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Schweiz Imsi-Catcher: Umstrittene Überwachungsmethode sorgt für Wirbel

Das Handy als Spion: Mit so genannten Imsi-Catchern kann die Polizei massenhaft Personen via Mobiltelefon abhören und identifizieren. Überwachungskritiker sind alarmiert. Das Bundesamt für Justiz relativiert.

Es war ein Drogendealer, den die Kantonspolizei Baselland vor zwei Jahren im Visier hatte. Die Polizei wollte wissen, welche Gespräche der Tatverdächtige über sein Handy führt.

Dazu machte sie keine herkömmliche Telefonüberwachung, sondern nutzte einen so genannten Imsi-Catcher – ein technisches Gerät, das sich in Mobilfunk-Telefone einloggen kann. Im Umkreis von 300 Metern werden so alle eingeschalteten Handys identifiziert.

Für Martin Steiger, Mitglied der Digitalen Gesellschaft, die sich kritisch mit Überwachungsmethoden auseinandersetzt, ist ein solcher Imsi-Catcher ein Traum für jede Überwachungsbehörde. «Die Polizei hat die Möglichkeit, bei jedem Bürger über den sie Daten gesammelt hat, eine Telefonbuchabfrage durchzuführen.» Gerade bei Demonstrationen sei dies von grossem Vorteil, ist Überwachungskritiker Steiger überzeugt.

Flächendeckende Anwendung

Laut der «Schweiz am Sonntag» nutzt auch das Fedpol das Gerät bei der Suche nach vermissten Personen. Die Kantonspolizei Zürich sei aktuell daran, sich gleich zwei Imsi-Catcher anzuschaffen.

Der Einsatz steht jedoch auf wackligen gesetzlichen Füssen. Mit der Revision des Gesetzes zur Überwachung des Post- und Fernmeldeverkehrs soll sich dies nun aber ändern. Gleichzeitig soll auch die Strafprozessordnung angepasst werden.

Deswegen schlagen die Überwachungskritiker Alarm. Sie befürchten, dass solche Imsi-Catcher in Zukunft flächendeckend angewendet werden könnten. Heute dürfen diese nur mit richterlicher Genehmigung und konkretem Tatverdacht eingesetzt werden. «Es darf nicht so weit gehen, dass am Schluss massenweise Dritte überwacht werden, die nichts mit der Tat zu tun haben», sagt Daniel Vischer, Nationalrat der Grünen.

Kommissionen diskutieren

Das Bundesamt für Justiz hingegen relativiert: Mit den Gesetzesrevisionen wolle man nur Transparenz schaffen in einem Bereich, in dem die Technologie der Gesetzgebung voraus ist. Auch in Zukunft dürfe die Polizei nicht wahllos Leute identifizieren, sondern nur solche, die konkret mit dem Tatverdächtigen zu tun haben.

15 Kommentare

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  • Kommentar von H.moser, Basel
    Ich hab's doch gesagt,wir sind nicht's mehr anderes als ein totalitärer Bullen Überwachuns,und Schnüffelstaat.!! Für gewisse Staaten von Kontinenten welche vor zwanzig Jahren für uns noch unvorstellbar wahren ,sind wir heute in Europa (Schweiz) Vorzeigestaaten erster Güte in Sachen Rechtsverletzungen am eigenen Volk, das treten des Bürgers Grundrechte mit Füssen, Schurkenstaatenliste Generalbeschuldigungen und sogar Verurteilungen nur rein auf Vermutungen (Indizien) sind nicht bewiesen.!!
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  • Kommentar von Ernst Buri, Rüti ZH
    Jeder der sich mit Kriminalität beschäftigt ist kriminell. Herbert Moser Soll sich doch die Schlange in ihren eigenen Schwanz beissen; aber bitte ohne mich.
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  • Kommentar von Daniel Lambert, Goldach
    Georg Orwell's Buch "1984" lässt grüssen (Big Brother is wachting you)
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