Jeder Dritte geht auch krank zur Arbeit

Der Ruf, fleissig und arbeitsam zu sein, eilt den Schweizern zu Recht voraus. Darauf lässt eine repräsentative Umfrage des Gewerkschafts-Verbandes Travailsuisse schliessen. Diese belegt nämlich, dass 30 Prozent der Beschäftigten selbst dann zur Arbeit gehen, wenn sie krank sind.

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Schädigt «Präsentismus» die Schweizer Wirtschaft?

1:30 min, aus Tagesschau am Mittag vom 11.9.2015

Weit verbreiteten «Präsentismus» beklagt Travailsuisse in einer Studie zu den Arbeitsbedingungen in der Schweiz. Gemeint ist damit, dass viele Beschäftigte auch dann zur Arbeit gehen, wenn sie krank sind. Der Gewerkschafts-Dachverband belegt dies mit einer repräsentativen Umfrage bei 1'500 Arbeitnehmern.

In dieser hätten 30 Prozent der Befragten angegeben, auch im Krankheitsfall nicht zuhause zu bleiben, sagt der designierte Travailsuisse-Präsident Adrian Wüthrich.Die Gründe für diesen Standortvorteil der Schweiz seien unterschiedlicher Natur: «Wir führen das erstens auf die grosse Arbeitsmoral der Arbeitnehmenden zurück, die von den Arbeitgebern auch gewürdigt werden muss. Auf der anderen Seite ist es aber auch Ausdruck einer gewissen Angst, allenfalls die Stelle verlieren zu können.»

Volkswirtschaftlicher Schaden?

Lediglich 19 Prozent der Befragten gaben an, im Krankheitsfall immer zuhause zu bleiben. Im Gegensatz zu diesen würden Beschäftigte, die krank zur Arbeit erscheinen auch die Gesundheit ihrer Kollegen gefährden, schreibt Travailsuisse in einer Mitteilung.

 Adrian Wüthrich.

Bildlegende: Fordert ein gesellschaftliches Umdenken: Designierter Travailsuisse-Präsident Adrian Wüthrich. srf

Zudem verursache der «Präsentismus» gar volkswirtschaftlichen Schaden. Laut einer US-Studie seien die Kosten, welche krank zur Arbeit erscheinende Arbeitnehmer verursachen höher, als die Kosten durch krankheitsbedingte Fehlzeiten.

«Hier sind die Arbeitgeber in der Pflicht», sagt Wüthrich. «Wir müssen ein Bewusstsein entwickeln, dass Arbeitnehmer die Sicherheit haben, sich ohne Angst vor einer Kündigung zu pflegen.» So wären sie auch schneller wieder gesund und entsprechend leistungsfähiger am Arbeitsplatz, so der Gewerkschafter.