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Kampf gegen Kinderarmut Caritas fordert nationale Strategie

In jeder Schweizer Schulklasse gibt es durchschnittlich ein Kind, das in Armut lebt. Zwei weitere leben nur knapp über der Armutsgrenze. Ein unhaltbarer Zustand, findet Caritas Schweiz und fordert, dass der Bund endlich aktiv wird.

Legende: Video Caritas fordert Ergänzungsleistungen für Familien abspielen. Laufzeit 3:41 Minuten.
Aus Tagesschau vom 16.11.2017.

Das Wichtigste in Kürze

  • Caritas Schweiz fordert eine nationale Strategie zur Armutsbekämpfung.
  • Regelungen zu Familienergänzungsleistungen und besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie sollen schweizweit gelten.
  • Kinder sollten Zugang zu qualitativ guter früher Förderung haben.
  • Für armutsbetroffene Familien müssten diese Angebote kostenlos sein.

Kinderarmut sei in der Schweiz eine Tatsache: 76'000 Kinder sind landesweit von Armut betroffen, und weitere 188'000 Kinder leben in prekären Verhältnissen knapp oberhalb der Armutsgrenze, wie die Caritas bekanntgab.

Besonders stark betroffen seien Kinder, die in einem alleinerziehenden Haushalt aufwachsen sowie jene, deren Eltern ein tiefes Bildungsniveau aufwiesen: Eine von Armut betroffene Familie müsse heute mit weniger als 20 Franken pro Tag und pro Person über die Runden kommen.

Schweiz liegt international zurück

Der Staat investiere zu wenig in Kinder und Familie. Mit 1,5 Prozent des Bruttoinlandproduktes liege sie deutlich unter dem europäischen Durchschnitt von 2,3 Prozent.

Auffallend sei insbesondere die geringe Subventionierung von Plätzen in Kindertagesstätten. Das habe zur Folge, dass Eltern in der Schweiz verglichen mit den Nachbarländern einen doppelt bis dreifach so hohen Anteil an den Gesamtkosten tragen müssten.

Landesweite Familienergänzungsleistungen

Kantone und Gemeinden müssten gemeinsam mit dem Bund ein Angebot in der familienexternen und schulergänzenden Betreuung realisieren, das die Nachfrage decke. Zusätzlich müsse die Wirtschaft in allen Berufsfeldern und auf allen Karrierestufen familienfreundliche Arbeitsbedingungen verwirklichen.

Alle Kinder sollten zudem Zugang zu qualitativ guter früher Förderung haben, sei dies in institutionellen Angeboten wie Kindertagesstätten oder in aufsuchenden Projekten. Für armutsbetroffene Familien müssten diese Angebote kostenlos sein. Gelinge es den Kantonen nicht, frühe Förderung schweizweit zu realisieren, müsse der Bund die Verantwortung für diesen aus Armutsperspektive zentralen Bereich übernehmen.

Für SVP-Nationalrätin Verena Herzog keine Option. «Aus meiner Sicht sollte das Kantonssache bleiben, da man dort näher an der Familie ist. Zudem stehen wir bei der Finanzierung der Sozialwerke mit der AHV und den Ergänzungsleistungen ohnehin vor grossen Herausforderungen.» Einen Ausbau auf Bundesebene sei deshalb nicht zu leisten, so Herzog.

Bund soll Engagement fortsetzen

Caritas fordert, dass der Bund sein Engagement fortsetzt. Denn alle Zahlen und Untersuchungen zur Armut in der Schweiz wiesen darauf hin, dass Armut die grösste soziale Herausforderung der kommenden Jahrzehnte bleiben werde.

Der Bund müsse gemeinsam mit den Kantonen, Gemeinden, zivilgesellschaftlichen Organisationen und Armutsbetroffenen eine Schweizerische Strategie zur Armutsbekämpfung und Armutsprävention entwickeln.

«Natürlich braucht es hier eine schweizerische Lösung – spätestens nach den nächsten Wahlen», sagt SP-Nationalrat Paul Rechsteiner. Die Probleme seien ja schon seit längerem bekannt. Inzwischen gebe es auch schon vier Kantone, die Ergänzungsleistungen für Familien eingeführt hätten. Und letztlich sollte gelten: «Kinder können nichts dafür, in welche Verhältnisse sie hineingeboren werden» – sprich, alle sollten die gleichen Chancen haben.

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20 Kommentare

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  • Kommentar von Franz NANNI (igwena ndlovu)
    ICH war arm... sehr arm... habe ich wenigstens geglaubt.. heute weis ich, ich war und bin REICH.. ich habe zu Essen ein Dach ueber dem Kopf und eine Krankenkasse... ein Mensch um mich der mir Liebe und Waerme gibt...bin relativ gesund... Alles mehr geht unter LUXUS!
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  • Kommentar von Deborah Crabtree (D. Crabtree)
    Warum soll der Staat wieder für Fehlentscheidungen von mündigen und handlungsfähigen Personen aufkommen müssen? Anstatt ihnen noch mehr für ihr Fehlverhalten zu geben, sollten vielmehr Pflichten unterliegen um ihre Situation zu verbessern. Über 300'000 PFZler haben keinen Berufsabschluss. Von den Flüchtlinge fange ich gar nicht an. Wo bleibt da die Prävention, um die Steuerzahler zu entlasten? Wer Kinder in solche prekäre Verhältnisse gebärt gehört betreut mit klaren Zielen und nicht belohnt.
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    1. Antwort von Manuela Fitzi (Mano)
      Was die PFZ-ler anbelangt, so kommen sie meistens aus Staaten, welche sehr grosszügige Familienleistungen kennen. Allein Mutterschaftsurlaub beträgt in vielen dieser Länder zw. 2-3Jahre! Dann kennen einige Ostblockländer die "Vollzeitmütter", d.h., ab 3 o. 4 Kindern ist Muttersein als Berufstätigkeit anerkannt und wird entlöhnt. In FR ist es auch so, glaub ich. So, jetzt müssen Sie mal vorstellen, was die Erwartungshaltung dieser Leute an die "reiche" Schweiz ist.
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  • Kommentar von Roman Hablützel (Habluetzelroman)
    Wenn das neue Auto gekauft ist, die Zigaretten und alles andere unnötige bezahlt ist, haben sie nicht mehr viel Geld für Ferien. Das ist Schweizer Armut. Sie sollten Mal nach Rumänien fahren um wiedereinmal sehen was Armut ist....
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    1. Antwort von Harald Buchmann (Harald_Buchmann)
      Dem kann ich auch als Linker echt nur zustimmen.
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    2. Antwort von antigone kunz (antigonekunz)
      es sind weniger 'absolute' zahlen und werte die ausmachen, was reichtum, was armut ausmacht und dann auch als solche erlebt und gelebt werden als die unmittelbare verhältnismässigkeit.
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    3. Antwort von robert mathis (veritas)
      R.Hablützel habe im Radio eine Diskussion verfolgt,wo Damen der Meinung waren dass Ferien 1 mal im Jahr zu den Grundbedürfnissen der Sozialbezüger gehöre auch ab und zu Auswärtsessen...... Bitte wie viel Familien die hart arbeiten um sich allein über die Runden zu bringen können sich solche Ansprüche leisten.Jemand muss einmal klar und deutlich erklären was ARMUT ist nach solchen Kriterien sind in der Schweiz 50% arm.
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