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Schweiz Keine Entwarnung für Vasella und Novartis

Zwar verzichtet Novartis-Boss Vasella auf seine Abgangsentschädigung, dennoch ist der Pharmamulti noch nicht aus dem Schneider. Hans-Jacob Heitz zieht seine Strafanzeige nicht zurück.

Legende: Video Vasella verzichtet auf 72 Millionen abspielen. Laufzeit 01:25 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 19.02.2013.

Keine 24 Stunden nachdem Hans-Jacob Heitz seine Post an die Basler Staatsanwaltschaft abgeschickt hat, kann der umtriebige Aktionärsvertreter einen ersten Erfolg verbuchen: Daniel Vasella verzichtet auf die 72 Millionen Franken für seinen Ruhestand.

In Feierlaune ist Hans-Jacob Heitz deswegen nicht: «Der Aufwand hat sich offenbar gelohnt», sagte Heitz gegenüber SRF News Online. Dennoch zieht Heitz seine am Montag eigereichte Strafanzeige nicht zurück. «Bislang habe ich nur aus den Medien vom Verzicht Vasellas erfahren, eine offizielle Bestätigung habe ich noch nicht.»

Polizei ermittelt gegen Novartis

Heitz scheint dem Pharmakonzern zu misstrauen. Deshalb will der Rechtsanwalt zuerst die Generalversammlung vom kommenden Freitag abwarten. « An der GV muss sich Daniel Vasella zu der Abgangsentschädigung in Millionenhöhe erklären», so Heitz am Telefon. Heitz wird selbst an der GV nicht teilnehmen. «Auf ein Abkanzeln, wie ein Kindergartenschüler, kann ich verzichten», erklärt er sein Fernbleiben.

Weiteres Ungemach droht Novartis von der Basler Justiz. An der Binningerstrasse wartet man zwar noch immer auf die Post von Hans-Jacob Heitz. Dennoch beschäftigen sich die Behörden mit dem Fall Novartis. «Bei der Staatsanwaltschaft (Stawa) ist heute eine anonyme Anzeige gegen Novartis eingereicht worden», sagt Sprecher Peter Gill auf Anfrage.

Legende: Video Basler Staatsanwaltschaft zum Fall Novartis abspielen. Laufzeit 00:37 Minuten.
Aus News-Clip vom 19.02.2013.

«Die Stawa hat ein polizeiliches Ermittlungsverfahren gegen verantwortliche Personen der Novartis wegen Verdachts der ungetreuen Geschäftsbesorgung eröffnet», so Gill. Gegen wen sich die Ermittlungen richten und über das weitere Vorgehen schweigt sich Gill aus.

Brisante GV am Freitag

Unbesehen der weiteren Entwicklung im Fall Novartis und Vasella stellen sich einige Fragen. Gemäss «Inside Paradeplatz» soll das Privatkonto von Daniel Vasella 2010 bei der Bank Wegelin eröffnet worden sein. In der Zwischenzeit liegt es in der Verantwortung der Privatbank Notenstein, wie Hans-Jacob Heitz vermutet.

Wer gab damals den Auftrag für die Kontoeröffnung? Haben die Novartisgremien, wie Revisionsstelle, Vergütungsausschuss, Verwaltungsrat die Überweisung abgesegnet? Wie viel Geld befindet sich noch auf dem Konto?

Auf diese Fragen wollen wahrscheinlich nicht nur die Aktionäre von Novartis Antworten, sondern auch die Ermittlungsbehörden. Ob die laufenden polizeilichen Abklärungen einen Einfluss auf die Teilnahme der Verwaltungsräte an der GV hat, beantwortet die Medienstelle von Novartis wie folgt: «Bislang sind uns keine Absagen bekannt und wir rechnen mit der geplanten Teilnahme der Verwaltungsräte.»

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10 Kommentare

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  • Kommentar von Brülhart Hans E., Kleinschönberg 58, Fribourg
    Gemäss seinen Aussagen und jenen der Firma verzichtet er auf Zahlungen in Zusammenhang mit der aufgehobenen Vereinbarung betreffend Konkurrenzverbot. Aufgrund dieser verklausulierten Formulierung jedoch nicht auf einen goldenen Fallschirm, in welcher Höhe auch immer. Sein Vermögen beläuft sich, gemäss Medien, seit Jahren auf gleichbleibenden 150 Millionen, obwohl er in letzter Zeit Beträge zwischedn 10 und 40 Millionen pro Jahr bezog? Wohin ist dieses Geld ?
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  • Kommentar von W. Helfer, Zürich
    Jedes Land nimmt Novartis mit Handkuss. Wir können dann ja laut klatschen und johlen, wenn Novartis der CH tschüss sagt und sagen, solche Firmen brauchen wir genausowenig wie Reiche Leute. Bravo! Ich denke Novartis und D. Vasella wissen genau was sie tun und dass dieses Theater sehr gut durchdacht ist.
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    1. Antwort von Andreas Hug, Kreuzlingen
      wäre die Schweiz nicht der beste Standort für Novartis, wäre sie schon längst weg - diese Firmen geniessen Gastrecht und haben sich entsprechend zu benehmen. In der Westschweiz gibt es bereits erste Anzeichen, dass wir nicht mehr um jeden Preis ausländische Firmen ansiedeln wollen. Die negativen Auswirkungen tragen die kleinen Leute wie Sie und ich, und werden gleichzeitig von diesen Abzockern mit Jobverlust bedroht. Wacht endlich auf, das gesunde Verhältnis ist schlicht nicht mehr vorhand...
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  • Kommentar von Nemo Tenetur, Bern
    Strafrecht, Lektion 1: Das Strafrecht kennt Offizialdelikte und Antragsdelikte. Letztere können zurückgezogen werden vom Antragssteller, erstere nicht. Sie werden von Amtes wegen verfolgt. Die Strafverfolgungsbehörde muss sie verfolgen (strafprozessuales Legalitätsprinzip). Art. 158 StGB ist kein Antragsdelikt. Ob Heitz seine Strafanzeige zurückzieht oder nicht, ist schlicht irrelevant.
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    1. Antwort von Hans-Jacob Heitz, MÄNNEDORF
      Da haben Sie völlig recht, wurde diesbezüglich stets verkürzt zitiert. Bis zum von der Post verzögerten Eintreffen wäre ein Rückzug möglich geblieben. De Frage beantwortete ich stes plakativ mit Nein, hätte keinen Anlass mich zu bewegen.
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