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Schweiz Kirche verliert in der Schule an Boden

Die Volksschul-Reformen der letzten Jahrzehnte bekommen auch die Kirchen zu spüren. Für sie wird es immer schwieriger, ihren konfessionellen Religionsunterricht im Schulbetrieb zu platzieren.

Die Zeiten, als der Dorfpfarrer den Schulunterricht mitprägte, sind lange vorbei. Zwar stellen viele Kantone den Landeskirchen noch immer Raum und Zeit für ihren Religionsunterricht zur Verfügung. Doch für die Kirchen wird es immer schwieriger, sich in den immer dichteren Stundenplänen zu behaupten.

Schulzimmer mit Schülern in Gossau/SG – an der Wand hängt ein Kruzifix.
Legende: Die Stundenpläne werden immer komplexer, für die Kirchen schwieriger, einen Slot für ihren Unterricht zu finden. Keystone

Es sei tatsächlich ein Kampf – wenn auch ein christlicher, sagt Peter Sury. Der Präsident der katechetischen Kommission des Bistums Basel ist seit 30 Jahren auch zuständig für die katholische Religionspädagogik im Kanton Solothurn. Er sagt: «Es stellt sich die Frage: Wo hat der Religionsunterricht in dieser komplexen Struktur noch Platz?»

Von Kanton zu Kanton unterschiedlich

Die Frage stellt sich überall in der Schweiz, aber nicht überall gleich. Denn in Sachen Religionsunterricht ist die Schweiz ein unübersichtlicher Flickenteppich. In der Ostschweiz duldet man die Landeskirchen bis in die Schulzimmer hinein, während man in der Westschweiz der Trennung von Kirche und Staat konsequent nachlebt.

Auch in Zürich und Bern organisiert der Staat einen konfessionslosen Ethikunterricht. Kirchen müssen die Kinder ausserhalb der Schule auf Firmung und Konfirmation vorbereiten. Einzelne Berner Kirchgemeinden erhalten von den Schulbehörden neustens nicht einmal mehr die Klassenlisten für das Aufgebot zum Religionsunterricht während der Freizeit – wegen des Datenschutzes.

Kirchen hoffen auf Lehrplan 21

Die Landeskirchen hoffen nun, dass der Staat beim neuen Fachbereich «Ethik und Religionen» im Lehrplan 21 an sie denkt. Sie werden dabei behutsam vorgehen müssen, mahnt Martin Schmidt.

Der evangelische Pfarrer aus dem Kanton St.Gallen ist Mitglied der katechetischen Kommission der reformierten deutschschweizer Kirchen. Wenn sich die Kirche schlau verhalte, werde sie sich als Partnerin ins Gespräch bringen können, ist er überzeugt. Doch: «Einfach nur zu sagen: ‹wir waren schon immer da, wir sind ein christliches Abendland› – das wird nicht reichen.»

Zwar würden Eltern und Bildungspolitiker häufig betonen, wie wichtig es sei, den Kindern Werte zu vermitteln. Doch im harten Verteilkampf um die Plätze auf dem Stundenplan habe die religiöse Erziehung einen schwachen Stand, bilanziert Schmidt.

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30 Kommentare

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  • Kommentar von Olivier Félix Morini, Mülligen
    Das mit dem Unterricht ist schon eine Sache. Da will man es im ordentlichen Stundenplan machen, beachtet die Blockzeiten (finde ich übrigens sehr wichtig), redet mit den ReligionslehrerInnen (da sie für wenige Stunden pro Kleinstgemeinde nicht für 2-3 Lektionen an 2-3 Tagen kommen kann oder sollte, was absoluter Blödsinn wäre), hat also eine optimale Situation geschaffen: dann kommt das Inspektorat und meldet, dass gewisse Kinder anstatt 28 nur 27 Lektionen haben. Randstunden ahoi:(
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  • Kommentar von Hans König, Häusernmoos
    Hurra! An Stelle des Religionsunterrichts gibt es Sexualkunde! Aber auch für die Muslime!
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  • Kommentar von T. Stierli, Aargau
    Ich hatte selbst Religionsunterricht sowie Ethikunterricht. Grundsätzlich finde ich Religionsunterricht, egal ob katholisch, reformiert oder gar muslimisch, ist Privatsache. Dafür braucht es keinen Platz im Unterricht! Die Schule soll wissenschaftliche Tatsachen vermitteln, nichts anderes! Ethikunterricht ist jedoch etwas anderes. Wir lernten viele Religionen kennen, vom Christentum, über Islam bis hin zu Buddhismus, Hinduismus etc. Auch über Sekten lernte ich vieles, dies muss erhalten bleiben!
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