Jean Ziegler – ein leidenschaftlicher Kämpfer ist 80

Sei es als Professor der Soziologie, als Bestsellerautor oder als UNO-Diplomat: Jean Zieglers Kampf gilt immer der sozialen Ungerechtigkeit. Damit ist er international zum wohl bekanntesten Politiker der Schweiz geworden. Am 19. April wird der gebürtige Thuner 80 Jahre alt. Eine Würdigung.

Jean Zieglers Kampf gilt nicht der Unmenschlichkeit und dem Welthunger allein, auch Banken und Finanzakteure hat er permanent im Visier. Zahlreiche Sachbücher hat der Globalisierungskritiker dazu verfasst. Beliebt hat er sich damit nicht bei allen gemacht, denn seine Wortwahl ist oft drastisch, vor allem was das Schweizer Bankgeheimnis betrifft.

Von «Halunken», «Mafia-Brüdern» und «Casino-Kapitalismus» ist etwa die Rede. Auf Marcel Ospel, den ehemaligen Verwaltungsratspräsidenten der UBS, hat er es besonders abgesehen.

«  Im helvetischen Bankensumpf ist Ospel sicher eins der schlimmsten Krokodile »

Jean Ziegler

Ähnliche Aussagen haben Ziegler manche Klage eingebracht und ihn viel Geld gekostet. Trotzdem: Die Debatte ist Zieglers Lieblingsterrain und er führt sie auf internationalen Podien wie auch auf heimatlichen Boden.


Kämpfer Jean Ziegler nimmt kein Blatt vor den Mund

2:46 min, aus SRF 4 News aktuell vom 17.04.2014

Kritisiert wird Ziegler unter anderem von jüdischen Kreisen. Dies vor allem wegen seiner Sympathie zu den Palästinensischen Autonomiegebieten. Ronald Lauder vom Jüdischen Weltkongress bezeichnete Ziegler deswegen als «selbst erklärten Menschenrechtsaktivisten, der vor allem als Unterstützer von Diktatoren wie General Gaddafi in Libyen, Robert Mugabe in Simbabwe und Fidel Castro in Kuba bekannt ist». Die Tageszeitung «Le Monde» betitelte Ziegler ebenfalls uncharmant als «Anbeter Castros und Pantoffel-Lecker Gaddafis».

Humorvoll und mutig

Auch mit SVP-Übervater Christoph Blocher hat Ziegler sich verbal duelliert. Dass beide sich am Ende mögen, ist kein Widerspruch.


Roger Köppel: «Ziegler ist eine bemerkenswerte Figur»

4:11 min, aus SRF 4 News aktuell vom 17.04.2014

Privat gilt Jean Ziegler als sanft und umgänglich. Ein Mann mit grossem Herz und Engagement. Einen Mann, den man einfach gern haben muss.

So attestiert Weltwoche-Chefredaktor Roger Köppel seinem ideologischen Widersacher sogar Qualitäten, die ihn durchaus beeindrucken: «Ich habe ihn als sehr humorvollen, leidenschaftlichen, unerschrocken und mutigen Mann kennengelernt. Er wagt es in dieser konsenssüchtigen Schweiz auch mal, diesen Konsens produktiv aufzumischen.»

Kritik an der eigenen Partei

Zweimal sass Jean Ziegler für die Genfer SP im Nationalrat: von 1967 bis 1983 und 1987 bis 1999. Doch selbst bei Parteikollegen stiess er auf Kritik.

Der ehemalige SP-Parteipräsident Helmut Hubacher erinnert sich: «Er ist eine aussergewöhnliche Persönlichkeit – ein Rebell, auch in der Partei. Er eckte immer an, hat uns aber auch immer gezwungen, über die Bücher zu gehen.»

Zieglers inneres Feuer wurde bei einem Afrika-Aufenthalt entfacht. Als junger Mann hatte er das Elend und die Ausbeutung im Kongo hautnah miterlebt. Diese Erfahrung änderte seine Grundauffassung.

«  Jean Ziegler hat andere Prioritäten als wir gewöhnlichen Sozialdemokraten »

Helmut Hubacher
ehemaliger Präsident der SP Schweiz

Jean Ziegler auf Rednerpult

Bildlegende: Keine Ermüdungserscheinungen: Jean Ziegler bei den Jungsozialisten 2012 in Lausanne. Keystone

Als UNO-Botschafter für Ernährung hat Ziegler international grosse Anerkennung gefunden und war mehr respektiert als im eigenen Land. Hierzulande gilt er noch immer für viele als Fantast, als Gutmensch, sogar als Nestbeschmutzer. Ein bekanntes Phänomen, bestätigt Hubacher, doch eigentlich passe Zieglers rebellischer Geist gut zur eidgenössischen Politik.

Nie resigniert

Mit 70 Jahren, so erinnert sich Ziegler an seinem 75. Geburtstag, habe er mit dem Alter gehadert. «Das kam wie ein Erdbeben, alles geht so schnell vorbei.» Doch er sei immer noch da, gesund und könne kämpfen, ergänzt er. Resigniert hat Jean Ziegler auch mit 80 Jahren kein bisschen.