Kinderarbeit für Schweizer Ladenketten

In Bangladesch sind vor einem Jahr Kinder in Fabriken entdeckt worden, die für Schweizer Bekleidungsfirmen produzieren. Dies zeigen «Rundschau»-Recherchen. Betroffen ist unter anderem der Modekonzern Charles Vögele.

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Kinderarbeit für Schweizer Ladenketten

12 min, aus Rundschau vom 4.9.2013

Spätestens seit der Katastrophe von Ende April in der Hauptstadt Dhaka steht die Textproduktion in Bangladesch unter verstärkter Beobachtung. Grund dafür sind die teilweise skandalösen Arbeitsbedingungen und Kinderarbeit.

Recherchen der «Rundschau» zeigen: Auch der Schweizer Bekleidungskonzern Charles Vögele liess im Billiglohnland produzieren. Die Ladenkette bestellte die Billigkleider beim Zwischenhändler Rayontex. Dieser gab die Aufträge an Firmen weiter, welche die gesetzlichen Bestimmungen nicht einhielten.

Rayontex Hauptaktionär Mark Wendel bestätigt die Kinderarbeit gegenüber der «Rundschau»: «Wir haben auf den drei geprüften Betrieben der Firmen Merlin, Titas und Bhuyan mit gesamthaft 2800 Mitarbeitern 49 zwischen 12,5 und 16-jährige Kinder in den Audits gefunden.»

Vögele: «Klare Nulltoleranzpolitik»

Entdeckt wurden die Kinder dank der Schweizer Firma Blackout. Diese liess ihre Produktionsstätten durch die internationale Nichtregierungsorganisation Fairwear überprüfen. Die Kinder wurden im September 2012 entdeckt und umgehend aus den Fabriken geholt. «Ihnen wird jetzt eine Ausbildung ermöglicht», sagt Fairwear-Verwaltungsrat Miges Baumann.

Hart ins Gericht geht Miges Baumann von Fairwear mit der Bekleidungsfirma Charles Vögele, die seit Juni 2012 in einer der betroffenen Produktionsstätten Billigkleider herstellen liess. Das Unternehmen habe davon ausgehen können, dass Kinder in den Fabriken tätig sind.

Vögele schreibt der «Rundschau»: «Wir nehmen diese Hinweise sehr ernst und werden fehlbare Lieferanten zur Verantwortung ziehen. Betreffend Kinderarbeit verfolgt Charles Vögele eine klare Nulltoleranzpolitik.»

Das Modehaus stand schon im Jahr 2000 in der Kritik, als Kinder in Vögele-Produktionsstätten in Indien entdeckt wurden. Vögele habe damals umgehend gehandelt, schreibt der Konzern weiter, und die BSCI-Initiative mitinitiiert. Einige Spezialisten führten vor Ort regelmässig Kontrollen bei Lieferanten durch. «Dieses Kontrollsystem bedarf nun offensichtlich einer Überprüfung und weiteren Verschärfungen», hält Vögele fest.

Ladenkette Chicorée entschuldigt sich

Betroffen ist auch das Unternehmen Chicorée. Inhaber Jörg Weber sagt gegenüber der «Rundschau», ihm seien Sicherheitsmängel und tiefe Löhne vorgetragen worden, von Kinderarbeit habe er nichts gewusst. Kinderarbeit würde er keinesfalls tolerieren.

Er entschuldigte sich für die entdeckten Mängel: «Wir haben aus den Fehlern gelernt und werden die Fehler auch verbessern». Es sei ihm wichtig, dass er sich bei meinen Kunden entschuldigen könne. Das Controlling habe da nicht gegriffen.