Zum Inhalt springen

Schweiz Kein Kapitalvorbezug mehr: Gute Idee oder Ablenkungsmanöver?

Immer mehr ältere Menschen brauchen Ergänzungsleistungen, nachdem sie ihr Kapital der Pensionskasse aufgebraucht haben. Der Bundesrat will deshalb den Vorbezug einschränken, auch für Immobilien. Hanspeter Konrad, Geschäftsführer des Pensionskassenverbandes, sieht dafür keinen Anlass.

Der Bundesrat will nicht mehr, dass Menschen ihr Geld aus der Pensionskasse beziehen, verbrauchen und dann im Alter auf Ergänzungsleistungen (EL) angewiesen sind. Denn für die Kantone, die die EL bezahlen, kommt dies immer teurer.

«Es sind meistens Leute, die über ein nicht allzu grosses Pensionskassenvermögen verfügen, die sich ihr Geld auszahlen lassen. Für Vermögende stellt sich diese Frage nicht», sagt Peter Gomm. Er ist Präsident der Eidgenössischen Sozialdirektorenkonferenz SODK. «Wenn dann Geld abfliesst, sind sie nicht mehr in der Lage, ihren finanziellen Verpflichtungen nachzukommen.» Deshalb halten die Sozialdirektoren der Kantone das Vorhaben des Bundesrates für richtig.

Schweizerische Zahlen, die den Zusammenhang zwischen geplünderter Pensionskasse und dem Bezug von EL belegen würden, gibt es allerdings nicht. Erhebungen gebe es nur aus einem Kanton, sagt Gomm. Im Kanton Schwyz kommt rund ein Viertel der Menschen im Alter in diese Situation. «Wir schätzen, dass es nicht überall gleich viele Leute sind, aber die Tendenz ist ständig steigend.»

Die Kantone werden dadurch immer stärker finanziell belastet. «Der Prozentsatz der Personen, die Ergänzungsleistungen beziehen, bleibt sich gleich. Allerdings kommen immer mehr Leute ins Pensionsalter», sagt Gomm.

Kein Problem?

Die Pensionskassen bedauerten diesen Richtungsentscheid des Bundesrates, sagt Hanspeter Konrad. Er ist der Geschäftsführer des Schweizerischen Pensionskassenverbandes. Konrad bemängelt, dass es keine Zahlen als Grundlage für diesen Entscheid gibt. Er verhehle zwar nicht, dass es Fälle gebe, bei denen Kapitalbezüger nachher Ergänzungsleistungen beziehen mussten, aber «das allein belegt aber noch nicht, dass wir hier wirklich ein Problem haben.» Die meisten Leute, die Kapital aus ihrer Pensionskasse beziehen, gingen sehr sorgfältig damit um.

Der Hauptgrund des Ansteigens den Ergänzungsleistungen seien vor allem die Pflege- und Heimleistungen. Einige Kantone finanzieren diese über die Ergänzungsleistungen, sagt Konrad, und nun hätten sie finanzielle Probleme. «Man kann daher vermuten, dass es sich bei dem Beschluss des Bundes um ein Ablenkungsmanöver handelt.»

Nachdem definiert worden ist, wer die Pflegeleistungen zu bezahlen hat, nämlich die Kantone, wolle der Bund nun auf Kosten der Versicherten in den Pensionskassen die kantonalen Probleme lösen.

41 Kommentare

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Christoph Grabener, Laupen
    Und... wann gibt es zu all diesen Spekulationen über Spekulationen endlich einmal Fakten und Zahlen?? WIE VIELE dieser Vorbezüger brauchen Ergänzungsleistungen und in welcher Höhe? Ich verabscheue dieses substanzlose Rumgelabere... denn hierauf basiert wird womöglich die Zukunft von Menschen bestimmt - inklusive meiner. Alles nur noch - sorry - Gelaber - wäre ich ihr Chef, önnten sie sich warm anziehen und müssten vor dem Reden erstmal ... ARBEITEN.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von G. Keller, Zürich
    Wer keine Eigenverantwortung übernimmt, wird bevormundet: Das war, ist und wird weltweit immer so...
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von M. Kohler, Thurgau
    ... mit dem Risiko, dass ich nun gleich geprügelt werde: Nachdem unsere moderne Gesellschaft das Modell klassische Familie auslaufen liess, werden die Eltern nicht mehr zuhause von der Familie gepflegt, da die Ehefrau auch arbeiten geht, andere Prioritäten hat oder geschieden ist.... Tja, die schöne neue Welt - die Emanzipation und die Scheidungsquoten sind nicht gratis zu haben.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von R. Beer, Bern
      Es steht Ihnen frei, eine Frau zu suchen, die den Lebensunterhalt bestreitet, während Sie die Eltern und Schwiegereltern pflegen. Aber wenn Sie selbst anpacken müssten, sieht das dann wohl doch gleich nicht mehr so wünschenswert aus.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen