Bedrohtes Transportmittel Jede zweite Kleinseilbahn vor dem Aus

234 kleine Seilbahnen verbinden in der Schweiz Berge und Täler. Doch ihre Existenz ist bedroht. Dies oft wegen übertriebener Prüfanforderungen und fehlender Finanzen, so Seilbahnexperte Reto Canale. Canale will diese Bahnen retten.

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Der Seilbahn-Retter

5:15 min, aus 10vor10 vom 21.4.2017

«Jede Seilbahn ist zu retten», sagt Reto Canale. Der 61-Jährige forschte als Seilbahningenieur an der ETH Zürich, war Direktor der Sicherheitsaufsicht und arbeitet nun freiberuflich als Berater, und für die kleinen Seilbahnen ehrenamtlich.

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«Kleine Seilbahnen sind gleich gut wie grosse»

0:44 min, vom 21.4.2017

«Es ist ein ökologisches, sehr effizientes Mittel, mit dem wir Gebiete erschliessen können, die sonst so nicht mehr erschlossen werden können», so Seilbahnexperte Reto Canale. Die kleinen Seilbahnen seien ein Kulturgut, und für ihn eine Herzensangelegenheit. «Ich gehe davon aus, dass rund die Hälfte der Kleinseilbahnen mittelfristig und langfristig in ihrer Existenz gefährdet sind», so Canale gegenüber «10vor10».

«  Ich gehe davon aus, dass rund die Hälfte der Kleinseilbahnen mittelfristig und langfristig in ihrer Existenz gefährdet ist. »

Reto Canale
Seilbahningenieur

Gründe dafür seien übertriebene Prüfungsanforderungen, die zu stark auf grosse Seilbahnen zugeschnitten sind. Die Sicherheit wäre trotzdem gewährleistet, so Reto Canale. «Die kleinen sind genauso sicher wie die grossen», betont er. Aber dadurch, dass sie wesentlich einfacher konstruiert sind, bräuchte es auch wesentlich weniger Technik und Personal, sie seien einfacher zu betreiben.

Bergfahrten zu günstig?

Ein anderer Grund ist die Wirtschaftlichkeit. Eine Bergfahrt kostet meist um die 10 Franken. «Die Fahrpreise sollten von mir aus gesehen mindestens doppelt so hoch sein», meint Reto Canale. Die Transportleistung sei verglichen mit den grossen Bahnen dann trotzdem noch extrem günstig.

Einige Seilbahnbesitzer haben inzwischen reagiert und schliessen sich zusammen. So auch Ueli Schmitter. Er betreibt in Nidwalden den Bergbauernhof Brändlen, seine Seilbahn ist die einzige Zufahrt zum Hof. Zusammen mit anderen Kleinseilbahn-Besitzern in Nidwalden kämpft er nun für bessere Bedingungen. «Die Kosten sind dermassen gross, dass man das gar nicht erhalten kann, wenn man die Vorschriften immer erfüllen will», so Ueli Schmitter.

Sein Kampf geht in die gleiche Richtung wie der von Reto Canale: Für weniger Bürokratie, aber nicht für weniger Sicherheit bei den Kleinseilbahnen.