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Schweiz Jeder Zweite unter 29 Jahren lebt noch bei Mami und Papi

Junge Nesthocker: Sie sind jung, sie reisen um die Welt oder machen mehrere Ausbildungen – und sie leben immer noch zu Hause.

Legende: Video Generation Nesthocker abspielen. Laufzeit 02:59 Minuten.
Aus 10vor10 vom 23.11.2015.

Immer mehr 20- bis 29-Jährige wohnen in der Schweiz noch bei ihren Eltern. Das zeigen Zahlen, die das Bundesamt für Statistik (BFS) «10vor10» zur Verfügung gestellt hat. In den vergangenen Jahren stieg der Anteil jährlich um zweieinhalb Prozent und lag 2013 bei 47 Prozent.

Das heisst: Fast jeder zweite lebt in seinen Zwanzigern noch bei Mama und Papa. Mehrere Studien bestätigen den steilen Trend nach oben. Das habe verschiedene Gründe, sagt der Familientherapeut Jürgen Feigel.

Alle Schichten betroffen

Einerseits habe sich mit den Jahren der Erziehungsstil verändert, so der Familientherapeut. Da dieser Stil immer weniger autoritär sei, würde es den Jungen immer einfacher fallen, noch ein paar Jahre mehr zu Hause zu bleiben. Die Betroffenen, aber auch die Gesellschaft, nehmen das «Nesthocken» deswegen auch immer lockerer wahr.

Andrerseits machten junge Erwachsene immer mehr und immer längere Ausbildungen. Unter dem Spardruck, der überall in der Schweiz herrsche, vermutet Feigel, blieben die jungen Erwachsenen lieber noch ein paar Jahre länger bei den Eltern, damit sie finanziell abgesichert sind.

Das Phänomen erstrecke sich entgegen allen Klischees, die über Südländer vorherrschen, über die ganze Schweizer Gesellschaft, sagt Feigel. Es gebe auch keine Schichten, in denen die Jungen häufiger zu Hause wohnen blieben.

Je nach Gegend anders

Interessant: Die Zahlen des BFS zeigen, dass regionale Unterschiede bestehen. Demnach wohnten 2013 im Kanton Basel-Stadt anteilsmässig die wenigsten 20- bis 29-Jährigen bei ihren Eltern, nämlich nur 33,6 Prozent. Währenddessen war der Anteil im Kanton Uri am grössten. Dort waren es 60,8 Prozent.

So gut es die Eltern auch mit ihren Kindern meinen, das Hotel Mama birgt auch Risiken. So sei es der Entwicklung eines Menschen nicht dienlich, wenn die Eltern diesen weiterhin als Kind behandeln. Der Auszug gehöre zu einem wichtigen Schritt in der Entwicklung eines jungen Erwachsenen, so Feigel. Findet dieser nicht statt, dann könne das zu Aggressionen, Frustration und Konflikten führen. Es sei wichtig, dass Eltern ihre Kinder langsam auf einen Auszug vorbereiten, indem sie mit ihnen das Gespräch suchen, sagt der Familientherapeut.

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Jean-Pierre Wüthrich (DAB+-Autoradio-Fachmann/Experte)
    Das ist doch ganz logisch, dass die 20- bis 29-jährigen noch daheim wohnen. Man kann doch viel Geld sparen, ein rassiger Sportwagen fahren, man kann sich vieles leisten, wenn man eine eigene Wohnung hat, kann man das nicht. Das heisst doch Hotel Mama. Bei mir war es auch so. Ist doch gut und der Sohn oder die Tochter gibt etwas an die Wohnungsmiete der Eltern ab, etc.
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  • Kommentar von Beppie Hermann (Eine rechte Grüne)
    "Jeder Zweite unter 29 Jahren lebt noch bei Mami und Papi" und die anderen lassen sich am Wochenende zu Hause auffuttern und bringen auch noch gleich die Wäsche mit. Früher gingen Junge auf Lern- und Wanderjahre, kamen wieder zurück. Das war dann die Zeit in der Eltern auszogen, ins Stöckli nebenan. Wir haben dies in unsrer Familie ähnlich gelöst. Unten klein und ebenerdig die Alterswohnung, nebenan und obendurch die Jungen.
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  • Kommentar von Irene Häfeli-Meyer (Irene Häfeli)
    Weil wir im Moment die Möglichkeit haben uns mehrere Wohnungen zu leisten ist es nicht zwingend sinnvoll, eventuell auftretenden Konflikten aus dem Weg zu gehen? Würden wir nicht „liebevoll“ und auf vielfältige Weise unseren Egoismus pflegen, wäre unser Sozialwesen durch Resozialisierung der Familien um einiges entlastet und tragfähiger. Mehrgenerationshaushalte sind keine Schande, sie können Chance sein und Halt bieten. Auch in der Schweiz kann Bequemlichkeit ein Ende haben.
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