsplan des Bundes.

Bund will bis 2018 abwarten

Tatsächlich habe der Plan das Schweizer Organspendewesen verbessert, sagt Franz Immer. Die Spitäler seien heute besser aufgestellt, es seien Koordinationsstellen geschaffen und Fachpersonen ausgebildet worden. Doch das Grundproblem bleibt: die ablehnende Haltung.

Der Bund will nun noch bis Ende 2018 zuwarten, ob der Aktionsplan nicht doch noch längerfristige Auswirkungen hat. In der Zwischenzeit soll eine Umfrage unter Angehörigen, welche die Organspende verweigert haben, helfen zu verstehen, wieso die Ablehnung so hoch ist.

23 Kommentare

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  • Kommentar von Leo Nauber (leo999)
    Ja und? Wir sind nun mal alle sterblich. Bei den einen versagen die Organe früher, bei den andern später. Das ist zu akzeptieren. Alles andere ist Arroganz gegenüber der Natur.
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  • Kommentar von Henriette Rub (ehb)
    Täglich sterben auf der Welt unzählige Menschen. Wird man geboren, ist eines gewiss, wir werden auch sterben. Sich dagegen zu wehren, nutzt gar nichts. Und es steht keinem Menschen zu, einen anderen Menschen als Ersatzteillager zu nutzen. Wäre es so vorgesehen, hätte die superintelligente Medizin auch Mittel und Wege gefunden, Menschen mit ALS & Co nicht einfach dem langsamen Sterben zu überlassen.
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  • Kommentar von Edi Steinlin (stoni)
    Keine Sprüche, die Sache ist einfach, wer auf der Transplantationsliste ist kommt in die vordere Reihe und die es nicht sind, stehen hinter den andern an.
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