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Kampf gegen Aids Die Zuversicht der Experten

HIV ist kein Todesurteil mehr. Dank Medikamenten lebt es sich fast normal. Bald soll HIV ganz eliminiert sein.

Legende: Audio Endphase im Kampf gegen HIV hat begonnen abspielen. Laufzeit 04:24 Minuten.
04:24 min, aus Echo der Zeit vom 11.04.2018.

Darum geht es: Früher galt eine HIV-Diagnose als Todesurteil, doch heute kann das Virus dank einer HIV-Therapie in Schach gehalten werden. Das Ziel der UNO bleibt aber, den Erreger bis 2030 weltweit zu eliminieren. Was die Schweiz betrifft, sind Experten zuversichtlich, dieses Ziel zu erreichen.

Mit HIV leben: «Aids ist in der Schweiz nicht mehr das Problem», sagt Jan Fehr, Spezialist für Infektiologie an der Uni Zürich. Mit anderen Worten: Es stirbt kaum jemand mehr an den Folgen der durch HI-Viren ausgelösten Immunschwächekrankheit Aids. Präventivmediziner und Experten fokussieren jetzt auf die geschätzten rund 15'000 Menschen, welche in der Schweiz mit dem HI-Virus leben. Die meisten können dank Medikamenten heute ein praktisch normales Leben führen. Bei ihnen ist das HI-Virus praktisch isoliert, nicht mehr nachweisbar.

Schematische Darstellung des HI-Virus.
Legende: Dank Medikamenten nicht mehr nachweisbar, aber ohne Medikamente wieder da: Das HI-Virus. Imago

Ansteckung ausgeschlossen: Nach einem halben Jahr Einnahme der entsprechenden Medikamente ist keine Ansteckung mehr möglich. Bereits vor zehn Jahren anerkannte die offizielle Schweiz entsprechende Studien, welche bewiesen hatten, dass das HI-Virus bei richtiger Therapie nicht mehr ansteckend ist. Damals noch von verschiedenen Seiten angezweifelt, wurde dieses sogenannte «Swiss Statement» auch international anerkannt.

Chronisch krank – nicht gesund: Infektiologe Fehr warnt trotzdem vor zu viel Euphorie: Wenn bei jemandem das Virus dank Therapie nicht mehr nachweisbar und die Person somit nicht mehr ansteckend sei, bedeute das nicht, dass HIV-positive Menschen geheilt seien. Vielmehr sei es so, dass diese Menschen chronisch krank seien, so Fehr. «Man darf die Therapie nicht absetzen», betont er. Ansonsten könne der oder die Betroffene wieder andere Menschen mit HIV anstecken.

Milliardenkosten für die Kassen: Eine HIV-Therapie, die derzeit ein Leben lang dauert, kostet die Krankenkassen in der Schweiz rund eine Million Franken pro Patient. Deshalb arbeiten die Experten am ambitionierten Ziel der völligen Auslöschung des HI-Virus. Bis 2030 soll es soweit sein. Der Weg dahin führe über die 90/90/90 Regel der UNO Aids-Organisation UNAIDS: 90 Prozent aller HIV-Träger wissen von ihrer Krankheit, 90 Prozent sind unter Therapie und damit nicht mehr ansteckend. «Das ist die Grundlage, um eine Elimination von HIV zu erreichen.»

Schweiz als Vorreiterin: In der Schweiz hat man bereits jetzt zwei der Ziele erreicht und sogar deutlich übertroffen. So seien hierzulande nahezu alle HIV-Positiven in Therapie nicht mehr ansteckend, sagt der Infektiologe. Laut der Aidshilfe sind dies rund 10'000 Personen. Die Schweiz sei daran, auch in der letzten Phase im Kampf gegen HIV wieder eine Vorreiterrolle zu übernehmen, wie bereits in den Anfängen der Aidsprävention. Trotzdem bleibt auch hierzulande noch genug zu tun: Jedes Jahr werden rund 500 Neu-Ansteckungen mit HIV festgestellt. Und geschätzte 3000 Personen leben hier, ohne von ihrer Infektion zu wissen.

Infografik: HIV in der Schweiz
Infografik: HIV weltweit

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