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Revision der IV IV-Rente für Jugendliche nur als letztes Mittel

Legende: Video «Zahl jugendlicher IV-Rentner zu hoch» abspielen. Laufzeit 1:51 Minuten.
Aus Tagesschau vom 15.02.2017.
  • Die Invalidenversicherung (IV) soll Betroffene künftig enger begleiten. Das ist das Ziel der IV-Revision, die der Bundesrat heute vorgelegt hat.
  • Insbesondere Jugendliche sollen beim Übergang ins Erwerbsleben unterstützt werden. Renten soll erst zugesprochen werden, wenn alle Eingliederungsmassnahmen ausgeschöpft sind.
  • Im heutigen Stufensystem ist es für viele IV-Rentner nicht mehr attraktiv, zu arbeiten. Deswegen braucht es Anpassungen.

Der Bundesrat bleibt dabei: Er will trotz politischen Drucks nicht weiter sparen bei der Invalidenversicherung. Stattdessen will Sozialminister Alain Berset mehr tun, damit junge Menschen mit psychischen Problemen den Sprung in die Arbeitswelt schaffen.

Legende: Video «Berset: Je jünger, desto mehr Anstrengungen» abspielen. Laufzeit 0:42 Minuten.
Vom 15.02.2017.

Allem voran soll verhindert werden, dass junge Menschen in der IV landen, bevor sie im Arbeitsleben Fuss gefasst haben: «Niemand sollte sein Erwachsenenleben in einer Rente beginnen», sagte Sozialminister Alain Berset vor den Medien in Bern.

Mit der IV-Revision müsse entsprechend mehr getan werden, damit sich die Zahl junger IV-Neurentner nachhaltig verringert: «Der Bundesrat hat deswegen ein Grundprinzip im Gesetz verankert: Je jünger eine Person ist, desto intensiver müssen unsere Anstrengungen sein.»

Kein Mindestalter für IV-Bezug

Gleichzeitig erteilte Berset bürgerlichen Forderungen eine Absage, ein Mindestalter für den Bezug einer IV-Rente festzusetzen und stattdessen befristete Taggelder einzuführen: «Die Zielsetzung ist zwar richtig. Und der Bundesrat hat die Idee auch diskutiert. Wir sind aber zum Schluss gekommen, dass es die teurere Variante wäre.»

Ich weiss, dass Fakten im postfaktischen Zeitalter keinen guten Ruf mehr haben. Aber die finanzielle Situation der IV ist heute gut.
Autor: Alain BersetZur Kritik, die Revision koste zu viel

IV attraktiver als Arbeit

Um Jugendliche beim Übergang ins Erwerbsleben zu unterstützen, soll unter anderem das Beratungsangebot ausgebaut werden: Die IV kann nach den Plänen des Bundesrats auch Brückenangebote zur Vorbereitung auf die erste Berufsausbildung finanzieren. Eine Rente soll weiter erst zugesprochen werden, wenn alle Eingliederungsmassnahmen ausgeschöpft sind.

Um einen Anreiz zur Erwerbstätigkeit zu schaffen, will der Bundesrat zudem ein stufenloses Rentensystem für Neurentner einführen. Im heutigen Stufensystem sei es für viele IV-Rentner nicht mehr attraktiv zu arbeiten, so der Bundesrat.

Wie viel darf die Revision kosten?

Die Kritik von bürgerlichen Parteien und Wirtschaftsverbänden, die Revision würde zu viel kosten, kontert Berset: «Wenn mehr Jugendliche eine Ausbildung machen und ins Arbeitsleben eintreten können, ist das eine Investition in die Zukunft.»

Besagte Investition sei auch finanzierbar, so Berset: «Ich weiss, dass Fakten im postfaktischen Zeitalter keinen guten Ruf mehr haben. Aber die finanzielle Situation der IV ist heute gut.»

Der Bundesrat nimmt denn auch die Parlamentarier in die Pflicht, die die Vorlage zur Sparvorlage umbauen könnten: «Sie müssen nun ihre Verantwortung wahrnehmen und eine ausgewogene Lösung finden.»

Legende: Video « Eingliederung junger IV-Bezüger – das Beispiel Fabio» abspielen. Laufzeit 3:44 Minuten.
Aus 10vor10 vom 15.02.2017.

19 Kommentare

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  • Kommentar von Riet Caspescha (Defender)
    Das IV Päckli von Bundesrat Berset hat zwei verschiedene Inhalte. Verbesserungen für Kinder, Jugendliche und Menschen mit psychischen Problemen. https://www.edi.admin.ch/edi/de/home/dokumentation/mm.msg-id-65565.html Ü50 findet schwer einen Arbeit. Wie bitte denn Psychischkranke? Leere Worte, und grosses Leid. Betroffene aufs Sozialamt. So gequälte Menschen werden kränker, die Kosten werdern steigen. Ärzte und IV Berater füllen sich die Taschen. Das ist die Wahrheit in der reichen CH :(
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  • Kommentar von Arthur Pünter (puenti)
    Der Ansatz zur Integration von jugendlichen IV-Rentnern in den Arbeitsplatz ist löblich, aber nicht leicht umzusetzen, da die Wirtschaft aus Rendite- und Gewinndenken wohl auch in Zukunft wenig Hand bieten will, jungen Menschen mit einer psych. Behinderung einen Arbeitsplatz zu bieten. Andererseits darf es nicht mehr sein, das der IV-Rentenbezug auf Kosten der Allgemeinheit finanziell attrakiver ist als einer Arbeit nachzugehen.
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    1. Antwort von Rolf Bolliger (robo)
      Ihr letzter Satz, Herr Pünter, erscheint mir schon lange als das Wurzelübel am ganzen Sozialstaat zu sein: Es darf doch nicht sein, dass sogar junge, gesunde und noch mobil lebende Menschen ein "besseres" ringeres Leben haben können als Sozialhilfebezüger oder IV-Rentner, als wenn sie einer Arbeit nach gehen würden! Diese Hängematten haben die linken "Gutmenschen" aufgespannt. Nun sollten diese wirklich entfernt werden und nur noch für absolute "Härtefälle" verfügbar bleiben!
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  • Kommentar von Manuela Fitzi (Mano)
    Tönt hart, aber ich sehe Ratio und Perspektiven in der Lösung. Für wichtig halte ich, dass diese Jugendlichen von ihrer Arbeit nicht einfach dahinvegetieren, sondern eine gewisse Lebensweise führen können. Und dass sie nicht in irgendeine Arbeit reingepusht werden, sondern die Chance zur Erfüllung bekommen. Wir sind eine reiche Gesellschaft und dürften nicht zulassen, dass unsere Jungen keine Perspektiven haben. Es ist eine grundlegend andere Situation, als die Sozialhilfe für gesunde Personen.
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