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Kosten im Gesundheitswesen Kantone wollen Spitäler zu mehr ambulanten Eingriffen zwingen

Legende: Video Ambulant statt stationär: Kantone wollen Ärzte und Spitäler zu ambulanten Eingriffen zwingen abspielen. Laufzeit 03:09 Minuten.
Aus Tagesschau vom 19.05.2017.
  • Die Kantone wollen mehr ambulante Eingriffe durchführen lassen, und stationäre Spitalaufenthalte nur noch bezahlen, wenn medizinische Gründe dagegen sprechen.
  • Ambulante Spitalbehandlungen ohne Übernachtung bezahlen die Krankenkassen allein. Bei Behandlungen mit Spitalübernachtung bezahlen die Kanton etwa die Hälfte der Kosten.
  • Laut der Konferenz der Kantonalen Gesundheitsdirektoren (GDK) könnten damit pro Jahr landesweit 500 Millionen Franken gespart werden.
  • Die Gegner dieses Vorschlags argumentieren, die Verlagerung von der stationären zur ambulanten Versorgung belaste vor allem die Prämienzahler und sei für die Kantone eine Sparmassnahme.
  • Das eidgnössische Parlament möchte, dass sich Kantone und Krankenkassen alle Spitalkosten mit oder ohne Übernachtung gleichmässig teilen. Für die GDK ist es aber keine Lösung, öffentliche Gelder zu den Krankenkassen zu verschieben.

Die gute Nachricht: Die Medizin wird immer besser

Es geht um Geld und Macht, die die Kantone nicht verlieren wollen – das haben sie heute klar gemacht. Das endet aber nicht unbedingt gut für all jene, die Krankenkassenprämien bezahlen müssen.

Eigentlich beginnt es gut für die Prämienzahler: Denn die Medizin wird immer besser, immer mehr Spitäler behandeln ihre Patienten, ohne dass diese über Nacht bleiben müssen. Behandlungen ohne Übernachtung sind insgesamt deutlich günstiger als Behandlungen mit Übernachtung.

Die schlechte Nachricht: Die Kosten explodieren

Nur sind die Krankenkassen nicht ganz so begeistert von Spitalbehandlungen ohne Übernachtung. Denn diese müssen sie allein bezahlen. Bei Behandlungen mit Übernachtung hingegen bezahlt der Kanton etwa die Hälfte.

Seit über zehn Jahren schon will das eidgenössische Parlament dies ändern und will, dass sich Kassen und Kantone alle Spitalkosten teilen – egal ob mit oder ohne Übernachtung.

Die Hoffnung dahinter: Wenn die Kassen die Kosten nicht allein schultern müssen, haben sie ein grösseres Interesse Behandlungen ohne Übernachtung zu noch mehr Verbreitung zu verhelfen – etwa indem sie Patienten Rabatte anbieten, die sich dafür entscheiden. Im besten Fall hiesse das: etwas tiefere Prämien, etwas weniger Kostenexplosionen im Gesundheitswesen.

Es geht um Geld ...

Diesen Herbst hätte es wieder so weit sein sollen: Eine Gruppe von Parlamentariern wollte einen neuen Anlauf nehmen für die gleichmässige Verteilung der Kosten. Doch bereits heute haben die Kantone mitgeteilt, dass sie davon nichts wissen wollen. Die Idee dürfte damit wieder einmal klinisch tot sein.

Spitalbetten im Trakt eines Krankenhauses.
Legende: Viele gute Ideen, und immer wieder Totschlagargumente: Die Fronten bleiben verhärtet. Keystone

Natürlich haben die kantonalen Gesundheitsdirektoren gute Argumente: Sie sagen, ein neuer Verteilschlüssel zwischen Kantonen und Kassen bringe viel weniger als andere Eingriffe im Gesundheitswesen. Sie bieten an, dass sie stattdessen per Gesetz vorschreiben, welche Behandlungen ohne Übernachtung im Spital stattfinden müssen. Sie wollen, dass sich die Politik ein klügeres Entlöhnungssystem für Ärzte ausdenkt – so dass diese weniger verdienen.

... und Macht

Gute Ideen, aber sie schliessen ja ein System nicht aus, in dem sich Kantone und Kassen alle Spitalkosten – egal ob mit oder ohne Übernachtung – teilen. Was die Kantone denn auch wirklich stört an so einem System, ist, dass sie Macht verlieren – und die Kassen Macht gewinnen.

In so einem System würden die Kantone den Kassen nämlich Milliarden überweisen – ohne bestimmen zu können, was damit geschieht. Längerfristig müsste so wohl das eine oder andere Spital schliessen – genau das käme letztlich günstiger für die Prämienzahler.

Sarah Nowotny

Sarah Nowotny

Sarah Nowotny ist seit 2014 Inlandredaktorin bei Radio SRF und arbeitete zuvor für die Zeitungen «NZZ am Sonntag» und «Der Bund».

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25 Kommentare

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  • Kommentar von max baumann (phönix)
    Typisch weltfremde Politiker. Der Normalbürger kann heute schon kaum die Prämien bezahlen und da muss man natürlich dafür sorgen, dass der Kanton sparen kann und alles auf die Krankenkasse abgewälzt wird, damit die Prämien explodieren. Den Politikern ist dies ja egal, denn die können die Prämien mit ihren Sitzungsgeldern bezahlen !!!!!!!!!!
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  • Kommentar von Charles Dupond (Egalite)
    Die Triagemedizin war frueher bei Ueberforderung der Sanitaetsaerzte nur im Krieg bekannt. Noch ohne Ansehen des Ranges wurden die ohnehin Sterbenden einfach liegen gelassen, dann die Schwerverwundeten, die kaum mehr frontdiensttauglich zu "flicken" waren. In der Zivilmedizin, insbesondere im tiefsten Frieden war die Optimierung des Wohlbefindens oberstes Ziel. Noch ohne Ansehen des Portmonees. Heute muss die Optimierung des Wohlbefindens selber geblecht werden. Und die Lohnabhaengigen schnells
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  • Kommentar von m. mitulla (m.mitulla)
    Für die öffentlichen Spitäler reichen für ambulante Eingriffe die Abgeltungen nicht aus. Bisher konnte eine Querrechnung gemacht werden. Die Kantone wollen sich durch die vorgestellte Neuregelung einfach aus der Finanzierung des Gesundheitswesens hinausnehmen, denn bei ambulanten Eingriffen, die ebenso hohe Kosten verursachen, wie dieselben Eingriffe in stationärer Behandlung, bezahlen die Kantone null. M.E. sollte das korrigiert werden - wer die Spielregeln bestimmt, sollte auch mitfinanzieren.
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