In den Uhrenstädten geht die Suche nach Radioaktivität weiter

In der Stadt Biel werden in nächster Zeit weitere 21 Standorte von ehemaligen Uhrenateliers auf Radioaktivität untersucht. Acht Standorte wurden bereits untersucht – und saniert. Auch im neuenburgischen La-Chaux-de-Fonds stehen Untersuchungen an.

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Altlasten der Uhrenindustrie

2:57 min, aus Schweiz aktuell vom 10.6.2014

Wie verseucht sind die ehemaligen Uhrenateliers? Untersuchungen sollen das herausfinden. In Biel geht die Suche nach möglicher Radioaktivität in den ehemaligen Uhrenateliers weiter.

Über 20 Standorte sollen noch geprüft werden. Die Menschen, die in den betroffenen Gebäuden leben oder lebten, sollen am 19. Juni an einem Informationsabend ins Bild gesetzt werden. Das teilte die Stadt mit.

Die Bieler Behörden haben eine Liste der Hauseigentümer und -bewohner an den Bund überliefert, sagte die zuständige Gemeinderätin Barbara Schwickert. Die Stadt werde zudem ihre Archive und «sämtliche in ihrem Besitz befindlichen Unterlagen» zur Verfügung stellen.

Alle Uhrenateliers werden untersucht

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) will bekanntlich alle ehemaligen Uhrenateliers im Jurabogen auf Radioaktivität untersuchen. Eine entsprechende Ankündigung machte das Bundesamt an Pfingsten nach Enthüllungen der «SonntagsZeitung». Diese hatte eine Liste mit den Standorten von 85 früheren Radium-Ateliers veröffentlicht.

In den Ateliers brachten die Arbeiterinnen und Arbeiter – teilweise in Heimarbeit – die radioaktive Leuchtfarbe auf die Uhren. Regelmässig kontrolliert wurden nur die 25 Betriebe, die nach 1963 eine Bewilligung für die Verwendung radiumhaltiger Substanzen hatten.

Bevölkerung wusste von Nichts

Ob von den übrigen 60 Standorten eine gesundheitliche Gefährdung ausgeht, ist unklar. Von den insgesamt 85 ehemaligen Ateliers befinden sich 36 im Kanton Bern. Am stärksten betroffen ist Biel mit insgesamt 29 Standorten. Weitere Ateliers gab es in Studen, Orpund sowie in den bernjurassischen Gemeinden Tramelan und Tavannes.

Ausgelöst wurden die Diskussionen um Altlasten der Uhrenindustrie vor zehn Tagen. Damals wurde bekannt, dass auf der Baustelle der A5-Umfahrung von Biel radioaktiver Abfall gefunden worden war. Der Kanton Bern als Bauherr, das BAG und die Suva wussten seit langem Bescheid, nicht aber die Bevölkerung.

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Gesundheitsminister Berset zur Strahlenbelastung in Biel

0:54 min, vom 10.6.2014

Auch der Bundesrat betrachtet es als Fehler, dass die Bevölkerung nicht früher über den Fund von radioaktivem Abfall auf einer Baustelle in Biel informiert wurde. Dies sagte Gesundheitsminister Alain Berset in der Fragestunde des Nationalrates. Der Bundesrat will in dieser Frage künftig für mehr Transparenz und eine bessere Kommunikation sorgen.

Kontrollen in La Chaux-de-Fonds

Auch die neuenburgische Uhrenstadt La Chaux-de-Fonds lässt an die 30 Gebäude auf Radiumspuren kontrollieren. Wie in Biel wurde auch in den Uhrenateliers in La Chaux-de-Fonds bis in die 1960er-Jahre mit der radioaktiven Leuchtfarbe gearbeitet.

Ab 1963 brauchte es für die Verwendung von Radium eine Bewilligung. Die Ateliers, die eine solche besassen, wurden in der Folge regelmässig kontrolliert.

Blick auf Häuser in La-Chaux-de-Fonds

Bildlegende: 30 Gebäude werden in La-Chaux-de-Fonds auf Radiumspuren untersucht. Keystone

Die Liste der Gebäude in La Chaux-de-Fonds enthält bereits kontrollierte Standorte und solche, die noch nie untersucht wurden. Die Behörden wollen die Adressen jedoch nicht öffentlich bekannt geben. Hingegen werden die Bewohnerinnen und Bewohner kontaktiert, sagte Gemeinderat Théo Huguenin-Elie.

Neue Faktenlage

Die Stadtbehörden hatten am vergangenen Freitag zusammen mit dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) eine Standortbestimmung gemacht. Dabei hätten sie Fakten erfahren, die den Behörden bis dato nicht bekannt waren, sagte Huguenin-Elie weiter.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Radium in Haushalten

    Aus Tagesschau vom 8.6.2014

    Die leuchtenden Zifferblätter der Uhren in den 50iger und sechziger Jahren waren der Renner. Ihr Nachteil: Die Ziffern und Zeiger wurden mit radioaktiven Leuchtfarben bemalt, die aus Radiumpulver bestanden. 1963 wurde diese Praxis in der Schweiz aus Gesundheitsgründen verboten. Die Nachwirkungen zeigen sich aber noch heute.

  • Radioaktive Altlasten mitten in Biel

    Aus Schweiz aktuell vom 2.6.2014

    Bei einer Grossbaustelle in Biel ist radioaktives Radium gefunden worden. Obwohl der Fund schon zwei Jahre zurückliegt, haben die Behörden erst informiert, nachdem Medien darüber berichtet haben. Gefahr habe weder für die Bauerbeiter noch für die Anwohner bestanden.