Infektionen nach OP: Gefährdet ist der Dickdarm

Bei einem chirurgischen Eingriff im Spital besteht immer das Risiko einer Wundinfektion. Wie hoch dieses ist, hängt vom Operationsgebiet ab. Bei drei Operationsarten nahm die Zahl der Fälle zu.

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Infektion nach Operation

1:54 min, aus Tagesschau vom 2.12.2014

Ärzte während einer Operation.

Bildlegende: Trotz höchsten Hygieneansprüchen: Dass es nach einer OP zu einer Infektion kommen kann, lässt sich nicht vermeiden. Keystone

Zum zweiten Mal sind die Infektionsraten nach chirurgischen Operationen an Schweizer Spitälern untersucht worden. Bei drei OP-Gebieten wurde dabei eine Zunahme der Infektionen festgestellt: Bei Eingriffen am Dickdarm, am Blinddarm und bei Leistenbrüchen. Beim Dickdarm war die Infektionsrate mit 13,6 Prozent am höchsten.

Weniger Infektionen gab es bei Gallenblasenentfernungen, Kaiserschnitt, Herzchirurgie, Hüfttotalprothesen- und Knietotalprothesen-Implantationen. Knieprothesen-OP scheinen dabei mit einer Infektionsrate von 0,9 Prozent am wenigsten problematisch zu sein.

Infektionen treten mehrheitlich zu Hause auf

Wundinfektionen nach Operationen liessen sich nie vollständig vermeiden, betonte der Nationale Verein für Qualitätsentwicklung in Spitälern und Kliniken (ANQ) in seiner Mitteilung. Je nach Operation treten über die Hälfte der Infektionen erst auf, nachdem die Patienten das Spital verlassen haben.

Wie hoch das Risiko einer Infektion ist, hängt auch vom Operationsgebiet ab. So besteht beispielsweise gemäss dem ANQ bei Dickdarmchirurgie grundsätzlich ein höheres Risiko.

Über 38'000 Operationen ausgewertet

Die Teilnahme an der Erhebung war erstmals obligatorisch für alle Spitäler, die Operationen durchführen. ANQ führte die Erhebung in Zusammenarbeit mit dem Verein Swissnoso durch, welcher sich mit der Reduktion von Infektionen befasst.

Insgesamt wurden über 38'000 chirurgische Eingriffe an 118 Schweizer Spitälern und Spitalgruppen in der Erhebung berücksichtigt. Die Operationen wurden zwischen Oktober 2011 und September 2012 durchgeführt – bei einigen der Eingriffe war der Untersuchungszeitraum ein Jahr früher.

Die Unterschiede zur ersten Untersuchung von Mitte 2009 bis Mitte 2010 sind bei den meisten Eingriffen statistisch nicht signifikant, das heisst, es lassen sich höchstens Trends ablesen.