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Schweiz Kindsmisshandlungen: Jedes vierte Opfer ist jünger als zwei

Schweizer Spitäler haben im vergangenen Jahr knapp 1400 Kinder wegen möglicher Misshandlung behandelt. Zum ersten Mal sind psychische Misshandlungen die häufigste Form von Missbrauch.

Legende: Video Kindsmisshandlung abspielen. Laufzeit 1:52 Minuten.
Aus Tagesschau vom 27.05.2016.

1388 Kinder waren im Jahr 2015 in Schweizer Spitälern wegen vermuteter oder sicherer Misshandlung. Die Zahl ist damit auf hohem Niveau stabil geblieben, wie es in der Kinderschutzstatistik der schweizerischen Kinderkliniken, Link öffnet in einem neuen Fenster heisst.

Psychische Misshandlung ist zum ersten Mal die häufigste Missbrauchsform geworden, die erfasst wird: Über 30 Prozent der Fälle betreffen psychische Misshandlungen. «Dies ist mit hoher Wahrscheinlichkeit im Zusammenhang mit den sehr vielen Fällen von häuslicher Gewalt zu sehen, wo Kinder mindestens indirekt mitbetroffen sind», so die Fachgruppe Kinderschutz.

Familienmitglieder sind häufig Täter

Weiterhin fänden psychische und körperliche Misshandlung und Vernachlässigung im Grossteil der Fälle im Familienrahmen statt. Auch fast jeder zweite sexuelle Missbrauch werde von einem Familienmitglied begangen.

Fast ein Viertel aller misshandelten Kinder war gemäss der Statistik jünger als zwei Jahre alt, 45 Prozent der misshandelten Kinder sind jünger als sechs Jahre. Mit 43 Prozent Knaben und 57 Prozent Mädchen ist die Geschlechterverteilung sehr ähnlich wie in den vorangegangenen Jahren.

Ein totes Kind

Im Jahr 2015 sei ein Kind an einer schweizerischen Kinderklinik aufgrund körperlicher Misshandlung verstorben – es sei jünger als ein Jahr gewesen. Bei 250 weiteren Kindern von unter einem Jahr sei die Diagnose Kindesmisshandlung gestellt worden, «womit der Anteil der sehr kleinen Kinder wiederum erschreckend hoch ist».

In jedem vierten Fall hat die Kinderschutzgruppe selber eine Gefährdungsmeldung an die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde gemacht, genau so häufig war diese Behörde auch vorher schon eingeschaltet. Dies passe zu der Tatsache, dass die Kindesmisshandlung – abgesehen vom sexuellen Missbrauch – häufig in sozial benachteiligten Familien vorkomme.

Die nationale Kinderschutzstatistik erscheint im siebten Jahr in Folge. 2015 konnten die Daten von 20 von insgesamt 26 Kinderkliniken der Schweiz bearbeitet werden, was einem Rücklauf von 77 Prozent aller Kliniken entspricht. Wiederum haben alle grossen und mittelgrossen Kinderkliniken ihre Fälle gemeldet.

Zahlen und Fakten

Während Misshandlungen (91%) und Vernachlässigungen (98%) zum grossen Teil im Familien- und Bekanntenkreis passieren, spielen beim sexuellen Missbrauch Fremde und unbekannte Täter (19%) ebenfalls eine grosse Rolle.

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18 Kommentare

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  • Kommentar von Andrea Mordasini (Andrea_Mordasini)
    Belangt werden müssten jedoch auch alljene, die trotz Kenntnis und Wissen von Misshandlungen lieber feige, tatenlos und mangels Zivilcourage zu- bzw. wegschauen, statt rechtzeitig einschreiten um einem Kind in Not zu helfen. Und zwar wegen unterlassener Hilfeleistung! Denn diese ist kein Kavaliersdelikt... Nicht einschreiten und nicht eingreifen bedeutet nichts anderels als, dass Gewalt an Kindern toleriert wird, dass Gewalt an Kindern ok und salonfähig ist - und das darf nicht sein!
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  • Kommentar von Andrea Mordasini (Andrea_Mordasini)
    Es ist ans uns Erwachsenen, die Jüngsten und Schwächsten dieser Gesellschaft vor Gewalt jeglicher Art (physisch, psychisch, sexuell) zu bewahren und zu beschützen. Das ist das Mindeste, das sind wir ihnen schuldig! Dass Kinder per Gesetz immer noch schlechter geschützt sind als Erwachsene, darf nicht sein! Was für Erwachsene tabu ist, muss zwingend auch für Kinder sein. Wer Kinder misshandelt, muss hart bestraft werden. Wer keine Erwachsenen schlägt, schlägt folglich auch keine Kinder!
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  • Kommentar von Andrea Mordasini (Andrea_Mordasini)
    Wir haben eine wichtige Vorbildsfunktion; wir müssen als gute Vorbilder und Beispiele voran. Denn uns und unser Verhalten, gutes wie schlechtes, ahmen die Kinder nach. Gewalt fördert bloss Gegengewalt und Angst, aber keinen Respekt. Und Angst sollen unsere Kinder vor uns und möglichen Körperstrafen nie haben. Sie sollen deswegen nicht zu Lügnern werden, sondern uns stets vertrauen und alles anvertrauen dürfen, egal was sie plagt, sie auf dem Gewissen und angstellt haben,
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