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Spitäler rechnen mit einer Zunahme der Einweisungen
Aus SRF 4 News aktuell vom 21.07.2021.
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Infektionszahlen steigen stark Spitäler rechnen bald mit mehr Patienten

Die Infektionszahlen in der Schweiz steigen rasant, das Bundesamt für Gesundheit rechnet damit, dass schon bald wieder über 1000 Coronafälle pro Tag registriert werden. Immerhin: Bislang bleiben die Spitaleinweisungen wegen Corona tief. Doch niemand wisse, ob das so bleibe, sagt Chefarzt Philipp Schütz. Er empfiehlt dringend, sich jetzt impfen zu lassen.

Philipp Schütz

Philipp Schütz

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Philipp Schütz ist Chefarzt für Innere Medizin und Notfallmedizin am Kantonsspital Aarau.

SRF News: Der Bundesrat dürfte trotz steigender Fallzahlen mit einer Verschärfung der Corona-Massnahmen zuwarten – er will dafür stärker als bisher die Auslastung des Gesundheitswesens berücksichtigen. Wie beurteilen Sie dieses Vorgehen?

Philipp Schütz: Derzeit nehmen die Ansteckungen vor allem unter jüngeren Menschen zu, von ihnen kommen im Moment aber nur wenige ins Spital. Man muss abwarten, um zu sehen, ob es in den Spitälern zu einer Zunahme der Einweisungen wegen Covid-19 kommen wird.

Mit welchem Bauchgefühl blicken Sie auf die aktuelle Entwicklung?

Die Spitäler wurden von der zweiten Corona-Welle (ab Oktober 2020) hart getroffen, beim Spitalpersonal hat sie einen hohen Tribut gefordert. Viele Pflegende haben gekündigt und den Beruf gewechselt.

Viele Pflegende haben in der zweiten Welle gekündigt und den Beruf gewechselt.
Autor:

Deshalb möchten wir keine solche Situation mehr erleben, das Bauchgefühl ist darum etwas mulmig. Derzeit ist allerdings noch unklar, wie stark das Gesundheitssystem von der vierten Welle getroffen wird.

Die Hospitalisationszahlen sind derzeit tief, viele Menschen sind geimpft. Das gibt doch auch Anlass zur Hoffnung?

Das ist sicher so. Gerade von den Älteren und den Risikopersonen sind inzwischen viele geimpft, anders als viele jüngere. Wenn nun die Infektionszahlen ansteigen, werden sicher auch ungeimpfte Menschen in mittlerem Alter mit einem schweren Verlauf von Covid-19 rechnen müssen. Das wiederum wird die Intensivmedizin erneut fordern.

Ein Blick in andere Länder zeigt, dass ein Anstieg der Fallzahlen zumindest bisher nicht mit einem Anstieg der Hospitalisationen einhergeht. Da gibt's für Sie doch eigentlich nur wenig Grund zur Sorge?

Es gibt verschiedene Modellrechnungen – und auch in Deutschland, Israel oder England rechnet man damit, dass die Spitaleinweisungen zunehmen werden, wenn die Infektionszahlen jetzt derart stark steigen.

Man muss davon ausgehen, dass die Zahl der Hospitalisationen zunehmen wird.
Autor:

Tendenziell muss man davon ausgehen, dass die Zahl der Menschen, welche wegen Covid-19 Spitalpflege brauchen, zunehmen wird und die Spitäler wieder gefordert werden. Es ist aber noch unklar, wie stark und ob es wieder zu Kapazitätsengpässen kommen wird. Deshalb hat wohl auch der Bundesrat noch nicht mit Verschärfungen reagiert.

Auf welche Szenarien bereiten Sie sich vor?

Wir sind natürlich immer auf das Worst-Case-Szenario vorbereitet. Zweimal haben wir das in den letzten anderthalb Jahren bereits durchgespielt. Doch wir alle hoffen, dass es nicht ein drittes Mal so weit kommt.

Wenn sich viele impfen lassen, haben wir bessere Karten.
Autor:

Was muss jetzt passieren, damit es nicht so weit kommt?

Viele der Covid-Fälle sind eigentlich unnötig. Und wenn sich in den kommenden Wochen noch viele Menschen impfen lassen und sich so gegen eine Ansteckung schützen, haben wir sicher bessere Karten. Sinnvoll ist auch, die Lage sehr engmaschig zu beobachten – was der Bundesrat und die Behörden ja tun – und bei einer Zunahme der Spitaleinweisungen schon in einem frühen Stadium Gegensteuer zu geben.

Das Gespräch führte Christina Scheidegger.

