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Schweiz Kino verwehrte Rollstuhlfahrer den Zutritt - zu Recht

Mitarbeiter eines Genfer Kinos liessen einen Behinderten nicht in den Saal. Aus Sicherheitsgründen, hiess es. Das Bundesgericht ist nun derselben Meinung.

Der Vorfall ereignete sich 2008: Ein Paraplegiker wollte sich im Kino allein einen Film anschauen, der in Genf sonst nirgends gezeigt wurde. Das Personal verwehrte ihm aus Sicherheitsgründen den Zutritt, weil das Gebäude nicht behindertengerecht ausgebaut und der Kinosaal für Rollstuhlfahrer nur mit Hilfe Dritter zugänglich ist. Die Behindertenorganisation Integration Handicap legte daraufhin eine Beschwerde ein.

Ein Rollstuhlfahrer
Legende: Nicht in jeder Ungleichbehandlung liegt eine Diskriminierung vor, sagt das Bundesgericht. Keystone

Das Bundesgericht hat nun aber entschieden, dass die Zutrittsverweigerung keine Diskriminierung im Sinne des Gesetzes zur Gleichstellung Behinderter darstellte.

Rekurs in Strassburg möglich

 
Die Abweisung sei durch Sicherheitsbedenken und nicht durch mangelnde Toleranz oder durch die Absicht zum Ausschluss motiviert gewesen. Im Falle einer Evakuation bestehe für Rollstuhlfahrer immer ein erhöhtes Risiko. Werde eine behinderte Person bei der Räumung verletzt oder gar getötet, habe der Betreiber zudem den Vorwurf zu befürchten, ihr zwar ein Billett verkauft, sich aber in der Folge nicht ausreichend gekümmert zu haben.
 
Die Behindertenorganisation Integration Handicap will nun einen Rekurs an den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Strassburg prüfen.

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10 Kommentare

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  • Kommentar von Cygnes, Zurich
    Warum darf eigentlich ein Kino (Theater, Oper ...) heute noch betrieben werden, wenn es keinen barrierefreien Zugang hat - sprich nicht "behinderten"-tauglich ist? Wir sollten es besser können und machen!
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  • Kommentar von Openyoureyes, Basel
    Die Schweizer sind dermassen Paragraphentreu, dass sie sogar den Tod eines anderen der Rechtmässigkeit vorziehen würden! Warum hat man nicht einfach den Platzanweiser neben den Rollstuhlfahrer gesetzt, um ihn bei einem Brand zu "retten"? Entschuldigen Sie hier mal alle: Möglichkeiten, wenn man will, gibt es immer. Obsiegt aber die Sturheit und Bequemlichkeit, ja dann gute Nacht. Dann haben wir den aktuellen IST Zustand. Also von den USA her bin ich einen anderen Umgang mit Behinderten gewohnt...
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    1. Antwort von Margrit Holzhammer, 8903 Birmensdorf
      Vor lauter Paragraphen bleibt der Mensch auf der Strecke..... Es ist beschämend.
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    2. Antwort von Christian Alexander Staub, Steffisburg
      ...oh Wunder, ausnahmsweise kann ich mal einem Urteil des Gerichtes und der Richter folgend zustimmen ! ...und die Aufgabe der Platz-Anweiser ist es nicht, sich neben Zuschauern sitzend, die Filme zum x-ten Mal reinzuziehen. ...und was meinen Sie zu den "schreienden Ungerechtigkeiten" von Abgewiesener durch Club-Tür-Stehern, oder von Kindern nur in Begleitung von Erwachsenen ? ...da müssen wir doch dringend nach Strassbourg, nicht ?
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  • Kommentar von Marcel Beck, Bern
    Ich kann nachvollziehen, dass die Situation für den Betroffenen belastend war. Aber die Angestellten konnten gar nicht anders entscheiden, denn die gesetzlichen Sicherheitsbestimmungen sind gezwungenermassen durchzusetzen. Ähnliche Situationen gibt es ja auch immer bei Reisen mit dem Flugzeug.
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