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Schweiz «In 405 Jahren wäre das Mittelland verbaut»

Die Schweiz wird zugebaut. Um fast ein Viertel hat in den letzten zwei Jahrzehnten die bebaute Fläche zugenommen. Das ist mehr, als sich der Bundesrat zum Ziel gesetzt hatte, wie die Zahlen zeigen. Für die oberste Raumplanerin ist klar: Man muss handeln.

Zehn Mal die Fläche von Manhattan – 584 Quadratkilometer. Diese Fläche ist in der Schweiz in den letzten 24 Jahren zubetoniert worden. Auffallend ist, dass die Siedlungsfläche nicht in den Grosszentren wie Zürich, Basel oder Genf am stärksten zugenommen hat – sondern vor allem in den Agglomerationsgürteln und im ländlichen Raum.

Die Arealstatistik, Link öffnet in einem neuen Fenster des Bundesamts für Statistik belegt: Die bebaute Fläche wächst deutlich stärker als die Bevölkerung. Maria Lezzi, die Direktorin des Bundesamts für Raumentwicklung, sagt zu den Gründen: «Zuwanderung spielt sicher eine Rolle, aber der Flächenverbrauch pro Kopf ist auch ein wesentlicher Faktor. Wir haben mehr Single-Haushalte, die Bevölkerung ist älter und man kann es sich leisten.»

Blick auf Häuser und Wohnblocks und Baukrans.
Legende: Zuwanderung, mehr Single-Haushalte und eine ältere und wohlhabendere Bevölkerung sind schuld an Verbauung. Keystone

Keine Grünflächen mehr in 400 Jahren

Immer mehr besiedeltes Gebiet – so kann das nicht weitergehen, sind sich die Fachleute des Bundes einig. Denn ohne Gegenmassnahmen gäbe es im Mittelland in ein paar hundert Jahren keine Grünflächen mehr. Der Direktor des Bundesamts für Statistik, Georges-Simon Ulrich, rechnet vor: «In der Annahme es würde sich nichts verändern, wäre das Mittelland in 405 Jahren verbaut.»

Eine bessere Ausnutzung des bestehenden Raums ist deshalb das Motto. Der Bundesrat hat sich das Ziel gesetzt, dass in der Schweiz nicht mehr als 400 Quadratmeter Siedlungsfläche pro Person beansprucht werden.

Dieses Ziel sei bereits verfehlt worden, muss Raumplanerin Lezzi feststellen. Die Entwicklung bremsen soll nun das revidierte Raumplanungsgesetz. «Wachstum muss ja nicht unbedingt auf der Fläche passieren. Boden kann man auch sparend bebauen, indem man in die Höhe baut, oder sinnvolle Kombinationen mit anderen Nutzungen macht.»

Doch nicht nur der Beton erhält immer mehr Raum, auch der Wald breitet sich in der Schweiz immer mehr aus, vor allem in den Bergen. Dies alles geht auf Kosten der Landwirtschaft. Ihre Fläche wird immer kleiner. Um über fünf Prozent hat das Kulturland in den letzten 24 Jahren abgenommen.

9 Kommentare

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  • Kommentar von W. Pip, ZH
    Ach, wir haben eine oberste Raumplanerin? Die hat sich aber erfolgreich versteckt, hm? Was verdient die denn so...?
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  • Kommentar von Rudolf R. Blaser, Aeschi
    Problem kann somit eindeutig und nach gesundem Menschenverstand auf die Autonomie der Baukommissionen der Gemeinden zurückgeführt werden, welche die Ausnützungsziffern willkürlich festlegen dürfen und von den kantonalen Behörden normalerweise - wegen der Souveränität der Gemeinden - auch nicht behindert werden und somit Narrenfreiheit geniessen. SOLANGE AUSNÜTZUNGSZIFFERN NICHT GESETZLICH GEREGELT WERDEN, wird es unmöglich sein die Verbetonierung zu stoppen.
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  • Kommentar von Rudolf R. Blaser, Aeschi
    400 Jahre entsprechen 20 Generationen(G). Solange unsere AKWs Müll produzieren welcher von den nachfolgenden 55'000 G verwaltet werden muss und Evakuation der CH erfordern werden, ist Problem nur HYPOTHETISCH und könnte am einfachsten mit erhöhter Ausnützungsziffer (AZ) gelöst werden. Auf Grundstück mitAZ45 statt 35 kann anstelle eines 1familienhauses ein 6familienhaus gebaut werden. Im Vergleich zu den Metropolen dieser Welt, hat CH für kleine Einwohnerzahl zudem ein RIESENLAND!
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