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Ghostwriting an Unis Keine Handhabe gegen tricksende Studenten

Legende: Audio Universitäten kommen mit Ghostwriting-Klagen nicht durch abspielen. Laufzeit 02:09 Minuten.
02:09 min, aus SRF 4 News aktuell vom 10.02.2017.
  • Die Universitäten St. Gallen und Bern sind mit ihren Strafanzeigen wegen gekaufter akademischer Arbeiten gescheitert.
  • Wer Arbeiten einreicht, die er nicht selbst verfasst hat, macht sich der Urkundenfälschung strafbar.
  • Tätern drohen bis zu fünf Jahre Gefängnis.
  • Die Ahndung erschwindelter akademischer Titel ist allerdings schwierig, weil Ghostwriting-Agenturen keine Plagiate, sondern Unikate verfassen.

Zwei Studenten hatten 2015 in der Studentenzeitung der Universität St. Gallen anonym damit geprahlt, sie hätten ihre Abschlussarbeiten von einer professionellen Ghostwriting-Agentur schreiben lassen. Daraufhin reichte die Uni-Leitung Strafanzeige ein.

Wie sich jetzt zeigt, konnte die Justiz aber niemanden zur Rechenschaft ziehen, wie der Sprecher der St. Galler Staatsanwaltschaft Andreas Baumann sagt: «Es lag kein konkreter Tatverdacht vor, der eine Ermittlung gegen jemanden zugelassen hätte.»

Bis zu fünf Jahre Gefängnis

Die Universität St. Gallen nimmt zum Fall nur schriftlich Stellung. In der Zwischenzeit habe man verschiedene Software-Lösungen zur Entdeckung von Ghostwriting ausprobiert, allerdings ohne Erfolg, heisst es in einem E-Mail.

Im Weiteren werden die Studierenden darauf hingewiesen, dass es sich bei Plagiaten und Ghostwriting um schwerwiegende Vergehen gegen die Ordnung der Universität sowie gegen die akademische Integrität handelt, die sowohl disziplinarische als auch strafrechtliche Folgen nach sich ziehen können.
Autor: Universität St. GallenSchriftliche Stellungnahme

Laut der Universität St. Gallen macht sich jemand, der Arbeiten einreicht, die er nicht selbst verfasst hat, strafbar. Das erfülle den Strafbestand der Urkundenfälschung und könne mit bis zu fünf Jahren Gefängnis bestraft werden.

Ghostwriting-Agenturen sichern sich ab

Aber jemandem auf die Schliche zu kommen, der sich mit gekauften Arbeiten akademische Titel erschwindelt, scheint schwierig zu sein, vor allem deshalb, weil professionelle Ghostwriting-Agenturen keine Plagiate sondern Unikate verfassen.

Legende: Video Thomas Nemet zur rechtlichen Frage abspielen. Laufzeit 01:07 Minuten.
Aus Rundschau vom 06.01.2016.

Bei der führenden Agentur Acad Write in Zürich heisst es auf Anfrage, man stehe für Auskünfte nicht zur Verfügung.

Vor einem Jahr in der SRF-Sendung «Rundschau» nahm Geschäftsleiter Thomas Nemet noch kein Blatt vor den Mund: «Wir liefern die wissenschaftliche Arbeit und weisen darauf hin, dass die Leute sie nicht einreichen dürfen. Letztendlich muss dann jeder selbst seine Verantwortung übernehmen.»

Ghostwriting-Agenturen sichern sich somit rechtlich ab, da sie die Verwendung der Texte für Prüfungszwecke verbieten.

Auch Uni Bern abgeblitzt

Das musste auch die Universität Bern erfahren, die mit ihrer Strafanzeige gegen eine Ghostwriting-Agentur wegen Mittäterschaft vor der Staatsanwaltschaft Zürich abgeblitzt ist. Es liege kein Anfangsverdacht vor, begründete sie den Entscheid.

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10 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Klein (HansKlein)
    Ach, das bereitet doch auf die Karriere in der Wissenschaft bestens vor, wo Profs Doktoranden 5 Jahre lang zum Büchertragen und Kopieren verwenden und sie dann fragen, warum die Diss nicht fertig ist, man am selben Lehrstuhl promovieren und habilitieren kann – und dann den Lehrstuhl "erbt", Gelder hinterm Rücken abgesprochen & verteilt werden, Profs. 2,5 Jahre brauchen, um eine Professur neu zu besetzen und Nicht-Habilitierte berufen werden können… Schummelei und Vetternwirtschaft… So what?
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    1. Antwort von Christa Wüstner (Saleve2)
      also einen Lehrstuhl erbt man nicht, für eine ordentliche Professor benötigt es eine Habilitation. Ausserordentliche Professoren sind oft Privatdozenten, die sich auch habilitiert haben. Zum Bücher tragen und Kopieren werden Hilfs.-Ass. eingesetzt, die noch im Studium sind und sich damit etwas Geld verdienen..
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  • Kommentar von Niklaus Bächler (Brücken- statt Mauerbau!)
    Da bin ich gerne kein «Dr.» oder «Studierter»... ich hätte da ein ungutes Gefühl. Denn erfolgreich kann man auch ohne ergaunerte Titel / Abschlüsse sein.
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    1. Antwort von Christa Wüstner (Saleve2)
      Nur soll man jetzt nicht alle in einen Topf werfen. Es handelt sich um den kleineren Teil.
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  • Kommentar von Hans Haller (panasawan)
    Abschreiben und mogeln kann man in allen Bildungs-& Schulen und Einrichtungs-Bereichen finden. Warum sollten da in der UNI's und deren Studenten da, genau da, eine Ausnahme machen? Gelernt ist gelernt....!
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