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Schweiz Jenische und Sinti als nationale Minderheit anerkannt

Der Bundesrat kommt der Forderung von Jenischen und Sinti nach und anerkennt sie offiziell als Minderheit in der Schweiz. Das hat Innenminister Alain Berset heute an der so genannten Fecker-Chilbi, dem Fest der Jenischen, erklärt. Die Genugtuung ist gross.

Drei Männer vor einem Karussell.
Legende: Daniel Huber, Berns Stadtpräsident Alexander Tschäppät und Alain Berset an der «Fecker Chilbi». Keystone

In seiner Rede zur Eröffnung der «Fecker-Chilbi» sagte Bundesrat Alain Berset jene Worte, auf welche die Jenischen seit Jahrzehnten gewartet haben: «Sie – Jenische und Sinti – sind als nationale Minderheit anerkannt.»

Zwar hatte der Bund die Jenischen indirekt bereits vor knapp 20 Jahren anerkannt, damals aber unter dem Sammelbegriff «Fahrende». Inzwischen leben aber nur noch etwa zehn Prozent der Jenischen und Sinti als Fahrende. Sie forderten deshalb, auch unter ihrem Namen anerkannt zu werden.

«Keine Wortklauberei»

«Ich anerkenne diese Forderung nach Selbstbezeichnung», sagte Kulturminister Berset dazu. Er werde sich dafür einsetzen, dass der Bund künftig von Sinti und Jenischen schreibe und spreche. «Fahrende» solle nicht mehr verwendet werden. «Das ist keine Wortklauberei – mit Sprache schafft man Realität», so Berset weiter.

Die Jenischen freuen sich über die Anerkennung als Minderheit durch den Bundesrat. «Es ist eine grosse Freude», sagt Daniel Huber, Präsident der Radgenossenschaft der Landstrasse, des Dachverbands der Schweizer Jenischen. Man habe 40 Jahre lang einen «grossen Chrampf» dafür geführt, endlich sei man nun am Ziel. Denn: «Ein Volk ohne Name ist kein Volk.»

Symbolische Geste

Die Anerkennung ist vor allem eine symbolische Geste des Staates gegenüber den Jenischen und Sinti. Im Rahmen des Projektes «Kinder der Landstrasse» waren bis in die 1970er-Jahre Hunderte von jenischen Kindern ihren Familien weggenommen und in Heime gesteckt worden. Man wollte ihnen das so genannte «Vaganten-Leben» austreiben. 1986 entschuldigte sich der damalige Bundespräsident Alphons Egli dafür.

Nun fühlen sich die Jenischen endlich anerkannt. Künftig wollen sie sich vermehrt politisch einbringen. Und sie wünschen, dass ihre Geschichte auch im Schulstoff berücksichtigt wird.

8 Kommentare

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  • Kommentar von Rolf Bolliger (robo)
    Gegen die "Anerkennung" und das Verbot, weiterhin von "Fahrenden" zu sprechen, ist sicher nichts einzuwenden. Leider geben aber ausländische "Leute der Landstrasse" ein ganz anderes, fürchterliches Bild ab: Da könnten betroffene Landbesitzer und Gemeinden dicke Bücher voll von unglaublichen Geschichten schreiben! Diese rücksichtslosen und oft noch sehr arroganten Fahrenden, machen Bundesrat Berset's wohlwollende Rede bei vielen Schweizern, trotzdem weiterhin nicht gerade vertrauenswürdig!
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  • Kommentar von Barbara Lampérth (Luk 12/3)
    Wo werden die Probleme thematisiert? Vor einigen Wochen war ich auf einer neuen Autobahnraststätte. Dort hatten sich Roma mit französischen Nummernschildern an ihren Mercedes aufgestellt. Alle WC waren bis zum Rand mit Sch...gefüllt, auch daneben hatte es Haufen und alles war verschmiert. Ich habe dies sofort der Polizei gemeldet die mir lapidar mitteilte: "Die dürfen das!" Ich bin von Haus aus keineswegs gegen Roma oder Ausländer, finde aber, dass Respekt gegenseitig sein muss!
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  • Kommentar von A. Moser (AM)
    Mein Gott, haben wir echt keine wirklichen Probleme mehr, die zu bewältigen wären? Oder darf ich nun auch verlangen, dass mich der Bundesrat in Zukunft als Berner Oberländer akzeptiert und bezeichnet (immerhin gab es mal einen Kanton Berner Oberland :-)), und nicht als Schweizer oder bestenfalls Berner?
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