Jeder dritte 8. und 9.-Klässler nimmt bezahlte Nachhilfe-Stunden

Der Trend, dass Eltern ihre Kinder möglichst ans Gymnasium bringen ist ungebrochen. Doch dafür müssen die Teenager büffeln. Damit steigt der Bedarf an Nachhilfe-Stunden. Bereits jeder dritte 8.- und 9.-Klässler zahlt dafür.

Ein Schüler steht an einer Tafel und schreibt Zahlen in eine Tabelle.

Bildlegende: Schüler im Prüfungsstress: Ihre Eltern wissen, in jungen Jahren werden die Weichen gestellt – und investieren kräftig. Keystone

In der Schweiz brauchen immer mehr Schüler Nachhilfeunterricht. Die Nachhilfequote in der 8. und 9. Klasse ist innerhalb von drei Jahren von knapp 30 auf 34 Prozent angestiegen. Das sagte der Bildungsforscher Stefan Wolter in einem Interview mit der «SonntagsZeitung» zu einer neuen Studie über das Ausmass des Nachhilfeunterrichts.
Auch gute Schüler kämen heute nicht mehr unbedingt ins Gymnasium. In Kantonen mit einer tiefen Maturitätsquote gebe es einen grossen Wettbewerb, meist auch noch eine Aufnahmeprüfung. «Von den vier Besten in einer Klasse schaffen es vielleicht nur die drei Ersten», sagte Wolter.
Für den Bildungsforscher hat nicht unbedingt die Schule versagt. Bei Schülern, die lange in die Nachhilfe gingen, sei es wohl eher ein Elternproblem. «Es gibt Eltern, die mit dem Leistungsniveau ihres Kindes, das es auf natürliche Weise erbringen würde, nicht zufrieden sind. Sie wollen es auf ein anderes Leistungsniveau hinaufpushen, wo es eigentlich gar nicht hingehört», sagte Wolter weiter.

Nachhilfe über lange Zeit kontraproduktiv

Nachhilfe nütze kurzfristig sicher, wenn es sich um sporadische Nachhilfe handle, wenn etwa ein bestimmter Stoff nicht verstanden worden sei. «Bei regelmässigem Hochfrequenzunterricht, also wenn man viele Nachhilfelektionen über eine lange Zeit nimmt, ist die Wirkung eher negativ», sagte er.

Es könne dazu führen, dass die Schüler ihre eigenen Lernanstrengungen reduzierten und sich zudem die Lösungen in Aufgaben nicht mehr selber überlegten. Sie würden keine eigenen Lernstrategien mehr entwickeln. «Die Folge ist eine Verschlechterung, weil die Schüler wenig lernen und neue Probleme nicht selber lösen können.»

Die Eltern sehen dies anders

Eltern sind also schuld, weil sie ihre Kinder vor der Gymnasialprüfung hinaufpushen? Gert Rappenecker, Vater eines Gymnasialschülers, erklärt im Forum von wireltern.ch: Im Kanton Zürich etwa entscheide für das Langzeitgymnasium ein Prüfungs-Vormittag über den späteren Lebensweg des Kindes.

Geprüft würde aber nicht der obligatorische Schulstoff, sondern zusätzlicher Lernstoff mit deutlich höherem Schwierigkeitsgrad. Es bleibe den Eltern also oft nichts anderes übrig, als mit den Kindern Abend für Abend zu lernen oder teure Privatstunden in Anspruch zu nehmen.