SRF 4 News, 21.07.2021, 06:20 Uhr;

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305 Kommentare

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  • Kommentar von Dirk Schneider  (Dirk Schneider)
    „Wenn nun die Infektionszahlen ansteigen, werden sicher auch ungeimpfte Menschen in mittlerem Alter mit einem schweren Verlauf von Covid-19 rechnen müssen.“

    Warum ist das so? Kann dies jemand erläutern?
    1. Antwort von Christian Kunz  (CK124)
      Das ist Wahrscheinlichkeit und Statistik.
      Sagen wir der Prozentsatz der betroffenen Alzersgruppe liegt bei 5 auf 100 für schwere Verläufe und Andteckungsrusiko bei 20 auf 100.
      Da die Ältesten dank Impfung wegfallen sind die anderen Gruppen einfach mehr betroffen.
      Durch Delta steigt die Ansteckung auf 40 von 100 und die schweren Verläufe auf 6 von 100.
      Ergo sind jetzt einfach mehr Leute dieser Gruppe betroffen.
    2. Antwort von Monika Mitulla  (momi)
      Ja klar - wissenschaftlich belegt mit "könnte" und "sagen wir..."
      Kein Wort über die Schwere der Erkrankung mit der "Delta-Variante". DAS interessiert.
    3. Antwort von Thomas Spirig  (lalelu)
      wie es scheint zeigen zumindest die ersten wissenschaftlichen hinweise leider in die richtung, dass die mutation delta im dümmsten fall nicht nur ansteckender, sondern tatsächlich auch "gefährlicher" ist im sinne von höhere relative wahrscheinlichkeiten für schwere verläufe.
  • Kommentar von Hans Jürg  (Hans Jürg)
    @Die , die sich Impfen lassen aus Solidariät, um sein Gegenüber zu schützen? Da wiegen Sie sich bzw ihr Gegenüber vermutlich aber in falscher Sicherheit. Meines Wissens schützt die Impfung nur beschränkt davor, sich anzustecken sowie das Virus weiterzugeben. OK, mankönnte ja weiterhin die beliebten Masken tragen. Dann frage ich mich aber weshalb man sich dann hat impfen lassen...
    Für mich dient die Impfung klar dem Eigenschutz um das Risiko eines schweren Verlaufes auf fast Null zu bringen.
    1. Antwort von Maciek Luczynski  (Steine)
      Weil Masken UND Impfung ein besserer Schutz sind, als Masken ODER Impfung.
    2. Antwort von Thomas Spirig  (lalelu)
      die impfung schützt nicht "nur beschränkt" vor einer infektion, sondern sehr stark. das ist schon mal ihre erste falsche annahme. und zweitens ist stand der medizin derzeit, dass selbst im falle einer ansteckung bei geimpften die viruslast signifikant reduziert ist und somit die übertragung zusätzlich eingeschränkter. beide effekte helfen sehr stark dabei die pandemie auf tiefem level und somit kontrollierbarer zu halten in jeder hinsicht.
  • Kommentar von Johann Meier  (H.J. Meier)
    Es fällt mir einfach schwer, das ernst zu nehmen. Am Anfang hiess es, nur sehr alte Menschen gehören zur Risikogruppe. Dann waren es plötzlich U60, dann U50 und jetzt auch die um 40 jährigen. Und wenn die dann auch geimpft sind, sind es die U30, die U20.... Manchmal habe ich das Gefühl, man will einfach nicht auf den Impfdosen sitzen bleiben wie damals bei SARS.
    1. Antwort von Thomas Spirig  (lalelu)
      falls sie es noch nicht mitgekriegt haben. das virus hat sich verändert und damit hat sich leider auch das risikoprofil etwas verändert. das ist keine erfindung, sondern hat sich leider in den spitälern gezeigt.
    2. Antwort von Conny Hasler  (conhas)
      wer zur Risikogruppe gehört, ist eigentlich schon seit Monaten bekannt, d.h. zu Beginn der Pandemie wurde dies auf der BAG Liste aufgeführt; Menschen mit Diabetes, Bluthochdruck, Krebs, Lungenerkrankungen,etc. Später wurden auch noch schwangere Frauen dazugenommen.Und da sind viele Menschen dabei, die zur Ü 50, Ü 60 Gruppe gehören und natürlich auch etliche Personen, die noch jünger sind
    3. Antwort von Monika Mitulla  (momi)
      Tatsächlich, die Ansteckungen mit der Delta-Variante gehen schneller und leichter. Aber wie hat sich die Schwere der Krankheit verändert? DAS ist der springende Punkt.
    4. Antwort von Christian Kunz  (CK124)
      Die Delta Variante hat ist sowohl ansteckender als anscheinend auch aggressiver, heisst mit mehr schweren Verläufen pro Anzahl Erkrankter.
      Diese Zahl lässt sich im Gegensatz zur relativen Ansteckung einer Mutation sehr leicht mathematisch bestimmen.
      Die Zahlen der Ansteckungen nehmen zu und gleichzeitig nimmt die relative Zahl der schweren Verläufe zu, der Rest ist einfachste Mathematik ;-)
    5. Antwort von Thomas Spirig  (lalelu)
      nein frau mitulla das ist nicht der springende punkt. selbst wenn es gleich bleiben würde. mehr ist mehr.