Nach der «Arena» Jonas Projer, sind wir Rassisten?

In der «Arena» gingen die Wogen zur Frage «Sind wir Rassisten?» hoch. Moderator Jonas Projer zieht Bilanz.

Jonas Projer und seine Gäste.

Bildlegende: Jonas Projer (Mitte) und seine Gäste (v.l.): Andreas Glarner, Jasmin El Sonbati, Georg Kreis und Melinda Nadj Abonji. SRF

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Ist die Schweiz rassist-ic?

69 min, aus Arena vom 30.6.2017

Sie haben diese Woche für Schlagzeilen gesorgt: Call-Center-Mitarbeiter, die ihre ausländisch klingenden Namen verheimlichen und Ausländer, die bei der Wohnungssuche benachteiligt werden. Die «Arena» hat deshalb gefragt: «Ist die Schweiz rassist-ic?»

SRF News: Jonas Projer, als Moderator können Sie sich in beide Seiten einfühlen. Wieso ist die Schweiz rassistisch?

Jonas Projer: Man spricht nicht gerne darüber, aber ja, natürlich, es gibt auch bei uns rassistische Tendenzen. Leute mit gewisser Nationalität oder Hautfarbe haben in der Schweiz bei der Job- und Wohnungssuche Nachteile, das zeigt der Rassismusbericht des Bundes.

Wer sich selber an der Nase nimmt, muss zugeben, dass er auch schon komisch geschaut hat, als beim Einkaufen eine Frau mit Kopftuch vor ihm an der Kasse stand. In einer solchen Situation kann man sich ungefähr vorstellen, wie das für die Betroffenen ist.

Die Gegenseite, insbesondere Andreas Glarner, hat in der Sendung ganz anders argumentiert. Weshalb sind wir denn keine Rassisten?

Weil wir mit dem Begriff Rassismus nicht übertreiben dürfen. Weil dieser kein Totschlagargument werden darf. Immerhin garantiert unsere Verfassung ja, dass alle dieselben Rechte haben.

Und: Nur weil eine Person schlechte Erfahrungen mit einzelnen Leuten gemacht hat, ist sie noch lange kein Rassist. Nicht zuletzt können Leute, die sich wirklich ungerecht behandelt fühlen, sich wehren. Dafür gibt es die Antirassismus-Strafnorm.

In der Schweiz gibt es keine Ghettos, wir haben ein integratives Bildungssystem, jeder und jede hat eine Chance. Wo bitte ist da der Rassismus?

Viele Argumente waren schon vor der Sendung bekannt. Die Positionen sind verhärtet, die Gesprächsteilnehmer haben häufig aneinander vorbeigeredet. Hatten Sie denselben Eindruck?

Das stimmt. Die Gesprächspartner fanden sich heute Abend leider nicht sehr oft. Über weite Strecken der Sendung wollten sie über verschiedene Themen sprechen: die einen über Rassismus, die anderen über mangelnde Integration.

Das ist leider bei politischen Debatten häufig so. Oft ist es die grösste Herausforderung, Gesprächsteilnehmer nur schon auf ein gemeinsames Thema zu verpflichten. Das war heute besonders schwierig.

Emotional und stark wurde es als die Muslima Fathima Ifthikar mit dem SVP-Nationalrat Andreas Glarner diskutierte. Was war Ihr Lieblingsmoment der Sendung?

Eine Muslima mit breitem Berndeutsch und Kopftuch diskutierte mit SVP-Nationalrat Glarner – in diesen Momenten sprühte die Diskussion.

Aber auch sonst gab es für mich helle Momente. Zum Beispiel, als wir versuchten, Schweizer Sitten und Gepflogenheiten zu definieren und merkten, dass dies gar nicht so einfach ist. Auch hier fand ich das Scheitern produktiv und inhaltlich spannend.

Ihre letzte Frage an die Gäste lautete: «Was ist Ihr liebster Liebesfilm?» Wie sieht es bei Ihnen aus?

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«Was ist Ihr liebster Liebesfilm?»

1:09 min, vom 30.6.2017

Als ich sechzehn war: Titanic. Bei diesem Film kommen mir heute noch die Tränen.

Meine jetzigen Lieblingsliebesfilme wären wohl eher «Before Sunrise», «Before Sunset» und «Before Midnight» – eine wunderschöne Trilogie über das Verlieren und Wiederfinden, in verschiedenen Lebensphasen.

Das Gespräch führte Manuela Kosch.

In der «Arena» diskutieren:

Melinda Nadj Abonji,
Schriftstellerin («Tauben fliegen auf»)

Andreas Glarner,
Nationalrat SVP/AG

Georg Kreis,
Historiker

Jasmin El Sonbati,
Mitbegründerin Forum für einen fortschrittlichen Islam

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Jonas Projer

Jonas Projer

SRF

Moderator und Redaktionsleiter der Politsendung «Arena». Folgen sie Jonas Projer auf Twitter: @jonasprojer.