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Schweiz Kein Vetorecht mehr bei Professorenwahl für Nestlé

Der Nestlé-Konzern finanziert zwei Lehrstühle an der ETH Lausanne – und zwar schon seit einigen Jahren. Das ist letzte Woche ans Licht gekommen. Bei der Wahl der ETH-Professoren hat Nestlé ein Vetorecht. Dagegen regt sich jetzt Widerstand von höchster Stelle.

Es steht im Vertrag zwischen der ETH Lausanne und Nestlé: Der Nahrungsmittelkonzern hat das letzte Wort beim Entscheid, wer die zwei gesponserten Professoren-Stellen erhält.

Nestlé muss schriftlich zustimmen. «Das darf nicht sein», sagt Fritz Schiesser. Er ist der Präsident des ETH-Rates – der Aufsichtsbehörde also. «Die schriftliche Zustimmung führt dazu, dass sie zu einem Nein des Geldgebers führen kann, nachdem ein Entscheid gefallen ist. Und das kann nicht sein.»

Nächste Woche befasst sich der Rat mit dem umstrittenen Nestlé-Vertrag. Abändern oder gar kündigen kann der Rat den Vertrag allerdings nicht – konkret aber könnte der Rat künftig keine Professorenwahl mehr absegnen, wenn beim Auswahlverfahren eine Sponsorenfirma ein Vetorecht hatte. «Ich möchte eigentlich keine Verträge mehr mit einer derartigen Formulierung sehen», sagt Fritz Schiesser vom ETH-Rat.

46 der 700 ETH-Professoren-Stellen sind ganz oder teilweise von Privatfirmen bezahlt. Ob Nestlé mit seinem Vetorecht bei der Besetzung der Stellen ein Einzelfall ist, ist offen. Schiesser will das jetzt abklären.

Nationalräte gegen automatische Transparenz

Im Bundeshaus diskutierten am Freitag auch die Nationalräte in der Wissenschaftskommission über das Sponsoring an den Universitäten. SP-Parlamentarier verlangten Transparenzregeln für die verschiedenen Partnerschaften zwischen Wirtschaft und Hochschulen.

Sie unterlagen: Die Mehrheit der Wissenschaftspolitiker befürchtet, dass dies ETH und Universitäten zu stark einschränken würde. Die Hochschulen selbst müssen somit entscheiden, ob und wie sie mehr Transparenz schaffen wollen.

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4 Kommentare

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  • Kommentar von O. Toneatti, Bern
    Ein bisschen Korruption darf es sicher in unserer Muster-Demokratie auch geben. Sonst wird es einfach langweilig in unserem gelobten, ehrlichen und freien Land, wo der freie Bürger frei und unabhängig Alles entscheiden kann, ohne unsere Konzerne und Arbeitgeber zu fragen. Oder nicht?
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  • Kommentar von Hans Klein, Bern
    Wenn Nestlé über die Verwendung "seines" Geldes selbst entscheiden will, sollen sie eine Privat-Uni gründen, zusammen mit den anderen Sponsoren: Dann wird man schnell merken, dass zu einem Lehrstuhl auch noch "ewtas" Infrastruktur gehört, die jetzt der Steuerzahler finanzieren (aber trotzdem nicht mitreden!) darf, und dass die Ergebnisse solcher "interessegeleiteten" Forschung von niemandem ernst genommen werden: Die Pleitewelle in deutschen Privatunis zeigt, was dabei heraus kommt!
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  • Kommentar von Lilly, Zürich
    Seltsam, bei der ETH krähte jahrelang kein Hahn danach, dass Unternehmen bei der Besetzung von Lehrstühlen dreinreden. Beim Uni-Sponsoring der UBS, wo die Besetzung des Lehrstuhls einzig und alleine Aufgabe der Universität ist (kein Mitspracherecht von Seiten der UBS!), gibt es einen riesigen Aufstand. Woher diese Ungleichbehandlung? Aber anscheinend soll sich die Situation an der ETH nun auch noch ändern. Dann können wir dankbar sein über Finanzierungen von Lehrstühlen durch Unternehmen!
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