Neues Stromversorgungsgesetz Je dicker die Stromleitung, desto höher die Rechnung

Das Wichtigste in Kürze:

  • Verbraucher mit dickem Anschluss sollen nach dem neuem Stromversorgungsgesetz mehr zahlen.
  • Privatleute mit dünnen Leitungen könnten künftig Kosten sparen – wie viel, ist offen.
  • Kritik kommt von den Unternehmen: «Die Schmerzgrenze ist erreicht

Es geht um Grosses, nämlich um Gerechtigkeit. Die ganz dicken Stromleitungen, die den Stromhunger der grossen Unternehmen stillen, die seien nun einmal sehr teuer, sagt Marianne Zünd, Sprecherin des Bundesamts für Energie: «Das führt eben dazu, dass Verbraucher, die einen dicken Anschluss haben, weil sie viel Leistung beziehen aus dem Stromnetz, mehr bezahlen müssen.»

Umverteilung zugunsten von Privatleuten

So soll es im neuen Stromversorgungsgesetz stehen, an dem Zünds Amt arbeitet. Viel Leistung – das heisst, einfach gesagt, die Benutzung der dicksten Stromleitungen – könnte also bald mehr kosten. Umgekehrt bedeutet das, dass wenig Leistung – also die Benutzung dünnerer Stromleitungen – weniger kosten würde.

Das ist eine Umverteilung zugunsten von Privatleuten: «Beim Endkunden, also bei uns Haushalten, kommt sicher noch was an. Wobei es jetzt nicht die grosse Summe sein wird, die wir weniger zahlen müssten», so Zünd vom BFE. Für Zahlen sei es noch zu früh.

Netzkosten für Unternehmen in Frankreich tiefer

Nicht aber für Kritik. Grosse Unternehmen, die viel Strom verbrauchen, wehren sich. Daniel Aebli, Geschäftsführer von Stahl Gerlafingen, sagt: «Wenn ich in Frankreich produzieren würde, wären meine Netzkosten rund sieben Millionen Franken pro Jahr tiefer. Also für uns wäre eine solche Entwicklung sicher nicht akzeptabel.»

Die Schmerzgrenze bei den Kosten für die Benutzung des Stromnetzes sei erreicht. Und gerecht wären höhere Kosten auch nicht, schliesslich nutze Stahl Gerlafingen den Strom heute schon sehr effizient.

Wirtschaft nicht benachteiligen

Auch der Verband Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen ist nicht begeistert. Präsident Kurt Rohrbach: «Mir scheint, man muss eine Lösung finden, die auch sachgerecht ist, und die nicht die Wirtschaft irgendwie in eine schlechtere Stellung bringt.» Noch glauben alle Beteiligten, diese Lösung werde man finden. Wohl im Herbst entscheidet dann der Bundesrat über das neue Gesetz.

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