Bauernverband fordert Stopp Kein Palmöl mehr für Schweizer Milchkühe

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Palmöl für Milchkühe

10 min, aus Rundschau vom 31.5.2017

  • Bauern in der Schweiz verfütterten 2016 rund 5000 Tonnen Palmöl. Milchbauern setzen Kraftfutter mit Palmöl ein, um die Milchleistung ihrer Kühe zu erhöhen.
  • Aufgrund der Recherchen der «Rundschau» fordert der Schweizer Bauernverband jetzt palmölfreies Viehfutter. Das hat der Vorstand an seiner letzten Sitzung beschlossen.
  • Die Hersteller solcher Produkte verteidigen sich: Palmöl sei das beste Fett für den Magen der Hochleistungskühe.

Der Schweizer Bauernverband zieht nach Recherchen der «Rundschau» die Notbremse: «Palmöl gehört nicht in unser Futtermittel. Das muss aufhören», sagt Präsident Markus Ritter. Der Vorstand des Verbandes hat diese neue Position an seiner letzten Sitzung beschlossen.

Die Schweizer Bauern verfütterten letztes Jahr rund 5000 Tonnen Palmöl. Die Menge entspricht 200'000 Futtersäcken voller Palmfett. Das Öl aus Südostasien kommt unter anderem bei Milchbauern zum Einsatz: Hochleistungsmilchkühe erhalten Kraftfutter mit dem umstrittenen Palmöl, um die Milchleistung zu erhöhen.

Peinlich für den Bauernverband

Das Thema Palmöl ist peinlich für den Bauernverband. Denn er kämpft zusammen mit den Umweltorganisationen gegen den zollfreien Import des umstrittenen Rohstoffs.

Der Palmölboom verursache grosse Umweltschäden in Malaysia und Indonesien, argumentieren die Schweizer Bauern. Ausserdem gefährde das billige Öl aus Asien den Rapsanbau in der Schweiz. Dabei hatte der Verband übersehen, dass die eigene Branche das umstrittene Öl selber tonnenweise verfüttert.

«Das ist uns unangenehm. Wir haben das nicht gewusst», so Markus Ritter zur widersprüchlichen Politik seiner Branche. Das Palmöl im Futter sei nicht als solches deklariert gewesen.

Palmöl für Hochleistungskühe

«Palmöl ist das für den Magen der Kuh am besten verträgliche Fett», sagt demgegenüber Markus Wysshaar. Die Erbo Spraytec AG im bernischen Bützberg verarbeitet jedes Jahr hunderte Tonnen Palmöl. Die Firma produziert das in der Branche bekannte Produkt ALIkon, ein Kraftfutter-Zusatz für Milchkühe.

Bis zur BSE-Krise verwendete der Schweizer Hersteller tierische Fette. Heute setzt die Firma auf Palmöl. «Wir brauchen zu über 50 Prozent als nachhaltig zertifiziertes Palmöl. Tendenz steigend», so Markus Wysshaar. Die Firma habe auch schon versucht, das Produkt mit Rapsöl herzustellen. Aber das europäische Öl sei den Kunden zu teuer gewesen.

Milchproduzenten bezeichnen eingesetzte Menge als «sehr klein»

«Es gibt eine einheimische Alternative. Für uns steht Raps im Vordergrund», sagt Markus Ritter. Der Bauernverband will sich jetzt für palmölfreies Futter stark machen. Er schätzt die Kosten für die Umstellung auf rund eine Million Franken pro Jahr.

Der Schweizer Milchproduzentenverband betont, die Schweizer Bauern würden viel weniger Kraftfutter einsetzen als Bauern in anderen Ländern. Der Verband unterstreicht die eingesetzte Menge Palmöl sei nur «sehr gering» und zudem rückläufig.

Palmölimporte in die Schweiz

Die Schweiz importiert gemäss Zollstatistik jedes Jahr rund 30'000 Tonnen Palmöl. Die effektiv konsumierte Menge dürfte aber deutlich höher sein, weil viele verarbeitete Importprodukte Palmöl erhalten. Die an Nutztiere verfütterte Menge variiert von Jahr zu Jahr. Am meisten Palmöl haben die Schweizer Bauern 2013 verfüttert. Rund 7000 Tonnen. Gemäss der Vereinigung der Schweizer Futtermittelfabrikanten waren es 2016 rund 5000 Tonnen. Das entspricht 200'000 Futtersäcken voller Palmfett.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Theke: Markus Ritter

    Aus Rundschau vom 31.5.2017

    Gast bei Sandro Brotz an der Theke: Markus Ritter, Präsident des Schweizer Bauernverbands