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Schweiz Keine geschützte Herkunft für den «Absinth»

Das Neuenburger Val-de-Travers wollte für sich den Begriff «Absinth» schützen lassen. Doch die Richter in St. Gallen gaben dem nicht statt. Allerdings bleibt den Machern der «Grünen Fee» noch eine Chance.

Verschiedene Absinth-Flaschen aus dem Jura.
Legende: Egal in welcher Farbe: Absinth aus dem Neuenburger Val-de-Travers ist begehrt in der ganzen Welt. Keystone

Die Bezeichnungen «Absinth», «Fée verte» und «La Bleue» werden nicht als geschützte Herkunftsbezeichnung anerkannt. Das Bundesverwaltungsgericht hat den lokalen Produzenten aus dem Neuenburger Val-de-Travers einen entsprechenden Eintrag verweigert. Ein Rekurs ans Bundesgericht ist noch möglich.

Gemäss dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts stellt der Name «Absinth» die Bezeichnung eines vom Herkunftsort unabhängigen Produktes dar. Ausserdem sei es den lokalen Produzenten nicht gelungen nachzuweisen, dass die Bezeichnungen «Fée verte» und «La Bleue» gleichbedeutend für Absinth wären.

Entscheidend war für die Richter auch, dass die 2007 durchgeführte Umfrage der lokalen Produzenten, mit dem sie ihr Gesuch untermauerten, unter verschiedenen Gesichtspunkten kritisierbar sei. So bringe nur ein relativ kleiner Anteil der Menschen in der Schweiz die drei Namensbezeichnungen für den Schnaps mit dem Val-de-Travers in Verbindung.

Das Bundesverwaltungsgericht hatte über elf Rekurse zu entscheiden, die unter anderem von grossen Alkoholproduzenten aus anderen Regionen der Schweiz stammten.

«Grüne Fee» mit bewegter Geschichte

Der Absinth hat für das Neuenburger Val-de-Travers eine grosse wirtschaftliche Bedeutung und wird dort seit dem 18. Jahrhundert produziert. Zwischen 1910 und 2005 war das legendäre Getränk mit Anis-Geschmack in der Schweiz nach der Annahme einer Volksinitiative allerdings verboten.

Im Val-de-Travers werden heute wieder jedes Jahr über 120'000 Liter Absinth-Schnaps produziert und damit ein Umsatz von rund zehn Millionen Franken generiert.

Erst vor anderthalb Monaten wurde in Môtiers im Val-de-Travers ein Absinth-Museum eröffnet, das einen Einblick in die bewegte Geschichte der «Grünen Fee» und deren Geheimnisse ermöglicht. Das Museum befindet sich ausgerechnet im Gebäude des ehemaligen Bezirksgerichts, wo Polizei und Richter seinerzeit die Schwarzbrenner von Absinth zur Rechenschaft gezogen haben.

10 Kommentare

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  • Kommentar von Alain Andrey, Biel
    Ein Gericht, welches den Hitlergruss unter "Kollegen" erlaubt, kann nicht ernst genommen werden und muss schleugnist erneuert werden. Wenn wunderts also, dass diese Richter ein eigentlich klarer Antrag so läpisch beurteilen.
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  • Kommentar von Felix von Wartburg, Luzern
    Ich trinke selten Absinth aber jeden Tag «Pastis 51» oder «Ricard» oder «HB«. Diese Produkte haben ihre Wurzeln im Schweizerischen Jura, genau dort, wo einst die Absinth-Distillerien entstanden. Für mich liegt die Wiege aller dieser Anis-Schnäpse im Schweizerischen Jura, auch die des «Pernod». Dass die Franzosen heute alle «Pastis» genannten Schnäpse und Apéros als heimisch bezeichnen ist grundlegend falsch. Der Anis-Aperitiv wurde klar in der Schweiz erfunden. Die Rezepte wurden aufgekauft.
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  • Kommentar von Melanie Gasser, Basel
    Das Perverse am Ganzen ist, dass Absinth fast die identische chemische Formel wie Cannabis hat. In der selben Zeit als Absinth 2005 wieder legalisiert wurde, hat das Parlament die Cannabis Debatte ins Nirvana geschickt. In diesem Artikel scheinen die wirtschaftlichen Wichtigkeit von 10Mio wichtiger zu sein als über Gefährlichkeit und Prävention. Es ist einfach so heuchlerisch! Jeder Mensch soll selber Verantwortung über sich und seine Gesundheit walten. Nicht jeder kann mit Alkohol relaxen!
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