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Schweiz Jagdsaison für Kassen – nicht alle freut‘s

Rund 220 Millionen Franken geben die Krankenkassen laut einer Studie jährlich aus, um Kundschaft zu werben. Besonders aktiv und nicht zur Freude aller sind sie im Herbst, wenn die Fristen zum kunterbunten Kassenwechsel laufen. Hunderttausende tun dies. Die Versicherungen sehen sich bestätigt.

Karten verschiedener Krankenkassen.
Legende: Darf es etwas günstiger sein? Die herbstliche Hatz auf Prämienzahler lassen sich die Kassen einiges kosten. Keystone

Immer im Herbst laufen die Werbeaktionen der Krankenkassen auf Hochtouren – per Post oder mit einem Telefonanruf nach Feierabend. Sie stören damit auch Menschen, die gar keine Werbung wünschen. «Wir beobachten leider nicht, dass die Kassen vorsichtiger wären und nur noch dort Leute kontaktieren, wo sie berechtigt sind», stellt Sara Stalder von der Stiftung für Konsumentenschutz fest. Die Belästigung durch das Telefonmarketing gehe munter weiter.

Dank Wettbewerb mehr Qualität?

Aus der Optik der Krankenversicherer sieht das alles ganz anders aus. Und sie lassen sich diese Werbung auch einiges kosten. Gemäss einer Studie der Gesundheitsökonomin Anna Sax beläuft sich der jährliche Aufwand der Kassen für Akquisitions- und Marketingkosten auf 220 Millionen Franken. Dazu gehören nach ihren Worten auch die Telefonanrufe, um neue Versicherte anzuwerben.

Die Kassen rechtfertigen die Kampagnen. Durch den Wettbewerb werde die Qualität des Systems verbessert. Zudem seien die Werbekosten im Vergleich zu den Gesamtausgaben im Gesundheitswesen bescheiden.

Hunderttausende machen den Schritt

Dass die Krankenkassen ihre Aktionen immer im Herbst starten, hat mit der Kündigungsfrist zu tun. Denn Ende September informieren die Kassen über die Prämienerhöhungen. Dann haben die Kunden bis Ende November Zeit, die Kasse zu wechseln.

Das wird in der Regel rege genutzt, wie Krankenkassenexperte Felix Schneuwly vom Internet-Vergleichsdienst comparis erklärt. Er geht davon aus, dass auch in diesem Jahr etwa 600‘000 Versicherte die Kasse wechseln werden. In Spitzenjahren mit Prämienerhöhungen von bis zu zehn Prozent seien es jeweils weit über eine Million Versicherte gewesen.

18 Kommentare

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  • Kommentar von Marcel Löhrer, St. Gallen
    Sind wir doch ehrlich, je kränker jemand ist, desto besser soll die Zusatzversicherung sein und dann aus gutem Grund nur von gesunden Versicherten abgeschlossen werden. Es gibt sehr viele Versicherte,welche das gemacht haben und damit glücklich sind. Nun noch eine Bemerkung zu den Provisionen! Die fetten Provisionen werden nicht auf den Abschluss der Grundversicherungen (KVG) sondern auf den Abschlüssen der Zusatzversicherungen (VVG) - alles klar?
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  • Kommentar von Verena Eberhard, 5722 Gränichen
    was mich am meisten freut ist, dass meine Prämien von Jahr zu Jahr fallen und nicht steigen. Denn meine Versicherung ist keine Abzocker-Versicherung sondern eine, welche noch etwas Grütz im Kopf hat. Irgendwie nervt das Gejammer der Versicherungen, welche junge Menschen versichern und dann für jeden Schnupfen und jeden Furz bezahlen müssen.
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    1. Antwort von Albert Planta, Chur
      Hätten sie die Freundlichkeit, den Namen "ihrer" Versicherung zu nennen?
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  • Kommentar von Nico Basler, Basel
    Mit der Einführung der Einheitskasse hört dieser 220 Millionen Leerlauf sowieso auf. Zudem haben wir einen waschechten Entlebucher Sennenhund, der löst das Problem mit ungebetenen und aggressiven Vertretern suoverän.
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    1. Antwort von Michael Hunziker, 4456 tenniken
      Richtig Herr Basler !!!! Und wenn alle, die sich jetzt äussern auch tatsächlich abstimmen gehen, werden wir die Versicherungslobby in die Wüste schicken. Die dann arbeitslosen Versicherungsangestellten können in der Pflege arbeiten, selbstverständlich nicht zu dem Lohn, den sie bisher hatten.
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    2. Antwort von Nico Basler, Basel
      @hunziker Die meisten Versicherungsangestellten ab dem unteren Kader beziehen keinen Lohn, sondern eine Anwesenheitsprämie. Der volkswirtschaftliche Nutzen der massenweise vorhandenen Kassen und Kässeli im Verhältnis zum Wasserkopf und Leerlauf ist mehr als fraglich. In der realen Wirtschaft finden arbeitswillige und gutausgebildete Arbeitnehmer entsprechende Jobs. Also was soll da ihr Gejammer.
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