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Jugend und Politik Der Staatskunde-Unterricht darbt

Legende: Audio Bereit für die Politik? abspielen.
2:12 min, aus HeuteMorgen vom 16.10.2017.
  • In der Deutschschweiz gibt es für Mittelschulen kaum Vorgaben zum Staatskunde-Unterricht.
  • Entsprechend unterschiedlich wird das Fach in den Kantonen gehandhabt.
  • Aus einigen Kantonen wird nun mit Nachdruck gefordert, die politische Bildung in den Gymnasien zu stärken.

Die beiden Walliser Gymnasiasten Santiago und Xenia freuen sich darauf, bald an der Urne abstimmen zu dürfen. «Man sollte auf jeden Fall abstimmen gehen – damit es so viele Stimmen gibt, wie möglich», sagt Santiago.

Xenia ergänzt: «Ich werde sicher wählen gehen.» Denn schliesslich solle auch ihre Meinung bei der Entscheidung an der Urne einen Einfluss haben.

Jeder Lehrer macht’s anders

Allerdings haben beide Gymnasiasten das Gefühl, zu wenig über Politik zu wissen. «Man sollte sich in der Schule viel stärker mit Politik beschäftigen», wünscht sich Santiago. Beide haben seit dem Sommer zwei Lektionen Staatskunde-Unterricht pro Woche. Doch selbst dies ist nicht selbstverständlich.

Im Wallis findet der Staatskunde-Unterricht im Gymnasium innerhalb des Fachs Geschichte statt. Die Lehrer sind dabei sehr frei in Themensetzung und Ausgestaltung des Fachs, wie es bei der Walliser Bildungsdirektion heisst. Das ist nicht nur im Wallis so, sondern in der gesamten Deutschschweiz.

Unklare Definition in den Lehrplänen

Dies habe zur Folge, dass die politische Bildung der Jugendlichen oft zu kurz komme, sagt Isabelle Stadelmann, Professorin für Politikwissenschaft an der Universität Bern. Der Ball liegt aber nicht nur bei den Lehrpersonen. Der Begriff «politische Bildung» sei in den Lehrplänen sehr unterschiedlich und oft unklar definiert, so Stadelmann.

«Die Übertragung von den Lehrplänen ins Klassenzimmer stellt eine grosse Blackbox dar», ergänzt sie. Was genau gelehrt werde und welche Schülerinnen und Schüler angesprochen würden, sei nicht definiert und damit sehr unklar.

Druck aus Basel und dem Tessin

Hinzu kommt, dass Vorstösse auf nationaler Ebene zu mehr politischer Bildung der Jugendlichen bis jetzt immer wieder versandet sind. Doch aus den Kantonen kommt Druck: In Basel-Stadt fordern die Jungfreisinnigen per Initiative, das Fach Politik einzuführen.

Und im Tessin beschlossen die Stimmbürger vor drei Wochen, dass Staatskunde in Zukunft als eigenes Fach unterrichtet und so die politische Bildung der Jugendlichen gestärkt werden soll. Die Situation könnte sich für die politikinteressierten Gymnasiasten also schon bald verbessern.

16 Kommentare

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  • Kommentar von Pia Müller (PiMu)
    Ich staune nur noch!! Nachdem kaum ein Schüler noch das Schriftdeutsch lernen muss, wird auch die Staatskunde bezweifelt. Wie sollen diese jungen Leute überhaupt dann noch Abstimmen können. Sie verstehen unser System ja nicht mehr. Es werden wohl laufend Test für "irgend-etwas" an den Schulen gemacht. Doch das Wichtige und Richtige wird dauern gestrichen. Dafür dürfen sie Handys und PC benutzen !!
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  • Kommentar von antigone kunz (antigonekunz)
    was mir auffällt, liest frau biografien von politisch menschen, von personen, die sich für die gesellschaft, wo sie leben einsetzten, da war oft der familientisch, die familie ein zentraler ort, um die politisch neugier zu wecken, da wurde miteinander diskutiert und auch gestritten. heute reduziert sich das streiten oft um die frage, ob man schon darf, das smart phoney zücken. schon etwas traurig. oder eltern / grosseltern nahmen die jugendlichen mit zu versammlungen, zu politischen aktionen.
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  • Kommentar von antigone kunz (antigonekunz)
    warum für die in der schweizgeborenen, wissen die automatisch mehr als menschen, die hierher kommen wollen oder müssen? staatskunde, politik darf als basisfach für alle stufen ruhig zur pflicht werden. aber eben als angewandtes fach, stufengerecht. raus aus dem schulzimmer (bewegung ) und ab in die ratssääle, nach bundesbern, in die gemeindesitzung, interwievs mit den politikerInnen, in gruppen. ein thema über einen längeren zeitraum, was für ein zugewinn zu all däm bizzelä.
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