Kindersoldaten: Schweiz will Hilfe vor Ort verstärken

Entführt, zum Töten trainiert, versklavt und vergewaltigt: Die Schweiz will sich verstärkt im Kampf gegen den Einsatz von Kindersoldaten engagieren. Der neue Aktionsplan des Aussendepartements umfasst auch Bildung und psychosoziale Betreuung direkt in den Konfliktgebieten.

Rollenspiele mit Ex-Kindersoldaten in einem Rehabilitationszentrum in Uganda.

Bildlegende: Grausamkeit verarbeiten: Rollenspiele mit Ex-Kindersoldaten in einem Rehabilitationszentrum in Uganda. Keystone/Archiv

Kinder haben das Recht, Kinder zu sein. Mit diesem Worten hat Bundespräsident Didier Burkhalter heute die Jahreskonferenz der EDA-Abteilung Menschliche Sicherheit eröffnet. Ein neuer Aktionsplan soll den für Krieg missbrauchten Jugendlichen mehr Schutz und Chancen zur Wiedereingliederung bringen.

Es geht um Kinder wie die Uganderin Viktoria Nyanjura. 14-jährig wurde sie von der Lord's Resistance Army des Rebellenchefs Joseph Kony entführt und acht Jahre gefangen gehalten. Nach dem Militärtraining musste sie kämpfen und wurde mit einem Kommandanten verheiratet, der sie als Sexsklavin hielt.

«Ich habe zu Gott gebetet, dass er mich von den Qualen erlöst»

«Ich dachte, das Leben hat keinen Sinn mehr. Ich habe zu Gott gebetet, dass er mich zu sich nimmt und von den Qualen erlöst», erzählte die heute 42-Jährige vor den Medien in Bern. Nach qualvollen Jahren gelang ihr die Flucht. Sie kehrte zur Familie zurück und holte die Ausbildung nach. Hass empfinde sie nicht, vergessen könne sie aber auch nicht, betonte Nyanjura.

Sie arbeitet zurzeit bei einer Organisation in Uganda, die für Gerechtigkeit und Aussöhnung in den Konfliktgebieten einsteht. Das erwartet die ehemalige Kindersoldatin auch von der Schweiz: Hilfe, dass die Täter bestraft werden und dass ehemalige Kindersoldaten in die Gesellschaft zurückfinden.

Kinder müssen Gerechtigkeit erfahren

Bundespräsident Burkhalter an der Jahreskonferenz der EDA Abteilung Menschliche Sicherheit.

Bildlegende: Didier Burkhalter: Schweiz als Depositärstaat der Genfer Konvention hat eine besondere Verantwortung. Keystone

In diese Richtung zielt Burkhalter mit dem Aktionsplan. Dieser umfasst Bildungsprogramme, Berufsbildung und psychosoziale Rehabilitation. «Es soll damit verhindert werden, dass die Kinder erneut die Hände von Streitkräften oder bewaffneten Gruppen geraten», stellte Burkhalter fest. Die Schweiz sehe sich als Depositärstaat der Genfer Konvention in einer besonderen Verantwortung. Die Kinder müssten Gerechtigkeit erfahren.

(brut;vonh)