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Schweiz Kampf um Tempo 30 auf Hauptstrassen: Die Gegner geben Vollgas

In Wohnquartieren sind Tempo-30-Zonen mittlerweile akzeptiert. Nun steht die Ausweitung auf Hauptstrassen bevor. Der Kampf um Tempo und Sicherheit geht in eine neue Runde.

Legende: Video Tempo 30 auf Hauptstrasse abspielen. Laufzeit 8:18 Minuten.
Aus Rundschau vom 03.12.2014.

Geht es ums Tempo, läuft die Debatte immer hochtourig – bei Tempo 30 ist das nicht anders. Vor allem, seit der Langsamverkehr nicht mehr nur in Wohnquartieren, sondern auch auf Hauptstrassen ein Thema ist.

In Rothenburg im Kanton Luzern läuft in diesen Monaten ein Pilotversuch für Tempo 30 auf der Hauptstrasse im Ortskern. Geht es nach dem Willen des Kantonsrats, dürfen bald alle Gemeinden in Luzern solche Tempo-30-Zonen einführen. So entschied er im November.

Marcel Omlin, SVP-Kantonsrat und Präsident der Innerschweizer Sektion des Automobilclubs, sagt in der «Rundschau»: «Jeder Franken, den man da investiert, ist überflüssig. Hier geht es nicht um mehr Sicherheit, das ist einzig und allein ein Votum gegen das Auto. Einmal mehr.»

Zürich, die blockierte Stadt

Die Autolobby wehrt sich nicht nur in Rothenburg gegen ein neues Verkehrsregime auf Hauptstrassen. In Zürich beispielsweise will die Stadt mit Tempo-30-Zonen vor allem auch den Lärmpegel senken. Der Bund schreibt das mit der neuen Lärmschutzverordnung vor. Doch der Touring Club der Schweiz läuft – oder eben fährt – Sturm dagegen.

Reto Cavegn, Geschäftsführer der Zürcher TCS-Sektion, sagt: «Den Lärmschutz könnte man auch mit anderen Massnahmen erreichen. Mit Flüsterbelägen oder Lärmschutzfenstern zum Beispiel. Wir sind grundsätzlich gegen Tempo 30 auf Hauptachsen, die eine überkommunale Bedeutung haben.»

Cavegn und der TCS blockieren mit Einsprachen eine Entwicklung, die nicht mehr aufzuhalten ist. Seit die Stadt Zürich vor zwei Jahren 39 Tempo-30-Zonen ausschrieb, kamen laufend neue dazu. Wie die Stadt gegenüber der «Rundschau» bestätigt, kommen nächstes Jahr erneut zirka 15 zusätzliche Zonen hinzu.

Das Bundesamt für Unfallverhütung befürwortet Tempo 30 überall da, wo sich viele Fussgänger aufhalten. Der Verkehrsexperte Gianantonio Scaramuzza sagt: «Tempo 30 ist eine gute Verkehrssicherheitsmassnahme. Wir befürworten die Ausweitung – insbesondere in Wohnquartieren und da, wo es angezeigt ist, auch in Ortskernen.»

VCS: «Tempo 30 ist Zukunft»

Auf der Hauptstrasse in Köniz im Kanton Bern besteht seit neun Jahren Tempo 30. Und die Auswertungen zeigen: Die Unfälle haben um 33 Prozent abgenommen, die Zahl der Verletzten gar um 40 Prozent.

Evi Allemann, Präsidentin des Verkehrsclubs der Schweiz, lobt die Dreissigerzone durch das Zentrum. Sie sagt: «Wir müssen politisch darauf hinarbeiten, dass Tempo-30-Zonen in Ortszentren viel einfacher eingerichtet werden können. Das ist, wie hier in Köniz, die Zukunft.»

Die Umfrage der «Rundschau» im Dorf zeigt, dass sich das Gros der Einwohner kein anderes Verkehrsregime mehr wünscht.

128 Kommentare

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  • Kommentar von A. Kistler, Walensee
    Das ist bedingt richtig. Doch in vielen kleinen Gemeinden, so wie auch in der kleinen engadiner Gemeinde, in der ich aufgewachsen bin, fuhr man früher mit 40 durchs Dorf. Doch wurde mit dem Wort Generell dann auch generell überall 50km/h eingeführt. Viele bündner Gemeinden haben in den letzten Jahren 30er Zonen errichtet, weil 50km/h, mit all den städtischen Touris auf der Gasse, einfach zu gefährlich ist. Und das sind dann meistens die, die hier nach 50 innerorts schreien ;-)
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  • Kommentar von m.mitulla, wil
    Die Forderung hat auch mit der Zunahme von Autos in unserem Land zu tun. Denn gäbe es weniger Fahrzeuge, gäbe es auch weniger Anlass zu Regulierungen.
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    1. Antwort von Beppie Hermann, Bern
      Nur, wem wollen Sie das Auto verbieten, wem nicht? Würde man nur die bezahlten Autos zulassen, wäre das Problem gelöst. Dann würden wohl mindestens 2/3 wegfallen.
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    2. Antwort von Thomas Käppeli, Guatemala Ciudad
      @ Beppie Hermann, Bern. Hierzulande können Sie das weiter auf 80/90% ausweiten. Frage mich seit 15 Jahren schon in den hiesigen Strassen in meinem alten Nissan-Sunny, Modell 1992, womit bezahlt dieses (angeblich) arme Volk eines Drittlandes, all die bulligen glitzer Karren um mich herum??? Da scheint mit Entwicklungsgeldern aus Euren Steuern einiges schief zu laufen und in (falsche Taschen) zu gelangen. Wacht endlich auf!!! Ich werde auch noch Korrupt, lohnt sich scheinbar.
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  • Kommentar von Beppie Hermann, Bern
    Die CH hat die EI wuchtig abgelehnt. Aber genau da liegt das Problem. Je mehr Menschen, desto mehr Überregulierung, Einschränkungen, Gesetze, Strassentafelsalat. Fast sämtliche Probleme, die die Menschheit hat, auch die auf Strasse und Schiene, finden die Ursache in ihrer industrialisierten Überpopulation.
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